Anti-amerikanische Ressentiments bringen Premier Erdogan in Bedrängnis
Türkei und USA ringen um Militärbasis

Die USA drängen die Türkei, den südosttürkischen Militärstützpunkt Incirlik für Operationen ihrer Air Force in Irak und Afghanistan nutzen zu können. Eine entsprechende Anfrage Washingtons will die türkische Regierung in Kürze beantworten, hieß es in Ankara.

HB ANKARA. Ministerpräsident Tayyip Erdogan hofft, bei einem USA-Besuch im Mai von US–Präsident George W. Bush empfangen zu werden – bis dahin soll das Thema geklärt sein.

Erdogan befindet sich jedoch in einem Dilemma: Einerseits will der Premier die belasteten Beziehungen zu den USA nicht noch weiter strapazieren. Andererseits kann Erdogan die zunehmend anti-amerikanische Stimmung in der türkischen Öffentlichkeit und der eigenen Regierungspartei nicht ignorieren. Als wahrscheinlich gilt deshalb, dass die türkische Regierung die Nutzung von Incirlik durch die US Air Force mit Auflagen gestatten wird.

Der Irak-Krieg hat die einst unzertrennlichen Verbündeten Türkei und USA entzweit. Im März 2003 verweigerte das Parlament in Ankara seine Zustimmung für den Aufmarsch zehntausender US-Soldaten in der Südosttürkei, die dort eine Nordfront gegen Saddam Hussein eröffnen sollten. Zuletzt machte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die türkische Verweigerung mit dafür verantwortlich, dass der Irak bis heute nicht befriedet sei. Dennoch halten die USA offiziell an ihrer Unterstützung der Türkei bei ihrer EU-Annäherung fest.

Die Türken selbst treiben andere Sorgen um. Die Präsenz der USA im Nordirak und ihre enge Allianz mit den dortigen Kurden beobachten sie mit Argwohn. Ein reißerischer Thriller („Metall-Sturm“), der mit diesen Ängsten spielt, führt seit Wochen die Bestsellerlisten an. 82 Prozent der Türken, so eine kürzlich erhobene Umfrage, sehen in der Wiederwahl von Bush eine „Gefahr für den Frieden und die Sicherheit“, 32 Prozent sehen die USA sogar als „Feind“. Anti-Amerikanismus ist kein neues Phänomen in der Türkei, aber eines, das sich in der Vergangenheit zumeist auf linke und islamistische Kreise beschränkte. „Doch jetzt greift das auch in der Elite, unter den Intellektuellen und in Teilen des Militärs um sich“, analysiert Sami Kohen, einer der profiliertesten außenpolitischen Kolumnisten des Landes.

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