Anleihentausch
Rettungspaket für Athen steht auf der Kippe

Die im Juli verabredete Griechenland-Rettung droht an der mangelnden Beteiligung von Fonds und Banken zu scheitern. Athen fordert eine Quote von 90 Prozent - und schreckt auch vor Drohgebärden nicht zurück.
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AthenDie Regierung in Athen warnte am Freitag, man werden den Anleihentausch platzen zu lassen, wenn sich nicht mindestens 90 Prozent der privaten Halter griechischer Staatsanleihen zu dieser Transaktion bereiterklären. Sie ist Kernbestandteil des zweiten Hellas-Rettungspakets. In den vergangenen Wochen haben sich aber Hinweise verdichtet, der Anteil werde nicht erreicht. In diesem Fall würde Griechenland draufzahlen statt profitieren. Allerdings ließ sich die Regierung eine kleine Hintertür offen, auch eine niedrigere Quote zu akzeptieren. Voraussetzung wäre, dass internationale Partner, wie der IWF und die EU, sich damit zufrieden geben.

In dem von der Athener Börse veröffentlichen Regierungsschreiben heißt es: Sollten nicht 90 Prozent aller bis 2014 fälligen Anleihen in Privatbesitz umgetauscht werden, „dann sollte Griechenland keinen Teil der Transaktion durchführen“. Das würde bedeuten, dass am 21. Juli mühsam ausgehandelte neue Paket von 109 Milliarden Euro müsste völlig neu aufgeschnürt werden. Es wäre auch ein harter Rückschlag für Berlin. Denn die
Privatsektorbeteiligung war vor allem auf Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel Bestandteil des zweiten Rettungspaketes.

Nur könnte die komplizierte Rechnung nicht aufgehen. Denn die Banken lassen sich ihre neuen, für Athen günstigeren Papiere absichern. Und das kostet bis 2020 rund 42 Milliarden Euro. Nach ursprünglichen Schätzungen würde die griechische Schuldenlast im gleichen Zeitraum um 54 Milliarden Euro reduziert. Aber wenn die angepeilten 90 Prozent nicht zusammenkommen, bliebe unter dem Strich ein Minus, so fürchtet man in Athen.

Wie zwei ranghohe griechische Banker der Nachrichtenagentur Reuters sagten, ist der Brief als Einladung an die Banken gedacht, bis zum 9. September unverbindlich ihre Teilnahme zu erklären. Danach werde es eine formelle Einladung geben, der Teilnahme spätestens Anfang Oktober verbindlich zuzustimmen. Griechenland will Bonds im Volumen von mindestens 135 Milliarden Euro tauschen oder verlängern. Insgesamt laufen bis zum Jahr 2020 griechische Staatsanleihen von rund 150 Milliarden Euro aus.

EU-Kommissionssprecher Amadeu Altafaj-Tardio versuchte zu beschwichtigen. Die Verhandlungen dauerten an, und es gebe „keinen Grund zur Annahme“, dass das Ergebnis „deutlich“ unter den angepeilten 90 Prozent liegen werde. Doch noch ist der Beitrag nicht zusammen. Das „Wall Street Journal“ zitierte am Freitag einen Sprecher des Internationalen Bankenverbandes (IIF), wonach erst 60 bis 70 Prozent der Banken und Fonds mit Griechen-Papieren auch tatsächlich ihre Beteiligung beabsichtigen. „Aber wir erwarten, dass der Anteil noch steigt“, zitierte das Blatt den IIF-Sprecher.

Viel Zeit bleibt nicht. Mitte September benötigt Athen die nächsten Notkredite der Europartner und des Internationalen Währungsfonds, damit es nicht in die Pleite rutscht. Die Märkte bleiben extrem skeptisch. Die Risikoaufschläge für zweijährige griechische Staatsanleihen schossen in dieser Woche auf über 40 Prozent - ein Anzeichen dafür, dass die Investoren schon bald mit dem Bankrott rechnen.

Doch nicht nur der Anleihentausch und seine Modalitäten stellen noch ein Hindernis für die Umsetzung des zweiten Hilfspakets für Griechenland dar. Auch der Streit unter den Euro-Ländern über besondere finanzielle Sicherheiten für den finnischen Hilfsbeitrag ist noch ungelöst. Ein finnischer Regierungsvertreter unterstrich: für Finnland sei ein Pfand Griechenlands für dessen Hilfsbeitrag weiterhin eine „absolute Grundbedingung“, um sich überhaupt an dem zweiten Hilfspaket für Griechenland zu beteiligen. Diesen Anspruch habe Finnland nicht aufgegeben.

Zuvor hatte es auf einer Internetseite geheißen, Finnland habe auf deutschen Druck hin auf seine Forderung verzichtet. „Die Diskussionen laufen weiter, um einen Weg zu finden, dass wir eine Absicherung erhalten“, stellte der ranghohe finnische Regierungsvertreter klar. Auch die deutsche Regierung spricht von anhaltenden Gesprächen. Eine Sonderregelung zwischen Finnland und Griechenland müsste von allen anderen Euro-Staaten, und zwar einstimmig, akzeptiert werden.

Griechenland macht bei der Sanierung der Staatsfinanzen weiter die lahme Konjunktur zu schaffen. Wie das Finanzministerium in Athen einräumte, wird die Wirtschaft möglicherweise auch im kommenden Jahr nicht zum Wachstum zurückkehren. Zumindest werde die Rezession deutlich abflauen, erklärte das Ministerium. Wenn alle Sparmaßnahmen umgesetzt würden, werde man 2011 „sehr nahe“ an die Haushaltsziele kommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Frankreich sehe ich nicht im Nord-Euro. Aber ein Nordeuro wäre sicher für Dänemark und Schweden interessant. Diese Länder werden der jetzigen Fehlkonstruktion mit invertiertem Regelwerk nie beitreten.

    Dazu kommt, dass die Slowakei Griechenland nicht stützt und Finnland seine Forderung nach Sicherheiten immer noch nicht aufgegeben hat. Es brökelt lansam.

    Und wenn ich dann noch lese, dass Griechenland einen Teil der Hilfszahlungen dazu benutzt um Gold zu kaufen, dann sollte jedem klar sein: The game is up.

  • Schröder und ein paar Linke in Brüssel

  • dfas darf ja wohl nciht wahr sein eine solche Primitivität.
    HB, so was gehört umgehend gelöscht, heir hat sich jeamdn offenkundig im Magazin vertan.

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