Anschlag war geplant und vorbereitet
Keine Hinweise auf Kontakte des Nizza-Attentäters zum IS

Der Terroranschlag in Nizza war über mehrere Tage vorbereitet. Das belegen neue Videoaufnahmen. Trotz des Interesses des Attentäters an radikalen dschihadistischen Bewegungen gibt es keine Beweise für Kontakte zum IS.

ParisDer Attentäter von Nizza hatte nach vorläufigen Erkenntnissen der französischen Ermittler keine Verbindung zur Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Allerdings habe er in jüngster Zeit Interesse für radikale dschihadistische Bewegungen gezeigt, erklärte der Pariser Staatsanwalt Francois Molins am Montag. Auf dem Mobiltelefon und dem Computer des 31-Jährigen seien Fotos und Videos zum IS gefunden worden. Seit Anfang Juli habe er täglich Propaganda-Webseiten mit Gewaltszenen aufgerufen. Der Tunesier habe Menschen in seinem Umfeld erklärt, er lasse sich aus religiösen Gründen einen Bart wachsen und könne nicht verstehen, warum der IS keinen eigenen Staat haben solle.

Damit verdichteten sich die Hinweise auf eine schnelle Radikalisierung des Mannes, der am 14. Juli mit einem Lastwagen 84 Menschen bei den Feiern zum französischen Nationalfeiertag tötete. Er selbst wurde von der Polizei erschossen. Mehrere französische Medien hatten zuvor Personen aus seinem Umfeld zitiert, dass der Tunesier – anders als gläubige Muslime – zumindest bis vor kurzem Schweinefleisch gegessen, Alkohol getrunken und Joints geraucht habe. Der IS hatte sich zum Anschlag bekannt.

Den neuen Ermittlungsergebnissen zufolge plante und probte der Attentäter seine tödliche Fahrt über Tage. Zwei Wochen vor dem Anschlag habe er damit begonnen, im Internet nach Informationen zu den Festlichkeiten in der südfranzösischen Metropole zu suchen, sagte der Staatsanwalt. Zwei Tage vor dem Angriff habe er dann eine Probefahrt gemacht, die von Überwachungskameras festgehalten worden sei. Um Geld aufzutreiben, habe der 31-Jährige erfolglos versucht, einen 5000-Euro-Kredit aufzunehmen. Später habe er sein Auto verkauft.

Am Montag gedachte Frankreich in einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags. In Nizza nahmen Zehntausende Menschen an der Strandpromenade an dem Gedenken teil. Darunter war auch Ministerpräsident Manuel Valls, der von einem Teil der Menge ausgebuht wurde. In Sprechchören wurde sein Rücktritt sowie der von Präsident Francois Hollande gefordert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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