Anschlag auf Ex-Spion Skripal Einsatz von Nervengift „Nowitschok“ zerstört das russisch-britische Verhältnis vollends

Der Nervengift-Anschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal lässt den Konflikt zwischen Großbritannien und Russland eskalieren. Das Verhältnis ist ohnehin schon belastet.
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Lawrow: „Wir haben nichts mit der Vergiftung zu tun“

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MoskauDer Konflikt zwischen London und Moskau um den Nervengift-Anschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter in Salisbury eskaliert immer mehr. „Es ist höchstwahrscheinlich, dass Russland verantwortlich ist“, sagte Großbritanniens Premierministerin Theresa May.

Es handle sich um ein Nervengift, das in Russland hergestellt worden sei. Folglich sei es entweder von der russischen Regierung verwendet worden, oder diese habe die Kontrolle darüber verloren, schlussfolgerte sie. In jedem Fall erwarte sie bis Dienstagabend eine Erklärung vor der Internationalen Organisation für das Verbot von Chemiewaffen.

Außenminister Sergej Lawrow lehnte ab, auf das Ultimatum zu reagieren, bevor Russland nicht zu allen Materialien im Fall-Skripal Zugang erhalte. Doch die Art des Giftes, das jüngst in England zum Einsatz kam, ist zumindest laut Scotland Yard schon bekannt: Es handelt sich um mehrere Phosphor-Kohlenstoffverbindungen, die unter dem Namen „Nowitschok“ („Neuling“) ab 1973 in der Sowjetunion als Teil des Geheimprojekts „Foliant“ entwickelt wurden.

Ab Mitte der 1980er-Jahre konnten russische Chemiker die Stoffe synthetisch herstellen. Sie wirken auf das zentrale Nervensystem und hemmen das im Körper produzierte Enzym Acetylcholinesterase. Da dadurch der Neurotransmitter Acetolcholin nicht mehr abgebaut wird, werden die inneren Organe überstimuliert. Krämpfe, Lähmungen und schließlich Atemstillstand sind die Folge.

Von Nowitschok gibt es mehrere Arten, die fünf- bis zehnmal so stark wirken wie der chemische Kampfstoff VX. Dadurch können sie in minimalen Dosen angewendet werden. Die Folgen einer Vergiftung sind angeblich unheilbar. Sterben die Betroffenen nicht, so sind sie zumindest unfähig, danach ein selbständiges Leben zu führen.

Laut dem im US-Exil lebenden tatarischen Chemieexperten Will Mirsajanow ist zumindest der Kampfstoff „Nowitschok-5“ ein binäres Gift, das heißt die tödliche Wirkung entsteht erst, wenn zwei zuvor unschädliche Stoffe vermischt werden.

Nowitschok wird in der Konvention zum Chemiewaffenverbot zwar nicht namentlich genannt, fällt aber natürlich unter die Bestimmungen des Abkommens. Moskau halte sich an dieses Abkommen, betonte der russische Senator Igor Morosow nach Bekanntwerden der Giftaffäre. „Russland hat nicht nur die Herstellung von Nervengas, darunter Nowitschok, eingestellt, sondern auch alle Bestände vollständig vernichtet“, sagte er.

Bekannt ist allerdings, dass es in Russland in den 1990er-Jahren bereits einen Fall einer Nowitschok-Vergiftung gegeben hat: Der Präsident der Rosbisnesbank, Iwan Kiwelidi, starb am 1. August 1995, nachdem ihm Unbekannte den Stoff auf seinen Telefonhörer geschmiert hatten. Kurz darauf starb auch seine Sekretärin, die über eben jenes Telefon den Krankenwagen gerufen hatte, als Kiwelidi Vergiftungserscheinungen zeigte.

Der dritte Tote in dem Fall war der Arzt des Leichenschauhauses, der die Obduktion an dem Geschäftsmann vorgenommen hatte und womöglich dabei ebenfalls mit dem Stoff in Kontakt kam.

Der Fall zeigt, dass das Gift zu der Zeit bereits nicht mehr vollständig von staatlichen Stellen kontrolliert wurde. Es ist also durchaus möglich, dass Teile der Produktion „privatisiert“ wurden. Morosow behauptet zudem, dass die illegale Produktion von Nowitschok im Untergrund „gefährlich, aber möglich“ sei.

