Anleihemarkt
EZB könnte Spanien mit Ankaufprogramm stützen

Die Europäische Zentralbank könnte das zuletzt nicht angewandte Aufkaufprogramm von Staatsanleihen zu neuem Leben erwecken. Das deutete EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré an. Er hat dabei bestimmte Adressaten im Kopf.
  • 20

Madrid/BerlinDie Europäische Zentralbank (EZB) könnte das erneut ins Visier der Märkte geratene Spanien aus der Schusslinie nehmen. Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré drohte spekulativen Anlegern am Mittwoch damit, am Staatsanleihenmarkt wieder als Käufer aktiv zu werden: „Wir haben ein Instrument für Interventionen, das SMP (Ankaufprogramm). Es wurde zuletzt nicht genutzt, existiert aber.“

Die EZB hatte ihr auch intern umstrittenes Programm zuletzt ruhen lassen. Doch Spanien und auch Italien sehen sich wachsender Skepsis der Investoren gegenüber, sodass die Zinsen zuletzt wieder auf ein untragbares Niveau stiegen. Spekulanten, die auf einen Zinsanstieg setzen, könnten durch SMP-Käufe auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Spanien steht wegen seines hohen Staatsdefizits und des angeschlagenen Bankensektors im Fokus, will die Krise jedoch ohne Hilfe von außen stemmen. Auch die EU stuft das Land nicht als Kandidaten für Rettungshilfen ein.

Die EZB hatte bereits im Sommer 2011 ihr Bond-Ankaufprogramm SMP aufleben lassen, das wegen seiner Nähe zur verbotenen Staatsfinanzierung bei der Bundesbank größtes Unbehagen ausgelöst hat. Mit den offiziell als Marktstütze begründeten Käufen drückte die EZB de facto die Refinanzierungskosten der Schuldenländer.

Seit Mai 2010 hat sie bereits Käufe im Volumen von rund 214 Milliarden Euro abgewickelt. Zugleich hatte EZB-Chef Mario Draghi das Finanzsystem in zwei Wellen im Dezember und Ende Februar mit mehr als einer Billion Euro geflutet. Viele Banken investierten das zum Leitzins von einem Prozent geliehene Geld in den rentablen Ankauf von Bonds klammer Schuldenländer. Dieser Effekt verpufft nun aber allmählich, wie Experten befürchten.

Kommentare zu " Anleihemarkt: EZB könnte Spanien mit Ankaufprogramm stützen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Seit Mai 2010 hat sie(EZB) bereits Käufe im Volumen von rund 214 Milliarden Euro abgewickelt. Zugleich hatte EZB-Chef Mario Draghi das Finanzsystem in zwei Wellen im Dezember und Ende Februar mit mehr als einer Billion Euro geflutet.. ….Dieser Effekt verpufft nun aber allmählich, wie Experten befürchten.(Zitate)
    Ob nun Geldschirme oder dubiose EZB Flutungen- einmal eingeführt – Folge- das Karussell dreht sich immer im Kreis herum. Fluten, Geld drucken, den Banken geben, dann den Staaten weiter geben usw. Bis alle in den Schulden „ersoffen“ sind und dann erst wird man dieses Eurokonzept endlich zu den Akten legen können und verwundert sagen: „Es war nur ein Versuch – es hat eben nur nicht geklappt. Lasst uns jetzt etwas anderes „probieren.“

  • Und ich habe geschrieben:

    "So sehe ich es auch. Die Überschuldung der PIGS durch französische Banken war und ist mutwillig. Das Deutschland die Zeche bezahlt von Anfang an der Plan."

    Niemand kann mir erzählen, dass da kein Plan hinter steht. Sowas ist niemals ein Zufall. (...)
    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

  • Unfassbar, wie das HB hier wieder zensiert! Dabei waren die Beiträge völlig harmlos!
    Ich schrieb:
    Das Problem sind nicht die Banken, sondern die Staaten. Diese machen nicht nur die Gesetze (die den Banken ihre Geschäfte ermöglichen), sondern prassen mit Geld, das sie nicht haben. Und in Europa ist das Perfide, dass die Südländer in Zukunft ganz bewusst auf Kosten der Nordländer leben werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%