Anschläge in Nordafrika
El Kaidas neuer Terrorplan

Erst Marokko, dann Algerien: Islamische Extremisten terrorisieren nun den Norden Afrikas. Dass es ausgerechnet diese beiden Maghreb-Staaten traf, halten Antiterrorexperten nicht für Zufall. Dahinter stecke ein Plan, der auch Europa aufschrecken muss, heißt es.

HB ALGIER. Terroristen haben bei den schwersten Anschlägen in Algerien seit Jahren mindestens 30 Menschen getötet. Trümmer und Glasscherben wurden über mehrere Häuserblöcke verstreut.

Der Minister für nationale Soldidarität, Jamal Walad Abbas, erklärte, vor dem Regierungsgebäude habe der Attentäter unter anderem zwei Polizisten, eine schwangere Frau und zwei Kinder aus einem benachbarten Kindergarten mit in den Tod gerissen. Der Mann habe versucht, vor dem Gebäude, in dem neben dem Ministerpräsidenten-Amt das Innenministerium untergebracht ist, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Als ihn die Beamten gestoppt hätten, habe er seine Autobombe gezündet.

Die Explosionen am Mittwoch schürten die Furcht vor einer Neuauflage des Bürgerkriegs der 1990er Jahre. Zu den Taten bekannte sich die Extremistengruppe „El-Kaida-Organisation im Islamischen Maghreb“, die nach eigenen Angaben auch hinter den Anschlägen in Marokko am Dienstag steht.

Erst Marokko, dann Algerien: Verstümmelte Leichen, zerstörte Gebäude, Panik in der Bevölkerung - die Bilder aus beiden nordafrikanischen Ländern gleichen sich. In Casablanca, der marokkanischen Wirtschaftsmetropole, hatten sich drei Selbstmordattentäter auf der Flucht vor der Polizei in die Luft gesprengt und einen Beamten mit in den Tod gerissen. Ein weiterer Verdächtiger wurde von Polizisten erschossen. In Algier gingen Bomben vor dem Regierungssitz und einer Polizeiwache hoch.

In dem von Touristen viel besuchten Marokko wurden böse Erinnerungen wach: Am 16. Mai 2003 war das amerikafreundliche Königreich, ebenfalls in Casablanca, erstmals überhaupt Schauplatz eines großen islamistischen Anschlags geworden. 45 Menschen starben, darunter 12 Selbstmordattentäter. Seitdem sind tausende Verdächtige festgenommen, hunderte von ihnen verurteilt und Dutzende Terrorzellen zerschlagen worden. Menschenrechtsgruppen beklagen in diesem Zusammenhang Verschleppungen, Folter und zweifelhafte Urteile.

Gleichzeitig haben die jüngsten Ereignisse in Casablanca und in Algier große Befürchtungen im Norden Afrikas, aber auch in Europa, bestätigt: Polizeiexperten warnen schon seit langem vor einer Strategie El Kaidas und verwandter Gruppen zur Ausbreitung des islamistischen Terrors in der gesamten Region.

„Die Tentakel El Kaidas greifen nach den Maghreb-Staaten“, sagt der marokkanische Innenminister Chakib Benmoussa. So hat sich die größte Terrororganisation im benachbarten Algerien, die „Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC), im Januar in „El Kaida des islamischen Maghreb“ umbenannt. Diese bekannte sich in einem Schreiben an den arabischen TV-Sender Al-Dschasira zu den Anschlägen in Algier.

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