Giftattacke auf Ex-Spion – Anschlag auf Moskaus Befehl?

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Trotzdem weist Russland die Schuld vehement von sich und ging am Dienstag zum Gegenangriff über: „Das ist eine Zirkusshow im britischen Parlament“, sagte die offizielle Vertreterin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa. Es handle sich um eine „weitere politische Informationskampagne, die auf Provokationen basiert“, fügte sie hinzu.

Großbritannien solle lieber die Ermittlungen zum Tod des Ex-FSB-Agenten Alexander Litwinenko oder des Exil-Oligarchen Boris Beresowski offenlegen, „ehe sie neue Märchen erzählen“.

Das Schema der gegenseitigen Verdächtigungen und Zurückweisungen ist inzwischen fast typisch für den Dialog zwischen Themse und Moskwa. Auch Wladimir Putin, in der Tonart zurückhaltender als Sacharowa, aber in der Sache ebenso bestimmt, schob die Schuld wieder an London zurück: „Klärt das erst mal bei Euch zu Hause, und dann werden wir das mit Euch besprechen“, sagte er der BBC, als er nach der Beteiligung Russlands an der Vergiftung Skripals gefragt wurde.

Dass die gegenseitigen Anschuldigungen zwischen Russland und Großbritannien in einem so scharfen Ton geführt werden, liegt an einem Ereignis vor mehr als zehn Jahren: Der Tod des übergelaufenen Geheimdienstagenten Litwinenko 2006 belastet immer noch das bilaterale Verhältnis.

Litwinenko wurde in London mit dem radioaktiven Polonium vergiftet und starb nach mehreren Wochen Tortur im Krankenhaus an der Strahlenkrankheit. Er selbst beschuldigte Russlands Präsident Wladimir Putin, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Nach Angaben von Scotland Yard wurde Litwinenko vom russischen Agenten Andrej Lugowoi vergiftet.

Dessen Auslieferung verweigert Moskau, stattdessen sitzt Lugowoi inzwischen für die populistische LDPR in der Duma. Russland hingegen verfolgt bis heute die Version, der Mord an Litwinenko sei von Beresowski oder dem Yukos-Mitbesitzer Leonid Newslin in Auftrag gegeben worden. Die russische Staatsanwaltschaft wirft Scotland Yard vor, den Befund der Obduktion bis heute geheim zu halten.

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20 Kommentare zu "Anschlag auf Ex-Spion Skripal: Einsatz von Nervengift „Nowitschok“ zerstört das russisch-britische Verhältnis vollends"

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  • Das ganze ist in keiner Weise schlüssig, Es fehlen die Beweise, es sind bisher Unterstellungen, dies ist für einen Rechtsstaat keine glaubwürdige Vorgehensweise.
    Der Beklagte hat korrekt reagiert, als er die Zurverfügungstellung von Proben des zu Anwendung gekommenen Giftes verlangte, Stunden später stand der Hauptverdächtige bereits fest – „Russland“. Ohne Beweise, ja sogar ohne ein einziges Indiz, wird seitdem scharf in Richtung Moskau geschossen. Die NATO ist mit dabei, die Teilnahme Englands an der Fußball-WM in Russland wird bereits offen in Frage gestellt. Lauter kann man kaum poltern und solches Gepolter lenkt natürlich auch von berechtigten Fragen ab. Und davon gibt es einige. Der Fall Skripal ist keinesfalls so eindeutig, wie er in den westlichen Medien dargestellt wird. Es gibt sogar deutliche Spuren in Richtung einer obskuren privaten Sicherheitsfirma, die aktiv an der antirussischen Propaganda-Kampagne mitarbeitet.
    Als Sergej Skripal 1995 als Oberst des russischen Militärgeheimdiensts vom britischen Auslandsgeheimdienst MI6 „umgedreht“ wurde, war dies wohl das Werk des britischen Agenten Pablo Miller, der fortan als „Führungsoffizier“ von Skripal tätig wurde. Koordiniert wurde die Arbeit offenbar durch Christopher Steele, einem MI6-Agenten, der in Moskau tätig war. Steele ist kein Unbekannter. Zwischen 2006 und 2009 war er der Abteilungsleiter „Russland“ im MI6. Er war es auch, der damals im Mordfall Litwinenko die Ermittlungen leitete und – entgegen der Indizienlage – Russland als Hauptverdächtigen ausmachte.
    2009 verließ Steele den MI6 und gründete seine eigene private „Sicherheitsfirma“ mit dem Namen „Orbis Business Intelligence“. Das Haupttätigkeitsfeld von Orbis war (und ist) es, Vorwürfe gegen Russland zu fabrizieren. Orbis war es, die von einem „privaten Kunden“ den Auftrag erhielt, im Rahmen des sogenannten „Project Charlemagne“ den angeblichen Eingriff Russlands in den Wahlkampf von Frankreich, Italien, Großbritannien und der USA zu beweisen.

