Anschläge in Mumbai
Indiens „7 11“

Die Zahl der Todesopfer in der indischen Finanzmetropole Mumbai – das frühere Bombay – ist weiter gestiegen. Die Bomben, die am Dienstag in Pendlerzügen gezündet worden waren, töteten fast 200 Menschen. Im Verdacht stehen bisher vor allem islamische Separatistenbewegungen aus Kaschmir.

HB NEU DELHI. Das indische Innenministerium prüft, ob es einen Zusammenhang mit den Anschlägen in der Stadt Srinagal im indischen Teil Kaschmirs gibt. Wenige Stunden vor den Attentaten von Bombay hatten mutmaßliche Moslemextremisten in der Unruheprovinz acht Menschen getötet, darunter sieben Touristen. Die Polizei hat vor allem die von Pakistan aus operierende muslimische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (LeT) im Verdacht, für das Attentat in Srinagal sowie eventuell auch für die Bomben in Mumbai veranwortlich zu sein.



Die Himalaya-Region ist zwischen Indien und Pakistan geteilt. Im indischen Teil Kaschmirs sind seit Beginn eines Aufstands gegen die indische Herrschaft im Jahr 1989 zehntausende Menschen getötet worden. Indien wirft dem mehrheitlich moslemischen Nachbarland Pakistan vor, die Kaschmir-Rebellen zu unterstützen.

Ein Sprecher von LeT dementierte in einem Anruf an eine indische Zeitung aber eine Beteiligung der Gruppe an den Anschlägen in Mumbai, die er als als "unmenschlich" und "barbarisch" verurteilte. "Der Islam verbietet die Ermordung unschuldiger Menschen", sagte der Sprecher, der sich selbst als "Doktor Ghaznavi" bezeichnete.

Auch die Terror-Gruppe Hizb-ul-Mujahideen distanzierte sich bereits von den "ungeheuerlichen" Attentaten in Mumbai. "Angriffe auf Zivilpersonen gehören nicht zu unserem Programm. Wir haben solche Attacken nie ausgeführt und werden auch niemandem erlauben das zu tun", sagte der Sprecher der Gruppe, Ehsan Elahi. Premierminister Manmohan Singh versicherte, die Regierung werde alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die Verantwortlichen zu bestrafen.





» Bilder des Terrors: Die Attentatsserie in Mumbai





In Mumbai waren am Dienstag bei der Explosion von sieben Bomben in voll besetzten Vorortzügen und auf Bahnhöfen während des abendlichen Berufsverkehrs 190 Menschen getötet worden. Am Dienstagabend war noch von 150 Opfern die Rede. Die Zahl der Verletzten gab die Polizei am Mittwochmorgen mit 625 an. Die Attentäter hatten die Bomben vor allem in den Erste-Klasse-Abteilen der Züge platziert. Deutsche sind nach Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes nicht betroffen.

Mehr als 6 Mill. Pendler fahren täglich mit den Vorortzügen Mumbais. Es ist die schwerste Anschlagserie in der 14-Millionen-Metropole seit 1993. Damals waren mehr als 270 Menschen bei einer Serie von Bombenanschlägen getötet wurden.

Die indischen Behörden verstärkten landesweit die Sicherheitsvorkehrungen. Gleichzeitig rief Ministerpräsident Singh die Bevölkerung zu Ruhe auf. Jeder solle seinen Alltag wie sonst üblich weiter führen, sagte er. Schulen und Geschäft wurden am Mittwoch wieder ganz normal geöffnet. Ein Vertreter des indischen Außenministeriums sagte, die Anschlagsserie habe die Vernichtung des Friedensprozesses mit Pakistan zum Ziel. Indien werde jedoch an der Verbesserung der Beziehungen beider Länder festhalten. Sowohl der indische Präsident Manmohan Singh als auch der pakistanische Staatschef Pervez Musharraf verurteilten die Anschläge.

Entsetzen in der ganzen Welt

US-Präsident George W. Bush sagte, „solche Taten stärken nur die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft, sich vereint gegen den Terrorismus zu stellen“. Auch US-Außenministerin Condoleezza Rice verurteilte die Attentate in Srinagar und Mumbai. "Die USA stehen neben Indien im Krieg gegen den Terror. Solche entsetzlichen Akte können überall auf der Welt passieren", so Rice. Die "Times of India" wertete diese Aussagen als Zeichen, dass Washington die Attentate nicht mehr nur im Zusammenhang mit lokalen Konflikten und Gruppen einordnet.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich ebenfalls bestürzt über die Bombenanschläge. Bundeskanzlerin Angela Merkel schickte ein Kondolenzschreiben an den Präsidenten Indiens. Der britische Premierminister Tony Blair sprach von einem „brutalen, beschämenden Akt“.

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