International

_

Anleihenverkauf kommt doch: Slowenien will nicht aufgeben

Sloweniens Premier Alenka Bratusek wird den geplanten Anleihenverkauf nun doch nicht stoppen. Die Ratingagentur Moody's hatte das Euro-Land auf Ramsch-Niveau gesetzt. Das deutete auf neue Finanzierungsprobleme hin.

Sloweniens Regierungschefin Alenka Bratusek will verhindern, dass das kleine Land unter den Euro-Rettungsschirm muss. Quelle: dpa
Sloweniens Regierungschefin Alenka Bratusek will verhindern, dass das kleine Land unter den Euro-Rettungsschirm muss. Quelle: dpa

LjubljanaSlowenien will sich von der jüngsten Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agentur Moody's nicht entmutigen lassen. Das Euro-Land will ungeachtet der schlechteren Bonitätsnote dringend benötigtes Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Die Ausgabe eines Dollar-Bonds sei nicht gestoppt worden, sondern werde weiter verfolgt, teilte das Finanzministerium in Ljubljana am Mittwoch mit. Nähere Informationen zum Anleihenverkauf wurden nicht genannt. Am Dienstag hieß es noch, Slowenien werde den geplanten Verkauf von Staatsanleihen stoppen.

Anzeige

Moody's hatte die Kreditwürdigkeit des Landes am Dienstag um gleich zwei Stufen auf „Ba1“ herabgesetzt - und damit auf Ramsch-Niveau. Denn „Ba1“ steht für spekulative Anlagen. Die Analysten begründeten den Schritt unter anderem mit dem Bankensektor des Landes und der hohen Verschuldung.

Welche Euro-Staaten das Zypern-Virus in sich tragen

  • Slowenien

    Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben slowenische Banken etwa sieben Milliarden Euro an faulen Krediten in ihren Büchern stehen - eine Summe, die 20 Prozent des BIP des Landes ausmacht. Seit Monaten wird daher regelmäßig darüber spekuliert, ob der Adria-Staat als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten müsse; im vergangenen Sommer waren die Anzeichen dafür besonders akut.

  • Wie gefährdet ist der Staat?

    Slowenien hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die dem Land mehr Luft an den Finanzmärkten verschafften. So wurde eine Bad Bank beschlossen, in die toxische Papiere der Banken ausgelagert werden sollen. Die Ratingagentur Fitch sah in ihrem jüngsten Länderblick auf Slowenien von vor wenigen Tagen daher nicht mehr unmittelbar das Risiko, dass die frühere jugoslawische Teilrepublik internationale Finanzhilfe beantragen muss. Unter einer Voraussetzung: dass die neue Mitte-Links-Regierung in Ljubljana den Reformkurs fortsetzt und den Bankensektor noch stärker an die Kandare nimmt. Vor allem müsse die Rekapitalisierung der Banken vorangetrieben werden. In Slowenien wird im zweiten Jahr in Folge in 2013 mit einer Rezession gerechnet.

  • Luxemburg

    Der Kleinstaat gilt eigentlich als wirtschaftlich grundsolide, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte ihm in einem Bericht vom Dezember das höchste Pro-Kopf-Einkommen der OECD-Staatengruppe. Zudem sei Luxemburg vergleichsweise gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Doch die OECD mahnte auch, dass das Land trotz bereits umgesetzter Regulierungen im Bankenbereich zu stark von seinem riesigen Finanzsektor abhängig sei, der ein Drittel des BIP erwirtschaftet - zum Vergleich: Auf Zypern waren es 45 Prozent.Die luxemburgischen Banken gelten freilich als weit seriöser als die zyprischen. Sie litten laut OECD kaum unter der Finanzkrise, weil ihnen als "sicherer Hafen" manche Anlagegelder zuflossen.

  • Wie gefährdet ist der Staat?

