Annäherung zwischen Kuba und USA
Der Papst kommt – kommt auch das Geld?

Der Papst besucht Kuba und die USA. Auch US-Unternehmen nehmen nach der diplomatischen Annäherung das Land ins Visier. Es locken zwölf Millionen potenzielle Kunden – doch der Weg auf die Insel ist steinig.

New YorkIm Grau des Sozialismus, zwischen Zweckbauten, Denkmälern und einem Abbild Che Guevaras, wird Papst Franziskus das erste Mal zu den Kubanern sprechen. Auf dem Platz der Revolution in Havanna hält er am Sonntag eine Messe. Danach geht es für den Pontifex auf rissigem Asphalt weiter Richtung Revolutionspalst, vorbei an verwitterten Kolonialbauten. Im Palast trifft er auf Kubas Präsident Raúl Castro.

Bis Dienstagabend bleibt Papst Franziskus auf Kuba. Dann fliegt er direkt weiter in die Vereinigten Staaten. In den Straßen Washingtons, New Yorks und Philadelphias blinkt ihm der amerikanischen Konsumtraum entgegen: grün-schwarze Starbucks-Nixen, leuchtende McDonald’s-Bögen, grelle Werbung für Klamotten-Labels.

Kuba und die USA trennen noch immer Welten. Der Papst will sie mit seinem symbolischen Besuch in beiden Ländern verbinden. Auch US-Unternehmen wollen von der diplomatischen Annäherung profitieren: Die marode Wirtschaft Kubas verspricht die Chance, kräftig auf der Insel zu investieren. Doch bei allen historischen Signalen: Kuba wird nicht so schnell amerikanisch.

Die Hürden bleiben für die US-Unternehmen auf absehbare Zeit hoch. Die meisten Konzerne können aus juristischen Gründen immer noch keine Geschäfte mit Kuba machen oder die Geschäfte lohnen sich noch nicht. „Derzeit beobachten wir, dass viele US-Unternehmen auf Kuba Träume anstelle der Realität verfolgen“, sagt John Kavulich, Präsident des amerikanisch-kubanischen Handels- und Wirtschaftsrats.

Obama hofft auf die Republikaner – wahrscheinlich vergeblich

Es gibt Vorreiter in den USA, die aber noch lange nicht das große Geld machen. So bietet die US-Fluggesellschaft JetBlue neuerdings Direktflüge an, American Airlines will im Dezember nachziehen. Aber das sind nur Charterflüge, Amerikaner benötigen immer noch ein Visum, das Reisen ist für sie ungewohnt schwierig. Auch die Mietplattform Airbnb und der Streamingdienst Netflix versuchen ihre Dienste auf Kuba zu etablieren. Aber der Markt ist klein, nur wenige Kubaner haben einen brauchbaren Internetanschluss. Die US-Invasion wird im Zeitlupentempo erfolgen. Es locken zwölf Millionen potenzielle Kunden. Laut einer noch unveröffentlichten Studie des Kreditversicherers Euler Hermes, die dem Handelsblatt vorliegt, könnten die US-Exporte nach Kuba bis 2020 jährlich um rund eine Milliarde US-Dollar steigen – auf dann sechs Milliarden Dollar.

Jedoch liegt der Prognose zugrunde, dass das Handelsembargo bald gekippt wird. Noch kämpfen US-Unternehmen mit einem Meer von Statuten, Regeln und Verordnungen in den USA, das ihnen verbietet, auf der Karibikinsel Geschäfte zu machen. Um das zu ändern, muss der amerikanische Kongress das Embargo aufheben. Doch die Republikaner werden dem Wunsch Obamas nach einer Abschaffung der Handelsbeschränkungen sicherlich nicht nachgeben. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio etwa, Sohn eingewanderter Kubaner, schreibt auf seiner Website: „Die kubanische Regierung ist ein Feind der Vereinigten Staaten. Geld, das nach Kuba fließt, geht direkt an das Regime, das bei jeder Gelegenheit gegen US-Interessen arbeitet.“

Telekommunikationskonzerne halten sich zurück

Beispiel Telekommunikationsbranche. Kuba hinkt der westlichen Welt in Sachen Internet um Jahrzehnte hinterher: Nur fünf Prozent der Einwohner haben nach Angaben der Stiftung Freedom House Zugang zum freien, unzensierten Netz. Dazu ist es unerschwinglich. Für eine Stunde Surfen müssen Kubaner rund ein Fünftel ihres monatlichen Lohns zahlen.

Eigentlich eine ideale Geschäftschance. US-Telekommunikationsfirmen dürfen seit Januar ihre Dienstleistungen auf Kuba anbieten. Verbreiten sich erst einmal Twitter oder Facebook auf der Insel, so das Kalkül Obamas, wird die Zivilgesellschaft gestärkt – und der Druck auf das Castro-Regime nimmt zu.

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