Anschlag in Afghanistan
Krisenmanagement und Durchhalteparolen

Die Verantwortlichen haben nach den Anschlägen in Afghanistan an zwei Fronten zu kämpfen. Vor Ort müssen sie möglichst schnell Aufklärung betreiben, weil sie den Bekenntnissen der Taliban nicht glauben. In Deutschland müssen sie sich mit einer neuen Sichtweise auf den Auslandseinsatz auseinandersetzen.

HB KABUL/POTSDAM. Beim schlimmsten Anschlag gegen die Bundeswehr in Afghanistan seit vier Jahren sind am Samstag in Kundus drei deutsche Soldaten getötet und fünf verletzt worden, zwei davon schwer. Dies teilte Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Abend in Potsdam offiziell mit. Zudem riss der Selbstmordattentäter auf einem belebten Markt fünf Afghanen in den Tod, 16 weitere wurden verletzt.

Die schwer verletzten Deutschen sollen am Sonntag nach Deutschland ausgeflogen werden. Jung und Kanzlerin Angela Merkel zeigten sich entsetzt von den „perfiden Mord“. Doch hält die Regierung am Afghanistan-Einsatz fest.

Jung sagte, zehn deutsche Soldaten, ein deutscher Polizist und ein afghanischer Übersetzer seien um 10.08 Uhr Ortszeit auf den Markt gefahren, um technisches Gerät zu kaufen. Das sei im „wöchentlichen Rhythmus“ üblich. Sie seien aus ihren geschützten Fahrzeugen ausgestiegen. „Als sie am Attentäter vorbei gingen, hat er sich in die Luft gesprengt und hat die Soldaten getötet“, sagte der CDU-Politiker. Dabei wurde auch der afghanische Übersetzer verletzt. Aus Jungs Sicht galt der Anschlag gezielt der Schutztruppe ISAF, aber nicht unbedingt der Bundeswehr.

In Afghanistan bekannten sich die Taliban zu dem Selbstmordanschlag. Der militante Taliban-Anhänger Mullah Dschawad aus Baghlan habe ihn ausgeführt, sagte ein Sprecher, Sabiullah Mudschahid. Jung ließ jedoch Zweifel erkennen. Angaben der Taliban stimmten nicht mit den Gegebenheiten vor Ort überein. Auch einen Zusammenhang mit der Tötung des Taliban-Militärchefs Mullah Dadullah sah Jung nicht. Man werde alles daran setzen, die Drahtzieher dingfest zu machen.

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