Anschlag in Tunesien
Tunis-Terroristen wurden in Libyen ausgebildet

Die beiden Attentäter von Tunis sind in Libyen ausgebildet worden. Sie sollen nach Angaben der Regierung im Dezember von Tunesien aus in das Nachbarland gegangen und dort an Waffen ausgebildet worden sein.
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TunisDie beiden bei dem Terroranschlag auf das Nationalmuseum in Tunis getöteten Angreifer sind in Libyen ausgebildet worden. Sie seien im Dezember von Tunesien aus in das Nachbarland gegangen und dort an Waffen ausgebildet worden, teilte das tunesische Innenministerium am Freitag mit. Es gebe jedoch noch keine Informationen, mit welcher Gruppe die beiden trainiert hätten.

Bei dem Anschlag auf das Museum in Bardo am Mittwoch hatten die Attentäter 21 Menschen getötet, 17 von ihnen Passagiere von Kreuzfahrtschiffen. Bei dem anschließenden Feuergefecht mit Sicherheitskräften waren die Angreifer erschossen worden.

Am Donnerstag wurden neun mutmaßliche Helfer der Attentäter festgenommen. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich zu der Tat. Einige gut bewaffnete Gruppen in Libyen haben dem IS bereits ihre Treue geschworen.

Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums stammen vier Opfer aus Italien, jeweils drei aus Japan und Frankreich, je zwei aus Spanien und Kolumbien sowie jeweils eins aus Großbritannien, Polen und Belgien. Die Nationalitäten von drei Opfern sind immer noch nicht geklärt.

US-Präsident Barack Obama kündigte eine enge Anti-Terror-Zusammenarbeit mit Tunesien an. In einem Telefonat mit dem tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi habe Obama am Donnerstag seine Anteilnahme, Sympathie und Unterstützung ausgedrückt, teilte das Weiße Haus mit. Er habe gleichzeitig angeboten, dem nordafrikanischen Land Unterstützung bei den Ermittlungen bereitzustellen.

Die USA und ein internationales Bündnis bekämpfen den IS im Irak und in Syrien. Washington ist besorgt, dass sich der Einfluss der Extremisten auf andere Teile in der Region ausweiten könnte, speziell auch in Libyen. Dies geht aus einem Bericht des US-Außenministeriums und Angaben von Insidern hervor. Der Machtkampf in Libyen habe es den Islamisten ermöglicht, sich in dem nordafrikanischen Land festzusetzen, hieß es in dem Dokument, über das zuerst der "Washington Free Beacon" berichtete. Allerdings habe der IS bislang nur begrenzt Gebiet erobern und halten können.

Aus den US-Kreisen verlautete, wegen seiner strategischen Lage sei Libyen zum Anziehungspunkt für Islamisten in ganz Nordafrika geworden, die sich der Gruppe anschließen wollten. Von dort aus könnten sie nach Syrien weiterreisen, um Kampferfahrung zu sammeln.

Der IS hat große Teile von Syrien und des Iraks erobert. Dort hat er ein Kalifat ausgerufen, eine besondere Form eines islamischen Gottesstaates. Die Gruppe wird inzwischen auch für mehrere Anschläge in Libyen verantwortlich gemacht. Dort tobt etwa vier Jahre nach dem Sturz des Diktators Muammar Gaddafi ein Machtkampf zwischen zwei rivalisierenden Regierungen und deren Milizen.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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