Anti-Banken-Proteste „Ich bin ein Prozent“

Die Anti-Banken-Bewegung glaubt, sie sei der Heilsbringer in der Krise. Doch in Wirklichkeit lebt auch sie gut vom billigen Geld der Banken, die sie zerschlagen will. Eine Gegenrede.
81 Kommentare
Nicht alle verteufeln dieser Tage die Banken.

Nicht alle verteufeln dieser Tage die Banken.

Ich glaube, dass jede Bank ihr Gutes hat. Und ich glaube sogar an das Gute im Investmentbanker, dem viel Gescholtenen. Ich will nicht, dass eine Bank, nur weil sie groß ist, zerschlagen wird. Und ich beglückwünsche jedes Unternehmen, Banken ausdrücklich eingeschlossen, dem es gelingt, eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften. Wenn diejenigen, die jetzt gegen die Macht der Banken auf die Straße gehen, von sich sagen, sie seien 99 Prozent, dann bin ich eben das eine Prozent. Ich sage: „Wir brauchen mächtige Banken.“

Natürlich haben es viele Banker arg getrieben. Sie haben dafür gesorgt, dass die alte Normalität in Vergessenheit geraten ist. Sie hatte darin bestanden, dass der Bürger sparte, dass er sein Geld zur Bank brachte und dass die es dann an Investoren verlieh. So wuchs Wohlstand. Inzwischen gibt es Wohlstand vor allem auf Pump, weil Banken dazu beigetragen haben, dass nicht nur echtes Geld verliehen wird, sondern dass sich rund um diesen einfachen Vorgang eine Welt der Finanzinstrumente entwickelt hat, die alles andere als durchsichtig ist. Es gibt Derivate, Zertifikate und Versicherungen darauf, falls etwas schiefgeht mit diesen Produkten.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

(Foto: Pablo Castagnola)

Aber anstatt diese Produkte zu nutzen, um reale Geschäfte abzusichern, wird der Handel damit selbst zum Geschäftsmodell. Das treibt Blüten bis hin zu der Tatsache, dass beispielsweise die auf dem Papier gehandelte Menge Gold diejenige Menge, die wirklich existiert, bei weitem übertrifft. Und das ist schlecht. Sehr schlecht. Aber deswegen die Banken zu zerschlagen, ist noch schlechter. Es genügt, den Handel mit irrealen Werten zu begrenzen. Durch eine Finanzsteuer auf Derivate zum Beispiel.

Ich bin auch nicht der Meinung wie jene 99 Prozent, die jetzt protestieren und ihre Nach-dem-Mund-Sprecher in der Politik finden, dass sich seit der Finanzkrise in der Branche nichts getan hätte. Dass die Banken nichts gelernt hätten oder zumindest nicht zum Lernen gezwungen worden wären. In gewisser Weise ist die neue akute Unsicherheit darüber, wie die Banken dastehen, sogar eine Folge dieses Lernprozesses: Wir alle haben von unseren Banken und Versicherern verlangt, unser Geld in sichere Werte anzulegen. Was gab es Sichereres als Staatsanleihen aus unseren eigenen Ländern? Unter dem Sicherheitsaspekt konnte da keine Aktie mithalten, ja nicht einmal das eine oder andere Edelmetall.

In Deutschland leidet keiner wirklich unter der Macht der Banken

Auch in Zürich reklamierten die Demonstranten für sich, 99 Prozent der Bevölkerung zu repräsentieren. Quelle: Reuters

Auch in Zürich reklamierten die Demonstranten für sich, 99 Prozent der Bevölkerung zu repräsentieren.

(Foto: Reuters)

Inzwischen aber haben die Länder selbst, in dem sie nie ernsthafte Anstrengungen machten, ihre Schulden in den Griff zu bekommen, dafür gesorgt, dass Kredite an sie alles andere als eine sichere Anlage geworden sind. Und nun stehen die Banken da mit ihren Staatsanleihen in den Büchern, zu denen ihnen so viele nach der Finanzkrise geraten hatten. Ein bisschen tun sie mir jetzt sogar leid, die Banken.

