Annäherung in Moskau Erdogan sucht Schulterschluss mit Putin

Vor kurzem herrschte noch offene Feindseligkeit zwischen Russland und der Türkei. Doch davon ist nichts mehr zu spüren. Beim Besuch in Moskau hat Kremlchef Putin für Präsident Erdogan eine Überraschung parat.
Update: 10.03.2017 - 14:31 Uhr 27 Kommentare
Im Kreml wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan freundlich empfangen. Quelle: AP
Putin empfängt Erdogan

Im Kreml wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan freundlich empfangen.

(Foto: AP)

MoskauMit einer Geste der Entspannung hat Russland den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan empfangen. Als Zeichen der Wiederannäherung lockerte die russische Regierung ein Einfuhrverbot für Obst und Gemüse. Unter anderem dürfen wieder Zwiebeln, Nelken, Blumenkohl und Brokkoli aus der Türkei nach Russland geliefert werden. In Kraft bleibt Berichten zufolge aber ein Importverbot für Tomaten, eines der wichtigsten türkischen Exportprodukte.

Es ist Erdogans zweiter Besuch in Russland seit August 2016. Geplant waren auch Gespräche zahlreicher Regierungsvertreter beider Länder. Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch das türkische Militär 2015 hatte zu einem Zerwürfnis zwischen Moskau und Ankara – und schließlich auch zu den Sanktionen – geführt. Seit Sommer 2016 stehen die Zeichen aber wieder auf Partnerschaft. Russische Experten sagen, dass Erdogan auch wegen der Spannungen mit dem Westen den Schulterschluss mit Moskau suche.

Hauptthema ihres Treffens ist der Syrien-Konflikt. Einen so vertrauensvollen Dialog Russlands mit der Türkei zu Syrien habe niemand zuvor erwartet, sagte Putin vor dem Treffen mit Erdogan. „Wir sind sehr froh, dass wir unsere Verbindungen so schnell wiederherstellen können“, sagte er. Beide wollen eigenen Angaben zufolge weiter aktiv an einer Lösung für den Syrien-Krieg arbeiten.

Russland und die Türkei treten als Garantiemächte für die Ende Dezember vermittelte Waffenruhe auf. Zudem brachten sie Friedensgespräche zwischen Assads Regierung und der Opposition abseits der von der Uno vermittelten Verhandlungen auf den Weg. Die dritte Runde dieser Gespräche soll kommende Woche in Astana stattfinden.

Zwar unterstützen beide Länder unterschiedliche Konfliktparteien in dem seit 2011 andauernden Bürgerkrieg in Syrien, denn Moskau steht an der Seite von Präsident Baschar al-Assad, während die Türkei seine Feinde unterstützt. Doch die allgemein wieder verbesserten Beziehungen zwischen beiden Ländern führten auch zu einer immer engeren Zusammenarbeit im Syrien-Konflikt. Dort koordinieren sie unter anderem auch ihre Einsätze gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Zu Wochenbeginn waren die Militärchefs der beiden Länder mit ihrem US-Kollegen zusammengetroffen, um sich im türkischen Antalya bei ihren Militäroperationen besser abzustimmen und gegenseitiges Misstrauen abzubauen. Alle drei Länder unterstützen unterschiedliche Gruppen, die alle im Kampf um die Rückeroberung von Al-Rakka, der De-facto-Hauptstadt des IS, beteiligt sind.

Immer wieder die Nazikeule
Silvio Berlusconi
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Auf scharfe Fragen des damaligen Europaabgeordneten und heutigen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz antwortet Italiens damaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Juli 2003: „Herr Schulz, ich weiß, dass ein Produzent in Italien gerade einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen. Sie wären perfekt.“ Kapos waren Häftlinge in NS-Konzentrationslagern, die zur Aufsicht über andere Gefangene eingesetzt wurden.

Hugo Chávez
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Für Venezuelas ehemaligen Präsident Hugo Chávez gehört Bundeskanzlerin Angela Merkel der politischen Rechten an. „Derselben Rechten, die (Adolf) Hitler, die den Faschismus unterstützt hat“, sagte er im Mai 2008. Die Kanzlerin hatte zuvor gesagt, Chávez vertrete mit seinen Äußerungen nicht die Meinung von ganz Lateinamerika.

Das polnische Magazin „Wprost“
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Wegen des Streits um ein Vertriebenenzentrum zeigte das polnische Magazin „Wprost“ auf seinem Titel im September 2003 die umstrittene Präsidentin des Vertriebenen-Bundes, Erika Steinbach (CDU), in Nazi-Uniform auf dem Rücken von Kanzler Gerhard Schröder (SPD).

