Ansturm auf Melilla ebbt nicht ab
Spanien schickt Afrika-Flüchtlinge künftig direkt zurück

Erneut haben hunderte Afrikaner am Mittwoch versucht, von Marokko aus auf das spanische Gebiet zu gelangen. Nach den Massenanstürmen von Flüchtlingen auf seine Exklaven in Nordafrika hat Spanien nun eine Rückführung illegal eingereister Afrikaner vereinbart.

HB MADRID. Spanien schickt illegal eingereiste Afrikaner künftig direkt nach Marokko zurück. Die Madrider Regierung vereinbarte mit Rabat eine entsprechende Ausnahmeregelung. Danach werden afrikanische Flüchtlinge, die von marokkanischem Gebiet aus in die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta gestürmt sind, nach Marokko zurückgebracht. Wie die spanische Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega am Mittwoch in Madrid mitteilte, soll möglicherweise schon an diesem Donnerstag mit der Abschiebung von illegalen Zuwanderern begonnen werden.

Bisher hatte Marokko sich geweigert, Flüchtlinge aus Drittstaaten wieder aufzunehmen. Die jetzt getroffene Vereinbarung zwischen Madrid und Rabat beruht auf einem Übereinkommen aus dem Jahr 1992, das zuletzt nicht mehr angewandt wurde. Dieses Übereinkommen sieht die Möglichkeit von „Sondermaßnahmen“ vor.

Am Mittwoch hatten erneut 500 Afrikaner versucht, nach Melilla zu gelangen. Dies war binnen einer Woche der vierte Massensturm von Flüchtlingen auf die spanische Stadt an der Küste Nordafrikas. 65 Afrikaner erreichten nach Angaben der Behörden spanisches Gebiet. Etwa 40 von ihnen erlitten beim Überklettern der drei Meter hohen Grenzzäune Schnittverletzungen und Prellungen. Zwei Polizisten wurden ebenfalls verletzt. Seit Ende August kamen bei den Massenanstürmen auf die Exklaven acht Afrikaner ums Leben.

In Melilla und Ceuta sind bereits Hunderte von Afrikanern in überfüllten Lagern untergebracht. Melillas Bürgermeister, Juan José Imbroda, verlangte, dass die Eindringlinge ohne jede Formalitäten sofort auf marokkanisches Gebiet zurückgeschickt werden.

Die marokkanische Polizei nahm in der Nähe von Melilla 85 illegale Zuwanderer aus West- und Zentralafrika fest. Wie die Behörden in der nordmarokkanischen Stadt Nador mitteilten, hatte die Gruppe zuvor an dem neuen Massensturm auf die spanische Grenze teilgenommen. Am Vortag waren in derselben Gegend bereits 136 „Illegale“ von der Polizei aufgegriffen worden. Damit wurden in Marokko in einer Woche insgesamt mehr als 900 illegale Zuwanderer festgenommen.

De la Vega kündigte an, dass Spanien den Marokkanern bei der Versorgung der Flüchtlinge humanitäre Hilfe leisten werde. In Kürze werde ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. Die Europäische Union verhandelt bereits seit längerer Zeit mit Marokko über ein Abkommen, das die Rückführung illegaler Zuwanderer regeln soll.

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