Anschlag von Ankara
Türkische Regierung beschuldigt PKK und syrische Kurden

Erstaunlich schnell präsentiert die türkische Regierung die Urheber des Anschlags von Ankara: Kurdische Milizen sollen hinter der Tat stecken. Nicht nur Dementis der Beschuldigten wecken Zweifel an dieser Darstellung.

IstanbulNicht einmal 17 Stunden dauerte es nach dem Anschlag auf die Armee in Ankara, bis Ahmet Davutoglu das aus seiner Sicht in Stein gemeißelte Ermittlungsergebnis verkündet: „Was die Täter betrifft, so ist die Sache nun vollständig aufgeklärt“, sagt der türkische Ministerpräsident am Donnerstag. Der Selbstmordattentäter sei ein Kämpfer der syrischen Kurdenmiliz YPG gewesen, der von der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei unterstützt worden sei. Nicht nur Dementis der Beschuldigten lassen Zweifel daran aufkommen, ob es wirklich so gewesen ist. Die YPG hätte mit einem Anschlag in der Türkei nichts zu gewinnen – aber viel zu verlieren.

Die türkische Regierung und ihre Medien skizzieren folgendes Bild: Am Mittwochabend habe der Angreifer namens Salih N. in Ankara seinen zur Bombe umgebauten VW-Scirocco in einen Konvoi mit Bussen gelenkt, die Armeeangehörige transportieren. Bei dem Attentäter habe es sich um den aus der kurdisch dominierten Stadt Amuda in Nordsyrien stammenden Salih N. gehandelt, Geburtsjahr 1992. Der junge Mann sei gemeinsam mit syrischen Flüchtlingen in die Türkei gekommen. Dabei seien ihm Fingerabdrücke abgenommen worden, die sich mit denen deckten, die nun in den Überresten der Leiche des Attentäters gefunden wurden.

Sollten die Angaben tatsächlich zutreffen, könnte das die schnelle Identifizierung eines Täters erklären. Nicht ganz so leicht dürfte nachzuweisen sein, dass die PKK und vor allem ihr bewaffneter syrischer Ableger, die YPG, hinter der Tat stecken. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan führt vage „Informationen und Belege“ an, „die unser Innenministerium und unsere Geheimdienste beschafft haben“.

Das deckt sich nicht mit den Aussagen der Beschuldigten. PKK-Kommandeur Cemil Bayik sagt: „Wir wissen nicht, wer das getan hat.“ Bayik fügt allerdings mit Blick auf die laufende Armeeoffensive gegen die PKK in der Südosttürkei auch hinzu: „Es könnte aber ein Vergeltungsschlag für die Massaker in Kurdistan gewesen sein.“

Ein hartes Dementi klingt anders, und tatsächlich trägt der Anschlag am ehesten die Handschrift der PKK. Vielleicht hat das Attentat auch eine Gruppe wie die „Kurdischen Freiheitsfalken“ (TAK) ausgeführt – die TAK bezeichnet sich als unabhängig von der PKK, was westliche Sicherheitsexperten aber für eine Farce halten. Das hätte aus Sicht der PKK den Charme, dass sie eine Urheberschaft dementieren könnte. Schließlich ist die Organisation darum bemüht, sich mit dem Westen gutzustellen – der den Anschlag von Ankara unisono verurteilt hat.

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„Wir werden kein neues Kandil erlauben“

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