    Ein schwere Verschärfung der Eurokrise könnte auch das luxemburgische Geschäftsmodell ins Wanken bringen, die Einlagen bei Banken und Investmentfonds übersteigen das BIP um ein Vielfaches. Das kleine Luxemburg könnte die Banken dann aus eigener Kraft nicht retten - ganz zu schweigen von den internationalen Schockwellen. Allein bei der Rettung der maroden Dexia-Bank gab Luxemburg 2011 eine Garantie von 2,55 Milliarden Euro oder 8,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes ab.

  • Malta

    Der winzige Inselstaat im Mittelmeer rühmt sich, die Eurokrise zuletzt weit besser als andere Euroländer überstanden zu haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei lediglich sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent und damit sogar unter die Drei-Prozent-Grenze der EU gedrückt werden.

  • Wie gefährdet ist der Staat?

    Malta wird immer wieder als möglicher Wackelkandidat im Euroraum genannt. Der Grund: Die Entwicklung war vorher über Jahre weit negativer, der Schuldenstand ist immer noch zu hoch und der Finanzsektor ebenfalls viel zu aufgebläht.

Die Herabstufung ist ein schwerer Schlag für die erst seit kurzem regierende Ministerpräsidentin Alenka Bratusek, die das kleine Land mit zwei Millionen Einwohnern ohne Hilfe des Euro-Rettungsschirms sanieren will. Gelingt das nicht, müsste sich Slowenien wohl wie zuletzt Zypern scharfen Sparauflagen der europäischen Partner beugen.

Das Land ächzt unter hohen Schulden der zumeist staatlichen Banken und einem hohen Staatsdefizit infolge der schwachen Wirtschaftslage. Die slowenischen Geldhäuser haben faule Kredite im Umfang von rund sieben Milliarden Euro angehäuft - das entspricht einem Fünftel der Wirtschaftsleistung Sloweniens. Im Mai will die Regierung einen Plan für Privatisierungen von Staatsfirmen und einen neuen Sparkurs vorstellen.

Slowenien benötigt 2013 noch etwa 2,5 Milliarden Euro, um sich zu refinanzieren. Durch die Herabstufung könnten sich künftige Kredite wegen des von Moody's konstatierten höheren Ausfallrisikos verteuern. Moody's schätzt die Kreditwürdigkeit Sloweniens nun deutlich schlechter ein als die anderen beiden großen Agenturen S&P und Fitch.

Reichsten Euro-Länder nach Nettovermögen

  • Nettohaushaltsvermögen

    Als Haushaltsvermögen gelten alle privaten Besitztümer der Menschen innerhalb eines Haushalts - also Sparbücher, Konten aber auch Lebensversicherungen und vor allem Immobilienvermögen. Die EZB-Studie zeigt nun erstmals, wie das Haushaltsvermögen in den Euro-Staaten aufgeteilt ist. Die Daten stammen aus den Jahren 2008 bis 2010. Nicht einbezogen sind die Euro-Länder Irland und Estland, da die Erhebung der Daten bereits begann, als die beiden Staaten den Euro noch gar nicht eingeführt hatten.

  • Platz 15: Slowakei

    Mit einem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen von nur 79.700 Euro ist die Slowakei das traurige Schlusslicht innerhalb der erhobenen Euro-Länder. Damit hat das kleine Land, das zwischen Polen und Ungarn liegt, in dem zwar 1,4 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone liegen, nur 0,5 Prozent des Vermögens.

  • Platz 14: Griechenland

    Der reiche Grieche ist ein Mythos. Der Großteil der griechischen Haushalte ist arm: Mit nur 147.800 Euro Nettovermögen liegen die griechischen Haushalte weit unter dem Durchschnitt in der Euro-Zone von 230.800 Euro. Obwohl Griechenland drei Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone stellt, besitzen die Menschen dort nur 1,9 Prozent des Vermögens.

