Annäherung
Staatsbegräbnis leitet neuen Dialog in Korea ein

Die Südkoreaner nehmen mit einem Staatsbegräbnis Abschied von ihrem früheren Präsidenten Kim Dae Jung. Auch Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il entsendet eine hochrangige Kondolenzdelegation nach Seoul. Beide Länder nutzen die Gelegenheit, wieder miteinander zu reden.

HB SEOUL. Das Staatsbegräbnis für Kim Dae Jung hat am Sonntag in Seoul einen Neubeginn des innerkoreanischen Dialogs eingeleitet. Noch vor dem Staatsakt im Parlament, auf dessen Vorplatz sich mehrere zehntausend Menschen versammelt hatten, empfing der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak erstmals in seiner eineinhalbjährigen Amtszeit eine Delegation aus Pjöngjang, die eine mündliche Botschaft ihres Staatschefs Kim Jong Il überbrachte.

Fast sah es so aus, als ob die von Expräsident Kim Dae Jung 1998 eingeleitete „Sonnenscheinpolitik“ an diesem Sommertag noch einmal für Tauwetter in den seit Lees Amtsantritt im Februar 2008 zunehmend eingefrorenen Beziehungen sorgen könnte. Der konservative Lee hatte Kims Versöhnungspolitik offiziell beendet, indem er humanitäre Hilfe für den verarmten Norden von Fortschritten in den Gesprächen zur nuklearen Abrüstung abhängig machte.

Pjöngjang kappte danach fast alle bilateralen Projekte, die unter Kim Entspannungspolitik begonnen wurden und für die der damalige südkoreanische Präsident den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Nordkorea führte einen Atomwaffentest durch und erprobte mehrere ballistische Raketen. Die Konfrontation mit der Staatengemeinschaft verstärkte das kommunistische Regime, indem es sich aus den internationalen Abrüstungsverhandlungen zurückzog.

Ein südkoreanischer Präsidentensprecher bezeichnete die Botschaft Kim Jong Ils als „herzlich“. In dem halbstündigen Gespräch mit Lee hätten die nordkoreanischen Gesandten die Gedanken des Staatschefs zum „Fortschritt in den innerkoreanischen Beziehungen“ vorgetragen. Lee habe seine „festen und konsequenten“ Standpunkte zu seiner Nordkorea-Politik erläutert und die Notwendigkeit eines „ernsthaften Dialogs“ betont.

Zur nordkoreanischen Delegation gehörten der für innerkoreanische Beziehungen zuständige Geheimdienstchef Kim Yang Gon und das ranghohe KP-Mitglied Kim Ki Nam. Nach dem Treffen mit Lee sagte Kim Ki Nam vor Journalisten: „Wir reisen in einer positiven Stimmung zurück.“

Kim Dae Jung war von 1998 bis 2003 Präsident. Davor war er jahrzehntelang Oppositionsführer. In dieser Zeit überstand er Folter, Todesdrohungen und Haft. Seine „Sonnenscheinpolitik“, die erstmals seit dem Ende des Koreakriegs eine Familienzusammenführung im größeren Rahmen ermöglichte, machte ihn im Süden wie Norden außerordentlich populär. Es war die erste Beisetzung eines südkoreanischen Präsidenten, an der eine nordkoreanische Delegation teilnahm.

Die Beisetzung erfolgte in einer interreligiösen Zeremonie. Der am Dienstag im Alter von 85 Jahren verstorbene Kim war Katholik gewesen, in Südkorea gibt es aber auch viele Buddhisten.

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