Ann Romney
Mitt, der schüchterne Tanzpartner

Große Bühne für Ann Romney: Die Frau des Präsidentschaftskandidaten brachte einem Millionenpublikum bei, wie liebevoll, fürsorglich und lustig ihr Mitt sei. Für die Parteitags-Regie konnte es nicht kitschig genug sein.
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TampaFür alle, die noch immer glauben, ihr Mann sei in Wahrheit ein Präsidentschaftskandidaten-Roboter, hatte Ann Romney am Dienstagabend eine kleine Geschichte mitgebracht. „Da war dieser Junge, den ich beim Tanzabend in der Highschool kennengelernt habe“, erzählte sie mit einem vorsichtigen Lächeln, während im Publikum bereits die ersten Tränen rollten. „Sein Name ist Mitt Romney, und Sie sollten ihn wirklich kennenlernen“.

Groß war der, ein wenig schüchtern, und er habe sie zum lachen gebracht. „Mädchen mögen das“, flötete die blonde Rednerin im roten Blazer, deshalb habe sie sich auch damals in ihn verliebt. Was sie übrigens heute umso mehr tue, nach 43 Jahren Ehen, fünf Söhnen und 18 Enkelkindern. Und genauso sicher, wie Mitt an jenem Abend seine Ann von der Highschool nach Hause begleitete, genauso sicher werde er als Präsident Amerika in eine bessere Zukunft führen. „Vertrauen Sie ihm“.

Vielleicht hatte die Parteitags-Regie dann etwas zu stark am Kitsch-Regler gedreht: Fotos des Liebespaares Romney auf Großleinwand, dazu das Liebeslied „My Girl“ von den „Temptations“, als sich Mitt und Ann nach der Ansprache auf der Bühne küssten. Und doch war es eine gut abgeschmeckte, die Zuschauer rührende Rede, die Ann Romney da bei der Convention der Republikaner in Tampa, Florida, gehalten hat. Und sie dürfte ihrem Ziel ein Stück näher gekommen sein: Es galt, Romney vor Millionen Zuschauern als Mensch erscheinen zu lassen.

Das ist die Aufgabe einer jeden First Lady in spe – unvergessen sind etwa Michelle Obamas Geschichten im Wahlkampf 2008 über Baracks Mundgeruch am Morgen und seine herumfliegenden Socken. Doch bei den Romneys war die Geheimwaffe Ehefrau besonders nötig: Der Kandidat galt bislang als steif und unnahbar. Das muss sich dringend ändern, wenn er der bei der Wahl im November gegen den Charismatiker Obama eine Chance haben will.

Und wer kann da besser helfen als der Mensch, der den Kandidaten so gut kennt wie sonst keiner: Ann Romney ist deshalb die Schlüsselfigur auf dem Weg ins Weiße Haus. Schon über die vergangenen Monaten hatte sie bei jeder Gelegenheit erwähnt, was für ein liebevoller Familienvater ihr Mann doch sei. Welchen Spaß man mit ihm haben könne und wie er sich um alles gekümmert habe, als Ann mit Brustkrebs und Multipler Sklerose kämpfte. Das war der Stoff vieler Interviews und Homestorys.

Doch die ganz große Chance auf nationale Aufmerksamkeit war die mit Spannung erwartete Ansprache am Dienstagabend zur besten Sendezeit. Schon in ihrer Einleitung hatte sich die 62-Jährige von den Anti-Obama-Attacken der anderen Redner abgehoben: „Heute Abend möchte ich nicht über Politik sprechen und auch nicht über die Partei“, sagte sie. „Heute Abend möchte ich über Liebe sprechen“.

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Ein Bild nach Geschmack der Konservativen

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  • uuuahhh wie eklig dieser Ami Pathos.
    Schon wieder so ein Ultra-Gläubiger radikal Bibeltreuer, der meint, "alles ist Gottes Wille, im Sinne Amerikas"

    Wen der Präsident wird, und wichtige Kreise beziehen ja schon Position für Ihn, dann kaufe ich mir einen Atombunker in den schweizer Alpen.

    Sie müssen sich mal durchlesen, wie er und seine Thinktanks die Rolle Amerikas in den nächsten Jahren sieht, ich sage nur verbrannte Erde, Kampf um Ressourcen weltweit mit China plus viele Kriege.

    Kein Wunder den fast jeder 7 Arbeitsplatz hängt mit Rüstung und Militär zusammen.

    Was ist nur aus Amiland geworden??

  • Typisch Amerikanisch ..... ätzend !
    Ok, die deutsche Bevölkerung ist auch nicht gerade die schlaueste - siehe wen sie bisher gewählt haben und was gerade in der Politik passiert - ohne dass die Politiker zum Teufel gejagt werden.
    Aber es gibt wohl für jede Dummheit noch eine Steigerung....
    Armselig geht die Welt zugrunde.....

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