Anschlag von Suruc
Ist die Türkei ein potenzielles Ziel für den IS?

Der Schock über das Attentat in der türkischen Stadt Suruc sitzt tief. Behörden vermuten dahinter die Terrormiliz IS. Unklar ist, wie tief diese sich bereits in der Türkei vernetzt hat – und was sie dort will.
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IstanbulDer tödliche Anschlag in Suruc im Südosten der Türkei hat das Land in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Behörden gehen davon aus, dass die 32 Toten und fast 100 Verletzten auf das Konto eines Selbstmordattentäters der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat gehen. Und sie befürchten, dass das Attentat eine Racheaktion für die kürzlich erfolgte Zerschlagung von Infrastruktur des IS in der Türkei ist. Sollten sie richtig liegen, könnte das Land nun ein besonders verletzliches Ziel für die radikalislamischen Extremisten sein.

Die Türkei teilt sich mit Syrien und dem Irak eine 1250 Kilometer lange Grenze und befindet sich damit zwangsläufig nahe den Hochburgen des Islamischen Staats. Dass sich IS-Kämpfer aber auch schon in der Türkei selbst verankert haben, legen Festnahmen in den zurückliegenden sechs Monaten nahe. Mehr als 500 Menschen, die der Zusammenarbeit mit dem IS verdächtigt werden, ließen die Behörden verhaften. Im Juli fassten Beamte nach Ermittlungen in Netzwerken zur Rekrutierung von Kämpfern insgesamt 21 Terrorverdächtige.

Diese Schritte gegen mutmaßliche IS-Präsenz in der Türkei könnten die Extremisten nun in Form des verheerenden Attentats von Suruc quittiert haben. Damit wäre dieses zugleich auch als Warnung an die türkische Regierung zu verstehen, nicht weiter gegen den IS vorzugehen. „Diese Attacke war gegen die Türkei gerichtet, gegen die Demokratie der Türkei, gegen Frieden und das Wohlergehen der Menschen, gegen die öffentliche Ordnung“, hatte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu nach dem Anschlag gesagt. Er schwor, die Verantwortlichen aufzuspüren und machte deutlich, dass er den IS dahinter vermutete.

Doch wie weit die Terrormiliz in der Türkei schon präsent ist, scheint nicht richtig klar zu sein. Die Türkei sagt, sie habe früh reagiert, indem sie den IS zur terroristischen Gruppe erklärte und die Extremisten im Land intensiv beobachtete. Westliche Länder werfen der Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan indes vor, wenig getan zu haben, um die Extremisten daran zu hindern, die Grenzen zum Irak und zu Syrien zu nutzen. Die kürzlich erfolgten Festnahmen seien der Beweis, dass die Behörden zu spät gehandelt hätten und die IS-Infrastruktur schon längst Realität sei, meinen einige Beobachter.

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„Erdogans Regierung wollte Assad fallen sehen“

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  • Die Türkei ist doch der Handelspartner für den neuen Gottesstaat.
    Warum sollten die den Türken so früh wehtun?

  • Nachdem Erdogan das Land mit seiner hirnlosen Islamisierung vorbereitet hat, fühlen sich die IS-Verbrecher eingeladen, ihre kriminellen Machenschaften nun auch dort aus zu breiten.

    So zieht eine böse und dazu sensationell dämliche Tat der türkischen Regierung das weitere Böse ganz selbstverständlich nach sich.
    Dabei bleibt schleierhaft, was Erdogan mit der breit angelegten Verdummung des Landes und der Menschen dort eigentlich bewirken will. Dem IS jedenfalls dürfte es völlig egal sein.

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