Die griechische Partei „Syriza“
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Mit Anspielungen auf deutsche Verbrechen während des Holocaust legt die Parteizeitung der griechischen Regierungspartei „Syriza“ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Februar 2015 in einer Karikatur, auf der er eine Wehrmachtsuniform trägt, die Worte in den Mund: „Wir bestehen darauf, Seife aus Eurem Fett zu machen.“ Und: „Wir diskutieren nur über Düngemittel aus Eurer Asche.“ Wegen deutscher Forderungen in der griechischen Schuldenkrise druckten mehrere Zeitungen Nazi-Vergleiche mit deutschen Politikern.

Das polnische Wochenblatt „Najwyzszy Czas!“
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Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft druckte das polnische Wochenblatt „Najwyzszy Czas!“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im März 2007 mit Hitler-Bärtchen.

Die türkische Zeitung „Sözcü“
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Nach der Völkermord-Resolution zu den Massakern an den Armeniern im Bundestag druckte die türkische Zeitung „Sözcü“ im Juni 2016 ein Bild von Merkel mit Hitlerbart und Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzfahne.

Die türkische Zeitung „Günes“
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Nach ihrer Kritik am Nazi-Vergleich des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigte sich das Boulevardblatt „Günes“ besonders kreativ – und zeigte Kanzlerin Merkel erneut mit Hitlerbart und -gruß. Die Nazi-Uniform blieb ihr diesmal allerdings erspart.

Erdogan betonte am Freitag in Moskau außerdem, dass vor allem die großen gemeinsamen Energieprojekte gut voran kämen. Russland will die Gaspipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer und das Kernkraftwerk Akkuyu im Süden der Türkei bauen. Über Turkish Stream will Russland Erdgas auch nach Südeuropa verkaufen.

Weiteres Signal der Annäherung: Die russische Billigairline Pobeda kündigte an, dass sie von Freitag an Linienflüge in die Türkei anbiete. Die erste Maschine von Moskau in den Badeort Alanya solle am 21. April starten, teilte die Fluggesellschaft der Agentur Tass zufolge mit. Pobeda gehört zum staatlich kontrollierten russischen Marktführer Aeroflot. Nach dem Abschuss des Militärjets waren neben den Sanktionen auf Lebensmittel auch Charterflüge in das bei Russen beliebte Reiseland Türkei eingestellt – was den Tourismus in der Türkei hart traf.

  • dpa
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27 Kommentare zu "Annäherung in Moskau: Erdogan sucht Schulterschluss mit Putin"

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  • @ Frau Paula Friedrich ... " Müssen dann die jungen Türken zum Militär und möglicherweise nach Syrien?"

    Soweit Türken die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen ist § 28 des Staatsangehörigkeitsgetzes zu beachten.

    Wortlaut :
    Ein Deutscher, der auf Grund freiwilliger Verpflichtung ohne eine Zustimmung des Bundesministeriums der Verteidigung oder der von ihm bezeichneten Stelle in die Streitkräfte oder einen vergleichbaren bewaffneten Verband eines ausländischen Staates, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, eintritt, verliert die deutsche Staatsangehörigkeit. Dies gilt nicht, wenn er auf Grund eines zwischenstaatlichen Vertrages dazu berechtigt ist.

    Fazit :
    Türken mit türkischem Pass werden Militärdienst leisten müssen, worunter dann auch die Türken fallen, die in D ausgebürgert werden

  • Glauben da zwei schwache sich in der defensive befindenden Despoten durch ihren Zusammenschluss Stärke zu erzeugen? Was in der Wirtschaft nicht funktioniert, funktioniert bei Staaten schon gar nicht.

  • @ Novi Prinz10.03.2017, 16:51 Uhr

    Dieser Wadenbeisser mußte nur nach oben gepuscht werden, damit er bekannt wird und im ÖR richtig ankommt. Er war aber kein Staatspräsident eines verbündeten Staates. In Griechenland war es auch die Boulewardpresse und nicht der Staatspräsident. Auch wenn ich von Erdogan nichts halte, aber ein Unterschied zu griechischen Revolverblättern und einem deutschen (Überlegungen über seine Qualifikation verkneife ich mir) besteht doch wohl. Zumindest ist er deutlich gefährlicher.

  • @ Herr Helmut Metz10.03.2017, 16:52 Uhr
    "Diese Lobpreisung stammt vom Großmufti Amin e-Husseini, als dieser 1943 bei seiner Rede in Babelsberg ein Fazit zog."

    Was die Türkei aber nicht davon abgehalten hat, 1945 dem Deutschen Reich noch den Krieg zu erklären, um daraus Nutzen zu ziehen.

