Anschlag auf schiitisches Pilgerfest
Dutzende Gläubige in Bagdad getötet

Mindestens 27 Schiiten sind bei Anschlägen während eines Pilgerfests in der irakischen Hauptstadt Bagdad ums Leben gekommen. Rund 300 weitere Gläubige wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt. Die Sicherheitskräfte nahmen zahlreiche Verdächtige fest.

HB BAGDAD. Im vergangenen Jahr waren bei der Pilgerfahrt zum Schrein des Imams Mussa Kadhim fast tausend Menschen gestorben, als auf einer Brücke über den Tigris unter den Gläubigen eine Massenpanik wegen eines angeblichen Anschlags ausbrach. Auch dieses Mal versammelten sich Hunderttausende von Schiiten zu dem Fest.

Die meisten Angriffe auf die Pilger seien auf dem Weg zum Schrein im nördlichen Stadtteil Kadhimija verübt worden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Am Sonntag seien mindestens 20 Pilger getötet worden. Am Freitagabend wurden sieben Gläubige aus einem Auto heraus erschossen, als sie in einem mehrheitlich sunnitischen Stadtbezirk unterwegs waren. Andere Pilger wurden von Dächern aus beschossen.

Aus dem Westen und dem Norden der Stadt wurden am Sonntag Unruhen gemeldet. Ein Bewohner der überwiegend von Sunniten bewohnten Gegend Wasirija sagte, bewaffnete Männer hätten zunächst schiitische Pilger angegriffen. Danach habe es stundenlange Kämpfen gegeben. Nach Angaben aus Kreisen der irakischen Armee wurde die US-Luftwaffe um Hilfe gebeten, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Ein Vertreter des Verteidigungsministeriums bestätigte die Auseinandersetzungen. „Es gibt hier eine Gruppe von Terroristen, die sich gut versteckt“, sagte er. Verteidigungsminister Abdul Kader Jassim erklärte, 30 mutmaßliche Aufständische seien gefasst worden. Darunter seien mindestens fünf nicht aus dem Irak kommende Araber.

Wegen der Wallfahrt galt in der gesamten Hauptstadt ein Fahrverbot. Die Sicherheitskräfte postierten Heckenschützen auf den Dächern und sperrten die Gegend um die Moschee ab. Die Pilger durften weder Taschen noch Mobiltelefone in das abgesperrten Gebiet hineinnehmen. Das Verteidigungsministerium forderte die Menschen auf, weder Essen noch Getränke von Unbekannten anzunehmen und keinen Gerüchten zu trauen, die erneut eine Panik auslösen könnten. Polizei und Militär errichteten Kontrollpunkte in der Nähe des Wallfahrtsort. Auch Palmenhaine und Friedhöfe wurden durchsucht, da sie als mögliche Abschussstellen für Raketen gelten.

Tausende Pilger strömten zu Fuß durch die engen Gassen Kadhimijas zur Moschee. Am Wallfahrtsort selbst geißelten sich manche Pilger mit Ketten. Die Menschen trugen Fahnen und Bilder des Imams. Helfer sprühten Wasser in die Menschenmenge, um die extreme Hitze für die Gläubigen erträglicher zu machen. „Ich war schon letztes Jahr hier aber dieses Mal ist die Betreuung viel besser“, sagte ein 35-jähriger Pilger. „Gott sei Dank gibt es Leute, die uns mit Essen und Trinken versorgen.“

Seit einem Anschlag auf einen schiitischen Schrein im Februar hat sich die Gewalt zwischen der schiitischen Mehrheit und der sunnitischen Minderheit im Land verschärft. Die Wallfahrt zum Todestag von Imam Mussa Kadhim zieht jedes Jahr zehntausende Gläubige an.

Auch im Rest des Landes wurden am Wochenende mehrere Anschläge verübt. Im nordirakischen Bakuba und nahe gelegenen Ortschaften töteten nach Angaben aus Sicherheitskreisen bewaffnete Männer mindestens zwölf Zivilisten. Unter den Toten seien zwei Universitätsprofessoren und mehrere Studenten. Bei einem gezielten Anschlag auf den Konvoi eines irakischen Brigadegenerals starben in der rund 40 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Ortschaft Diwanija zwei Männer. General Dschamil al-Hadschi, zuständig für die achte Infanteriedivision, blieb jedoch unverletzt.

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