Ansturm aus Osteuropa
Polen am britischen Arbeitsmarkt erwünscht

Einen Esstisch haben die Kolaschinskys nicht. Sie löffeln in ihrem gemieteten Reihenhäuschen in Crewe die Nudelsuppe in Sesseln am Couchtisch. Aber zu einem gebrauchten Volkswagen hat es schon gereicht.

LONDON. Drei Monate lang suchte Adam Kolaschinsky in Polen vergeblich nach Arbeit, aber nur auf die Bewerbung, die „eher aus Versehen“ nach Großbritannien ging, bekam er Antwort, erzählte er dem Fernsehsender BBC, der einen Film über die „Polen von Crewe“ drehte.

In nur 18 Monaten ist der Ausländeranteil der nordwestenglischen Stadt von zwei auf über sechs Prozent gestiegen: 3 000 Zuwanderer in der 48 000-Seelen-Stadt, fast alle von der Personalagentur „Advanced Personnel“ in Polen angeworben.

Die Arbeitslosenquote in Crewe liegt bei 1,6 Prozent. Arbeiter in der Verpackungs-, Logistik- und Lebensmittelindustrie der Stadt sind gesucht. Kolaschinsky kam im Juli 2004. Am Pizza-Fließband verdient der ausgebildete Lehrer und Computerfachmann sechsmal so viel wie in Polen. Es gefällt ihm so gut, dass er bleiben will.

Als britische Boulevardzeitungen in den Wochen vor der EU-Erweiterung 2004 vor einer Massenimmigration aus Osteuropa warnten, winkte die Labour-Regierung gelassen ab. Zwischen 5 000 und 13 000 Osteuropäer im Jahr würden kommen. Bisher kamen aber schon rund 300 000. Großbritanniens wichtigster Beitrag zur EU-Erweiterung, freut sich Premier Tony Blair.

Bis zum 30. September 2005 haben offiziell 293 000 Migranten Anträge auf Registrierung gestellt. Ein Drittel davon war laut Innenministerium bereits illegal im Land. Andererseits glaubt die „Association of Labour Providers“, dass die wahre Zahl der Osteuropa-Migranten doppelt so hoch ist wie die Zahl der offiziell Registrierten.

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