  • @ Herr Renatus Isenberg10.03.2017, 16:55 Uhr
    "Deutschland würde es nicht zu bereuen haben."

    Oh doch ! Ganz schnell sogar. Die Europäer müssen sich einigen und unsere Interessen vertreten. Nur zusammen können wir mit Putin auf Augenhöhe verhandeln. Sonst würde er uns und unsere Partner in der EU schnell auseinander dividieren. Wenn schon der türkische Sultan anlasslos ungestraft über Nazimethoden schwafeln darf, wie schnell würden bei Abkommen zwischen Russland und Deutschland von interessierter Seite im Ausland das "Hitler-Stalin-Abkommen" instrumentalisiert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Deutsche Türken bald im Krieg? Zur Zeit können sich türkische Mitbürger noch vom Militärdienst in der Türkei freikaufen. Erdogan verachtet es aber wenn man seinem Land nicht dient. Er hat schon vor dem Referendum dazu aufgefordert Euros in türkische Lira zu tauschen aus patriotischen Gründen, dabei macht man schnell große Verluste. Es kann nun sein, dass nach dem Referendum die Kosten für das Freikaufen vom Militärdienst erhöht werden, aber was ist wenn das Freikaufen abgeschafft wird? Müssen dann die jungen Türken zum Militär und möglicherweise nach Syrien?

  • Der "Türkische Frühling" ist scheinbar gescheitert und der Erdogan steckt die Verräter in den Knast. Das passt den Verursachern wie der EU nicht. Die Türken werden über Erdogans Politik abstimmen, das ist in der mafiösen EU auch nicht üblich, da wird man bestimmt, egal wie abgestimmt wurde. Ganz nebenbei lebt es sich in der Türkei mit ein paar Dollars ganz gut, kann man aber nicht wissen, wenn man hier Seite um Seite über die Türkei schreibt.



  • Halb Mossul ist zur Zeit unter grausamer Besatzung durch den IS, der von den USA unbeeindruckt von zivilen Lateralschäden bekämpft wird. Genau das, was der Westen Russland in Aleppo vorgeworfen hatte - doch jetzt kein Wort über die Opfer in Mossul. Es ist reine Dummheit von Obama und der EU, Russland zu mobben. Also wendet sich Putin aus praktischen Gründen der Türkei zu. Natürlich weiss Putin, dass Erdogan ein Massenmörder ist und sein Land mindestens genauso undemokratisch ist wie Russland , wenn nicht viel mehr. Putin verachtet Erdogan als primitiven Muslim, als Egomane mit hohem Konfliktpotential. Putin würde viel lieber mit Deutschland zusammen arbeiten und Deutschland würde es nicht zu bereuen haben. Doch Merkel glaubt anscheinend an die Auferstehung des Obama.

  • @ Otto Berger
    "Die Deutschen sind in der Geschichte mit den Türken stets gut ausgekommen und das sollte auch so bleiben...

    Das beruhte auf Gegenseitigkeit - vor allem auch in den zwölf Jahren, auf die man die Geschichte Deutschlands reduziert hat - und eben nicht nur bei den Türken. Das ist ein absolutes Tabuthema, wird nicht angsprochen und darf nicht angesprochen werden, weil es so bezeichnend ist und die totale Heuchelei der "politisch Korrekten" aufzeigt. Jetzt wird es also heftig:
    ""Die Freundschaft und die Zusammenarbeit zwischen Muslimen und Deutschen sind nach der Machtübernahme durch die Nazionalsozialisten viel stärker geworden, weil der Nationalsozialismus in vieler Hinsicht parallel zur islamischen Weltanschauung läuft." Diese Lobpreisung stammt vom Großmufti Amin e-Husseini, als dieser 1943 bei seiner Rede in Babelsberg ein Fazit zog.
    Beim Lesen heiliger islamischer Schriften verwundert es kein bisschen, dass Hitlers "Mein Kampf" in der muslimischen Welt mitunter als Bestseller gilt und häufig zusammen mit religiöser Literatur verkauft wird. In der Tat ist es vollkommen realitätsfern - aber eben "politisch korrekt " - Menschen als "Nazis" zu bezeichnen, die sich gegen die explizit im Koran begründetet Ideologie des Islam aussprechen." (Philipp A. Mende: Geschosse wider den Einheitsbrei, 2016, S. 214f.)
    Wenn Sie sich anschauen, wo es in Deutschland heute den allerübelsten Antisemitismus gibt, dann werden Sie eben NICHT bei den hirnlosen kahlköpfigen Landsleuten fündig. Und daher sind die "Nazi"-Keulereien Egowahns einfach nur abgrundtiefe Heuchelei!

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