Annan wendet sich an Weltsicherheitsrat
Friedenstruppe für Liberia gefordert

Die Rufe nach einem internationalen Truppeneinsatz zur Beendigung des Bürgerkriegs im westafrikanischen Liberia werden stärker. UN-Generalsekretär Kofi Annan wandte sich am Samstag schriftlich an den Weltsicherheitsrat mit der Bitte um sofortige Entsendung von Friedenstruppen.

HB/dpa NAIROBI/NEW YORK. Schon zuvor hatte der britische UN-Botschafter Jeremy Greenstock erklärt, die USA seien berufen, die Führung einer solchen Truppe zu übernehmen. Selbst der umstrittene liberianische Präsident Charles Taylor überwand seine Abneigung gegen die USA und meinte am Samstag: „Ich denke, die USA sollten jetzt kommen.“ Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS ist bereit, 5000 Soldaten zu stellen, wenn eine stabile Waffenruhe herrscht.

Nach Berichten über den Tod Hunderter Zivilisten in Liberias Hauptstadt Monrovia appellierte UN-Generalsekretär Annan an den Sicherheitsrat, umgehend zu handeln. Das Gremium möge „die Entsendung einer bestens ausgebildeten und gut ausgerüsteten multinationalen Truppe unter der Führung eines UN-Mitgliedstaates anordnen und damit eine humanitäre Tragödie größeren Ausmaßes vermeiden...“ Die schweren Kämpfe der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass das Einschreiten der westafrikanischen Staaten (ECOWAS) nicht ausreiche und weitere internationale Kräfte erforderlich seien, um Liberias völligen Verfall aufzuhalten, schrieb Annan. Er riet, den Truppeneinsatz unter Kapitel VII der UN-Charta zu stellen. Das heißt, dass die Soldaten sich mit Waffengewalt durchsetzen dürfen.

Liberias Konfliktparteien müssten „unverzüglich und bedingungslos“ ihre Waffen niederlegen und das Waffenstillstandsabkommen von Accra befolgen. Das sei die Voraussetzung für die Wiederaufnahme der internationalen humanitären Hilfe für die Not leidende Bevölkerung des Landes. Außerdem dürfe sich kein anderes Land, auch keines von Liberias Nachbarländern, in den Konflikt einmischen und die Kämpfe oder ihre Fortsetzung unterstützen. „Wir dürfen uns nicht blind stellen gegenüber den Warnhinweisen auf eine drohende mögliche Katastrophe“, beendete Annan seinen Brief.

Die Rebellen von der LURD (Liberianer vereint für Versöhnung und Demokratie) waren in der vergangenen Woche fast bis ins Zentrum von Monrovia vorgestoßen und hatten den Hafen erobert. Am Freitag hatten sie eine Waffenruhe erklärt. Bis dahin waren in diesem Monat über 600 Menschen, in der großen Mehrheit Zivilisten, getötet worden; Zehntausende waren geflohen. Am Wochenende war es in Monrovia relativ ruhig.

Der britische UN-Botschafter Greenstock meinte, die USA seien „nach Ansicht aller der natürliche Kandidat“, die Führung einer Friedenstruppe für Liberia zu übernehmen. Doch Washington hat bislang nicht reagiert. Präsident George W. Bush beschränkte sich darauf, den liberianischen Präsidenten Taylor zum Rücktritt aufzufordern. Im Juli will Bush mehrere Staaten Afrikas besuchen.

Der französische Außenminister Dominique de Villepin meinte am Samstag bei einem Kurzbesuch in Ghana, sein Land habe Truppen an die Elfenbeinküste und nach Kongo entsandt und würde auch für Liberia Truppen beisteuern. Doch zuvor müsse eine Waffenruhe herrschen.

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