Anschlagsplan aufgedeckt
„Sie wollten den Kerl tot sehen“

Iranische Agenten wollten angeblich in Washington den saudischen Botschafter in die Luft sprengen - mit einem mexikanischen Drogenkartell. Der Fall gibt Einblick in die FBI-Arbeit und liest sich wie ein Agententhriller.
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WashingtonFrühjahr 2011, irgendwo in Mexiko. Es ist ein Ort der Gesetzlosen, der Drogenkrieg tobt, mächtige Banden kämpfen brutal um ihre Vormachtstellung. Eine ist dabei besonders gefürchtet: „Ein großes, ausgeklügeltes und gewalttätiges Drogenschmuggel-Kartell“, werden Ermittler später schreiben, „mit Zugang zu Kriegswaffen und Sprengstoff“.

Genau das, wonach Manssor Arbabsiar sucht.

Eines Tages taucht der Iraner mit amerikanischem Pass bei einem Mitglied des Kartells auf. Er brauche Hilfe bei einem besonderen Vorhaben, sagt er. Er wolle in Washington den saudi-arabischen Botschafter ermorden. Der 56-jährige Arbabsiar ist nicht alleine: Am anderen Ende der Welt, im Iran, verfolgt ein gewisser Gholam Shakuri jeden Schritt. Shakuri, den Arbabsiar als seinen „Cousin“ bezeichnet, ist ein mutmaßlicher Agent des gefürchteten iranischen Elite-Geheimdienstes Al-Kuds.

So beginnt laut Anklageschrift eine bizarre Geschichte, die am Dienstag die amerikanische Öffentlichkeit aufschreckte. US-Justizminister Eric Holder berichtete am Nachmittag, dass die Behörden ein Mordkomplott gegen Botschafter Adel Al-Jubeir mit „Massenvernichtungswaffen“ aufgedeckt hätten. Der Vorwurf wiegt schwer: „Elemente der iranischen Regierung“ seien direkt daran beteiligt gewesen. Während Teheran die Vorwürfe bestritt und als „Kindergeschichten“ bezeichnete, löste der Fall diplomatische Verwicklungen aus, deren Konsequenzen noch gar nicht absehbar sind.

Die USA nehmen den Fall so ernst, dass sie sogar eine formelle Terrorwarnung herausgegeben haben. Der Plan deute auf eine „aggressive Hinwendung der iranischen Regierung auf Terroraktivitäten gegen Diplomaten“ hin, darunter auch Angriffe in den USA, erklärte das US-Außenministerium. Reisende US-Bürger und im Ausland lebende Diplomaten seien daher aufgerufen, die Hinweise des Außenamts sowie andere Reisehinweise genau zu verfolgen.

Wie ein Agententhriller liest sich das Papier der New Yorker Staatsanwaltschaft gegen Arbabsiar und Shakuri – und gibt seltene Einblicke in die Arbeit der Ermittler. FBI-Chef Robert Mueller sagte, die 21 Seiten hätten auch aus einem „Drehbuch aus Hollywood“ stammen können.

Demnach ist der Kontaktmann des Drogenkartells im Frühjahr höchst interessiert, als Arbabsiar bei ihm auftaucht, und weitere Treffen folgen im Juni und Juli. Sie sprechen über andere mögliche Attentate, unter anderem auf die Botschaften Saudi-Arabiens und Israels in Washington und Buenos Aires. Der Iraner ist begeistert, will aber den „Job“ mit dem Diplomaten als erstes erledigt wissen. Sie tauschen Fotos des Ziels aus, um sicherzugehen.

Dann wird es konkret: Für die Ermordung des Botschafters brauche er vier Männer, rechnet der Mexikaner aus, und viel Geld: „Für 1,5 Millionen Dollar übernehme ich Saudi-Arabien“, sagt er. Man könne eine Bombe in einem Restaurant legen, wenn der Botschafter dort zu Abend isst. Ein Dialog zeigt, wie ernst es Arbabsiar ist:

„Es werden auch Amerikaner im Restaurant sein“, sagt der Kontaktmann. „Soll ich es drinnen oder draußen tun?“

„Es ist mir egal, wie du es machst“, antwortet Arbabsiar. „Sie wollen den Kerl tot sehen. Wenn Hunderte mit ihm gehen, scheiß drauf“.

Als Komplize Shakuri vom Iran aus grünes Licht gibt, überweist Arbabsiar 100.000 Dollar als Anzahlung auf eine Bank in Manhattan. Die Sache läuft an.

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Was die beiden nicht ahnen

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  • Wer den folgenden Artikel liest, wird erkennen, dass an der Geschichte Einiges nicht stimmen kann:

    http://iranicum.com/2011/10/mordvorwurfe-gegen-iran-echte-verschworung-oder-wag-the-dog-strategie/1890.html

  • Wie groß muss die innenpolitische Misere sein, wenn die USA zu solchen James-Bond-Geschichten greifen müssen?

    Vielleicht suchen die USA auch nur einen Grund, dass die Israelischen Kampfbomber "endlich" die Atomzentren im Iran zerstören können, was diese ja schon sehr, sehr lange wollen, und als "Entschuldigung heißt es dann so in der Art "sorry, wir mussten das tun, es war "alternativlos", denn die USA wurden "in den USA" angegriffen."

    Und dass Iran die zweitgroessten Ölvorkommen hat, ist ja bestimmt auch kein Hinderungsgrund für die USA.

  • Spätestens nach der Lüge über die Massenvernichtungswaffen im Irak, die zum Anlass für den Golfkrieg genommen wurde, ist die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Regierung dahin.
    Es ist das von Hitler übernommene Konzept, siehe Überfall auf Polen, mit Lügen einen Kriegsgrund zu schaffen.
    Das haben die Amerikaner schon beim Angriffskrieg auf Vietnam mit dem Tonkin Zwischenfall praktiziert.
    Also Vorsicht Amerika plant den nächsten Krieg, und die Rüstungskonzerne reiben sich die Hände.

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