Anschläge treffen engen Verbündeten der USA
Jordanien wendet sich dem Westen zu

Tausende von Jordaniern haben am Donnerstag gegen den Terror und für König Abdullah II. demonstriert. Sie verurteilten die Anschläge auf drei Luxushotels in Amman vom Vorabend, zu denen sich die irakische El Kaida unter Führung des Jordaniers Abu Mussab el Sarkawi bekannt hat.

HB KAIRO. Die Demonstration passt ins Bild einer Außenpolitik, die sich seit der Unabhängigkeit des Landes 1946 um den Ausgleich zu den Nachbarstaaten einschließlich Israel und gute Beziehungen zum Westen bemüht hat. Für diese Politik erhält das Land massive Hilfsgelder, unter anderem aus den USA.

König Abdullah II war der erste arabische Führer, den US-Präsident George W. Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 empfing, was die engen Beziehungen zu den USA verdeutlicht. Auch 2004 betrieb der König eine aktive Reisediplomatie und fuhr unter anderem in die USA, nach Großbritannien und nach Deutschland.

Ohne die wirtschaftliche und politische Unterstützung des Westens ist das rohstoff- und wasserarme Land nicht überlebensfähig. Mehr als 60 Prozent der rund 5,7 Millionen Einwohner sind Palästinenser. Die Tatsache, dass ein Großteil der Bevölkerung Flüchtlinge aus der Region westlich des Jordan sind, macht es für Abdullah schwer, am gemäßigten Kurs gegenüber Israel festzuhalten, mit dem ein Friedensvertrag besteht. Unter dem Slogan „Jordanien zuerst“ versucht der König, eine stärkere nationale Identität zu schaffen. Trotz der brisanten geographischen Lage zwischen den Palästinensergebieten und Israel auf der einen und dem Irak auf der anderen Seite ist es dem Königshaus bisher gelungen, Jordanien relativ stabil zu halten. Dabei ist der Friedensvertrag mit Israel aus dem Jahr 1994 bis heute unpopulär, und die proamerikanische Haltung des Regimes vor dem Irak-Krieg wird massiv kritisiert. Niemand glaubt den Beteuerungen, dass keine US-Soldaten von jordanischem Territorium aus den Krieg vorbereiteten. 6 000 bis 7 000 US-Soldaten sollen sich auf Stützpunkten im Land aufgehalten haben.

Anders als in anderen arabischen Ländern sind die Islamisten in Jordanien in das politische System integriert und sitzen im Parlament. Dies ist jedoch nicht nur der geschickten Politik des Königshauses zu verdanken: Die jordanische Gesellschaft beruht nach wie vor auf dem Stammeswesen, und die Loyalität zum Königshaus ist stark verankert. Dies gilt weniger für die Palästinenser, die inoffiziell mehr als die Hälfte der Bevölkerung Jordaniens ausmachen. Sie klagen zwar über Diskriminierungen. Aber sie sind besser integriert als in jedem anderen arabischen Staat: Sie erhalten die Staatsbürgerschaft und beherrschen das Geschäftsleben. Höchste Ämter in Politik und Armee sind ihnen allerdings verwehrt – eine Folge der Unruhen des „Schwarzen September“, als palästinensische Guerillatruppen 1970 in Jordanien den Aufstand probten.

Seit dem Irak-Krieg sucht eine neue Bevölkerungsgruppe Zuflucht in Jordanien: Mehrere Hunderttausend Iraker flohen vor den Zuständen in ihrer Heimat nach Amman und lösten einen Bau- und Wirtschaftsboom im Königreich aus. Darunter befinden sich auch Familien ehemaliger Regimegrößen wie eine Tochter Saddam Husseins oder der Sohn von Ex-Außenminister Tarek Aziz. Zumeist handelt es sich um Familien der Mittel- und Oberschicht. Diese Zuwanderung macht es den jordanischen Sicherheitskräften möglicherweise schwieriger, die Kontrolle zu behalten. Nicht nur als ehemals wichtigster Handelspartner ist der Irak für Jordanien von großer Bedeutung. Das Land leistet heute einen substanziellen Beitrag zur Stabilisierung des Nachbarn.

König Abdullah unterzieht Jordanien einer systematischen Modernisierung. Er möchte das Land zu einer führenden Nation im Nahen Osten machen: Eine Wahlrechtsreform, stärkere Dezentralisierung sowie eine Verwaltungs- und Justizreform wurden in Angriff genommen. Auch wirtschaftlich will der König Aufbruchsignale geben: Er bemüht sich um Modernisierung und Privatisierung der Wirtschaft. Der IT-Bereich ist in dem Land, das über fast keine Rohstoffe verfügt, im Aufbau. Das Wirtschaftswachstum liegt bei fast vier Prozent. Und der Tourismus hat sich zu einer wichtigen Einnahmequelle entwickelt – wenn die Anschläge nicht Reisende abschrecken.

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