  • Platz 13: Slowenien

    In Slowenien liegt das durchschnittliche Nettohaushaltvermögen bei 148.700 Euro und damit nur wenige tausend Euro höher als das der Griechen. Doch Slowenien ist ein kleines Land: Die 0,6 Prozent der Haushalte halten 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

  • Platz 12: Portugal

    Auch im Krisenland Portugal besitzen die Menschen nicht viel, im Durchschnitt 152.900 Euro je Haushalt. Damit besitzen die portugiesischen Haushalte, die 2,8 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone darstellen, nur 1,9 Prozent des Vermögens.

  • Platz 11: Finnland

    161.500 Euro besitzen die finnischen Haushalte im Durchschnitt, damit reicht es im Vergleich unter den Euro-Ländern für Platz Elf. Die Finnen halten mit 1,8 Prozent der europäischen Haushalte 1,3 Prozent des Vermögens.

  • Platz 10: Niederlande

    Auch unsere holländischen Nachbarn liegen unter dem EU-Durchschnitt. 170.200 Euro beträgt dort das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen. Damit haben die Niederländer zwar 5,3 Prozent der Haushalte in der Euro-Zone, aber nur 4,0 Prozent des Vermögens.

  • Platz 9: Deutschland

    Für Deutschland, stärkste wirtschaftliche Kraft innerhalb der Euro-Zone, reicht es im Vergleich der Haushaltsvermögen nur für Platz Neun: Durchschnittlich 195.200 Euro besitzen die deutschen Haushalte - und liegen damit unter dem Euro-Zonen-Durchschnitt von 230.800 Euro. 28,7 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Deutschland, aber trotzdem nur 24,3 Prozent des Vermögens.

  • Platz 8: Frankreich

    Frankreich steht besser da als Deutschland. Durchschnittlich 233.400 Euro beträgt dort das Nettovermögen der Haushalte und liegt damit leicht über dem Mittelwert der Euro-Zone. 20,2 Prozent der Haushalte halten 20,3 Prozent des Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

  • Platz 7: Österreich

    265.000 Euro besitzen österreichische Haushalte im Durchschnitt an Vermögen. Damit haben die Österreicher anteilig mehr Vermögen als Haushalte der Euro-Zone: 2,7 Prozent der Haushalte besitzen 3,1 Prozent des Vermögens.

  • Platz 6: Italien

    Auch das Krisenland Italien liegt deutlich über dem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen der Euro-Zone: 275.200 Euro an Vermögen haben die italienischen Haushalte im Durchschnitt angehäuft. Damit machen sie zwa rnur 17,2 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone aus, halten aber 20,6 Prozent des Vermögens.

  • Platz 5: Spanien

    Trotz der hohen Arbeitslosigkeit besitzen auch die spanischen Haushalte noch viel Vermögen, durchschittlich 291.400 Euro. Die Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2008. Damals besaßen die spanischen 12,3 Prozent der Haushalte innerhalb der Euro-Zone rund 15,6 Prozent des Vermögens.

  • Platz 4: Belgien

    In Belgien liegt das Nettohaushaltseinkommen durchschnittlich bei 338.600 Euro - und damit weit über dem der Nachbarländer Niederlande oder Deutschland. 3,4 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Belgien, dort sammelt sich aber 5,0 Prozent des Vermögens.

  • Platz 3: Malta

    Die bevölkerungsärmsten Euro-Länder haben die reichsten Haushalte. Mit 366.000 Euro Durchschnittsvermögen liegen die Haushalte auf der kleinen Mittelmeerinsel auf Platz drei. 0,1 Prozent der Haushalte der Euro-Zone sind auf der Insel zu finden - aber auch 0,2 Prozent des Vermögens.

  • Platz 2: Zypern

    670.900 Euro Vermögen besitzen die Haushalte in Zypern im Durchschnitt - fast das dreifache des Mittelwerts der Euro-Zone, der bei 230.800 Euro liegt. Damit häuft sich bei den 0,2 Prozent der Haushalte der Euro-Zone rund 0,6 Prozent des Vermögenbesitzes.

