Anschlag offenbar von Teenager verübt
Mindestens 26 Tote bei Taliban-Anschlägen in Afghanistan

Bei zwei Selbstmordanschlägen der radikal-islamischen Taliban sind im Süden Afghanistans mindestens 26 Menschen getötet worden.

HB KANDAHAR. Mindestens 20 Menschen starben am Montag in der Stadt Spin Boldak, als dort ein Selbstmordattentäter mit einem Motorrad in eine Menschenmenge raste und einen Sprengsatz zündete. In der Provinzhauptstadt Kandahar riss ein Selbstmordattentäter drei afghanische Soldaten und zwei Zivilisten mit in den Tod. Der Anschlag wurde Augenzeugen zufolge von einem Teenager verübt.

Nur Stunden zuvor hatte sich Präsident Hamid Karsai besorgt über die steigende Zahl an Selbstmordanschlägen gezeigt. Erst am Sonntag waren bei einem Bombenanschlag in Kandahar ein kanadischer Diplomat und zwei Afghanen getötet worden.

Seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 sind in Afghanistan an einem Tag noch nie so viele Menschen durch Selbstmordanschläge getötet worden wie am Montag. Bei dem Attentat in dem nahe der pakistanischen Grenze gelegenen Ort Spin Boldak seien zudem mindestens 20 Menschen verletzt worden, sagte der Gouverneur der Provinz Kandahar, Assadullah Chalid.

„Es war ein Selbstmordanschlag“, sagte der Polizeichef von Spin Boldak, Abdul Wasi Alekosai. Der Attentäter sei mit seinem Motorrad in die Menge gerast, die sich bei einer Veranstaltung versammelt hatte. „Ziel des Anschlags war es, die Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen.“ Die Agentur Afghan Islamic Press (AIP) mit Sitz in Pakistan berichtete, in Spin Boldak hätten sich hunderte Menschen zu einem Ringwettkampf versammelt, als sich der Selbstmordattentäter in die Luft sprengte.

Bereits zuvor hatte sich im Zentrum Kandahars ein Attentäter vor ein Armeefahrzeug geworfen und sich in die Luft gesprengt. Afghanischen Behörden zufolge wurden dabei vier afghanische Soldaten und zehn Zivilisten verletzt. „Es handelte sich um einen Selbstmordanschlag“, sagte Armeehauptmann Habibur Rahman nahe dem Tatort, wo Blut und Fleischfetzen zu sehen waren. Drei Soldaten seien getötet worden, fügte Rahman hinzu. Ein Krankenhausarzt berichtete zudem von zwei getöteten Zivilisten.

Einem Augenzeugen zufolge wurde der Anschlag offenbar von einem Teenager verübt. „Ich habe einen Jungen im Alter von ungefähr 15 Jahren gesehen, der eine mit Sprengstoff bestückte Jacke trug und auf das Fahrzeug zulief“, sagte der Zeuge. Dann habe er die Explosion gehört und sei selbst in Deckung gegangen. Anschließend habe er die Opfer gesehen.

Die Taliban bekannte sich zu beiden Anschlägen. Der Anschlag in der Grenzstadt Spin Boldak habe sich gegen den Kommandeur der afghanischen Grenztruppen gerichtet, sagte ein Taliban-Sprecher. Der Kommandeur sei aber nicht anwesend gewesen. Unter den Toten seien sieben afghanische Soldaten. „Wir planen weitere Anschläge auf afghanische Armee-Kommandeure, weil sie die US-Präsenz in Afghanistan unterstützen“, fügte der Sprecher hinzu.

Präsident Karsai sagte, die Anschläge riefen in der Bevölkerung Unsicherheit und Besorgnis hervor. „Sie beunruhigen uns, und wir werden alles uns Mögliche tun, um sie zu verhindern.“ Die wachsende Zahl von Selbstmordanschlägen zeige die Verzweiflung der Taliban, fügte Karsai in der Hauptstadt Kabul hinzu. Ein Berater Karsais sagte, die Aufständischen versuchten mit den Anschlägen offenbar Nato-Mitglieder davon abzubringen, Truppen im Süden des Landes zu stationieren.

In den vergangenen Monaten ist es verstärkt zu Selbstmordanschlägen der Taliban gekommen, die sich vor allem gegen die US-geführten Truppen und die Nato-Friedenstruppen richteten. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass die Taliban in Nachahmung der Al-Kaida-Strategie im Irak verstärkt auf Selbstmordanschläge setzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%