Anschlag in Barcelona
Hat der Staat alles getan, um uns vor Terror zu schützen?

Der Verstand sagt uns: Bei allen schwierigen Debatten, die jetzt geführt werden, müssen wir aufpassen, dass wir Maß und Mitte nicht verlieren. Und doch gibt es Fragen, auf die der Staat antworten muss. Ein Kommentar.
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BerlinDie Attentate in Spanien erinnern schlagartig an die Schreckensnacht von Berlin. Ein Laster raste vor nicht einmal sieben Monaten in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz nahe der Gedächtniskirche und hinterließ mit 12 Toten und 50 Verletzten ein unvorstellbares menschliches Elend. Der Terror war nach den Anschlägen in Würzburg und Ansbach mit seiner ganzen Wucht in Deutschland endgültig angekommen.

Der Verstand sagt uns auch nach der Nacht in Barcelona: Bei allen schwierigen Debatten, die jetzt wieder geführt werden, müssen wir aufpassen, dass wir Maß und Mitte nicht verlieren. Terroristen stellen uns Fallen, sie leben davon, dass wir überreagieren. Sie hoffen darauf, dass Menschen, die verunsichert sind, schnelle Antworten fordern und sie von der Politik bekommen. Diesen Erfolg darf man ihnen nicht gönnen.

Doch wir müssen uns auch ernsthaft fragen, ob der Staat wirklich alles getan hat, um uns vor dem Terror zu schützen. Wie steht es um ein einheitliches europäisches Terrorabwehrzentrum, in dem Daten aus allen EU-Ländern zusammengeführt werden? Nach dem Anschlag in Berlin waren sich alle Politiker einig, der Schlüssel zum Erfolg liegt angesichts der weltweiten Vernetzung der Terroristen im Informationsaustausch.

Was ist aus den Forderungen geworden, dem Bund mehr Kompetenzen zu übertragen, damit die Terroristen nicht durch das Klein-Klein der föderalen Struktur schlüpfen können? Brauchen wir wirklich 16 Landesverfassungsschutzämter? Der Anschlag in Barcelona erinnert uns daran, dass wir schnelle Antworten auf diese Fragen geben müssen. Der Terror wird keinen Bogen um uns schlagen.    

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

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  • Aktuelle Meldung

    "Wuppertal: Ein Toter bei Messerstecherei - Täter auf der Flucht"

    Das ist eine der neuen zum tagtäglichen Gebrauch von Messern in Deutschland gehörende Sitten.

  • Herr Toni Ebert@ 1914 Willi2 1939Adolf 2015Merkel
    Jedes Datum eine Katastrophe, immer wieder diese Typen aus Berlin.

  • Was Thomas Sigmund und die Öffentliche Meinung Terror nennen, ist in Wahrheit Gottesdienst. Von Religion abhängige Personen und Gesellschaften haben es freilich schwer, diesen Begriff zu verwenden. Es könnte nämlich auch der eigenen Religionsrichtung schaden.
    Aber Klarheit tut not, auch um einer der Hauptursachen und -beförderer weltweiter Konflikte auf langer Sicht Herr zu werden.

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