  • Platz 1: Luxemburg

    Die Luxemburger sind jedoch noch fast 40.000 Euro reicher als die Zyprioten: 710.100 Euro Vermögen besitzen die luxemburgischen Haushalte - und damit 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb Euro-Zone, auch wenn sich nur 0,1 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone in Luxemburg befinden. Das Großherzogtum hat damit unbestritten das höchste Nettohaushaltsvermögen.

Eigentlich sollte schon am Dienstag frisches Geld durch die Ausgabe von Dollar-Bonds in Sloweniens Kassen kommen, was sich nun aber verzögert hat. Daten des Thomson-Reuters-Dienstes IFR zufolge hatte die Finanzagentur am Dienstag bereits Angebote von zwölf Milliarden Dollar zu Zinssätzen zwischen fünf und 6,125 Prozent für seine Anleihen mit Laufzeiten von fünf und zehn Jahren erhalten.

  • 02.05.2013, 08:34 Uhrthoth

    Skeptiker
    Also diese Ratingargenturen die die europäischen Länder bewerten und diverse Wirkungen damit erzielen sitzen doch alle in den USA? Wer hat denn eigentlich was davon diese Wirkungen im europäischen Binnenmarkt auszulösen? Gibt es hier keine Ratingargenturen die hier besser Bescheid wissen? Wer hat den die USA das letzte mal geprüft?

    BG aus L.

  • 02.05.2013, 05:58 UhrPeter

    Wenigstens haben Sie noch den Durchblick - also dann Germanenhengst - so eine Gelegenheit gibt es selten: SLOWENISCHE ANLEIHEN KAUFEN und es den Ratingagenturen es mal so richtig zeigen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

  • 01.05.2013, 23:41 UhrGermanenhengst

    Da sind sie wieder, die US-Boys mit ihrem Dauerstakkato:

    Kaum das Ruhe wäre nach Portugal, Spanien, Irland, Island, Italien, Griechenland, Zypern - nun also Slowenien. Danach dann wahrscheinlich Belgien. Danach dann wahrscheinlich...

    Diese künstliche Panikmache hat System: Bloß nicht zur Ruhe kommen lassen, gar wieder Vertrauen fassen. Nein, nein, immer schön im Angstschweiß rennen.

    Und nachdem die 3 US-Rating-Knaller mit ihrer Reuters-Agentur das Meinungsbild der westlichen Welt diktierenn, lassen wir uns wie die Ochsen 'von den Märkten' durch die Arena führen.

    Au mann, womit haben wir das verdient? Wer wird dieser Versklavungs-Maschine Einhalt geben?

  • Die aktuellen Top-Themen
Kretschmann stützt Bundesregierung: Bundesrat stimmt umstrittener Asylrechtsänderung zu

Bundesrat stimmt umstrittener Asylrechtsänderung zu

Erst stand die Asylrechtsreform der Bundesregierung auf der Kippe. Dann entschloss sich die grün-rote Regierung in Stuttgart die Änderungen mitzutragen. Die Zustimmung löste in der Grünen-Bundestagsfraktion Empörung aus.

Vorschlag: Putin möchte in Wien über Ukraine verhandeln

Putin möchte in Wien über Ukraine verhandeln

Wladimir Putin wünscht sich, die nächste Verhandlungsrunde zur Ukraine-Krise in Wien abzuhalten. Die Idee entstand bei einem Telefonat mit dem österreichischen Kanzler. Dieser erklärte Putin die vier Forderungen der EU.

Schottenvotum: Madrid feiert Sieg der Unabhängigkeits-Gegner

Madrid feiert Sieg der Unabhängigkeits-Gegner

Schottland bleibt britisch – und ausgerechnet Spanien interessiert sich sehr dafür. Im November wollen sich die Katalanen unabhängig machen. Ministerpräsident Rajoy versucht das zu verhindern.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International