  • Eventuell meint man in der Politik die Menschen hier wären alle bekloppt. Der oder die Täter lassen ganz klar irgendwelche sogenannten Beweismittel zurück? Fingerabdruck oder Visitenkarte, oder man verliert gar noch den Ausweis an einem Tatort? Die Politganoven Europaweit sollten mal Ihren Rest an Verstand untersuchen lassen. Wenn etwas so sehr gegen jeden gesunden Menschenverstand spricht dann sind meist die Leute die andere beschuldigen die Strippenzieher.

  • Aussage des russischen Außenministers (u.a. gestern Abend den TV-Nachrichten):

    „Bevor jemand seinem Land ein Ultimatum stelle, "sollte er seine eigenen Verpflichtungen gemäß dem internationalen Recht erfüllen"

    Von was für einer Art von „Recht“ redet der?

  • Wahnsinn! Selbst bei diesem Thema legen sich die üblichen Kommenatatoren in diesem Forum mächtig ins Zeug für Putin! Putin, ein Lügner? Unvorstellbar! Eher glaubt man an eine weltweite Verschwörung westlicher Staaten, als dass am großen Vorsitzenden gezweifelt wird.

    Und im nächsten Post wird wieder Trump bejubelt, gegen die EU gestänkert, Merkel beschimpft und die AfD gelobt...

    Vielleicht bringen Sanktionen wie ein Boykott der Fussball-WM jetzt etwas, damit die Russen merken, dass sie sich im Ausland völlig unglaubwürdig gemacht haben.

  • Wahnsinn! Selbst bei diesem Thema legen sich die üblichen Kommenatatoren in diesem Forum mächtig ins Zeug für Putin! Putin, ein Lügner? Unvorstellbar! Eher glaubt man an eine weltweite Verschwörung westlicher Staaten, als dass am großen Vorsitzenden gezweifelt wird.

    Und im nächsten Post wird wieder Trump bejubelt, gegen die EU gestänkert, Merkel beschimpft und die AfD gelobt...

    Vielleicht bringen Sanktionen wie ein Boykott der Fussball-WM jetzt etwas, damit die Russen merken, dass sie sich im Aasland völlig unglaubwürdig gemacht haben.

  • @Herr Hans Henseler: Ich stimme ihnen zu. Da lag, wie beim 11. September, gleich die Visitenkarte mit Anschrift und Telefonnummer des Täters daneben. Klar getürkt, fragt sich nur von wem? Und wer hatte ein Interesse daran, längst enttarnte Spione zu beseitigen? Oder waren die nur Bauernopfer?

  • Die Sache stinkt. Die Beseitigung des Ex-Spions bringt Russland keinerlei Vorteile, und dann
    noch ein Mittel mit Fingerabdruck zu benutzen waere das allerduemmste. Eindeutiges
    Konstrukt!

  • Ich hätte Putin nicht für so extrem bescheuert gehalten - lässt einen Spion liquidieren und nimmt dann noch ein Kampfgas russischer Produktion her und das bei der hohen Güte der russischen Geheimdienste.
    Solche missglückten Aktionen bringen doch sonst nur die Amerikaner fertig.
    Und das bei der erwartbaren Reaktion der Engländer. Aber wahrscheinlich wollte er nur mal wieder Schlagzeilen produzieren.

  • Absurd, dass es die gleiche Instanz ist, die einerseits versucht, Rechtsradikale in den USA, Frankreich und auch Deutschland mit Internet-Propaganda und Hacker-Angriffen an die Macht zu bringen - und nebenbei noch Auftragsmorde mit Giftgas durchführt. Unter Putin wird Russland wohl kaum noch Freunde im Ausland finden.

  • Da haben Sie recht Herr Maidan aber nur wenn Sie versprechen, daß ich wirklich nicht Fußball schauen muß.

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