Bei Euch von den 99 Prozent ist das natürlich anders. Ihr habt kein Mitleid, sondern eine Wut im Bauch, dass schon wieder die bestbezahlten Arbeiter der Wirtschaftswelt Teil der jüngsten Krise geworden sind. Aber es ist zumindest in Frankfurt und in Madrid, in Rom und in Paris eine Wut, die dem Bauch, und nicht dem Kopf entspringt.

Denn anders als in den USA, wo Menschen wegen frisch fröhlicher Kreditvergabe ihr Dach über dem Kopf verloren haben, leiden in Deutschland und anderswo die wenigsten wirklich unter der Macht der Banken. Im Gegenteil: Bislang haben doch auch wir gut gelebt, weil Banken und Staaten in trauter Eintracht zur wundersamen Geldvermehrung beigetragen haben. Es sind wir, die früher als unsere Eltern in der Lage sind, ein Auto mit Klimaanlage zu leasen, eine Reise zum Sternekoch nach Frankreich zu buchen, oder sogar eine Wohnung mit PKW-Stellplatz zu kaufen. Ohne das billige Geld der Banken wären unsere Wünsche länger offen geblieben.

Jetzt haben wir das Gefühl, dass es so nicht mehr weitergeht. Und daran ist viel Wahres. Nur entspringt die Idee, deswegen alles zu zerschlagen, eher einem trotzigen Gemüt. Ich finde, es ist besser, sich auf das Ursprüngliche zu besinnen: Auf einen Staat, der nicht mehr gibt, als er hat. Auf eine Bank, die uns dient und daran auch verdienen darf. Und auf uns Bürger, die nicht mehr verlangen, als wir uns leisten können. Wetten, ich bin mehr als ein Prozent? 

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81 Kommentare zu "Anti-Banken-Proteste : „Ich bin ein Prozent“"

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  • Eine sehr interessante Diskussion ist hier entstanden - das schätze ich sehr.
    Leider fällt einiges bei mir in die Kategorie "Kopfschütteln".
    Lieber Autor, bitte bedenken Sie, dass es sich bei der Bewegung "We are the other 99%" um eine Solidarbewegung handelt und NICHT, um 99% der Deutschen. Falls aber Sie sich zu der Gruppe zählen wollen, die sich nicht mit den Problemen der Ärmsten solidarisch befasst, sei es bei Gesundheitsversorgung, Probleme der Dritten Welt, Arbeitslosigkeit, dann gehören Sie wohl zu den 1% + X. Eine Auszeichnung ist DAS allerdings nicht.
    Weiterhin vermisse ich, dass es der Bewegung nicht um die Zerschlagung von Banken geht, sondern um das REGULIEREN der Banken. Soll heißen, dass Banken nicht mehr so groß werden dürfen, damit sich als systemrelevant gelten und frei nach dem Motto arbeiten können: "Gewinn privat, Verlust verstaatlicht." Das kann man z.B. sehr gut an dem geschätzten Herrn Ackermann beobachten, der ganz schnell mit Verteufelungen gegen staatliche Eingriffe bei der Hand ist, aber noch schneller nach Staatshilfen für große Banken gerufen hat.
    Deshalb möchte ich doch im Allgemeinen darauf hinweisen, dass es - wie überall - auch bei der 99-Bewegung Dogmatiker gibt (, die aber auch stark in diesem Artikel bzw. Forum wiederzufinden sind) allerdings bestehe ich darauf, dass diese Bewegung ein Anfang ist. Wie hier mehrfach beschrieben, wird angeraten sich erst zu verkriechen und anschließend die Weltformel zu präsentieren, weil man davor "keine Ahnung" habe. Das ist leider falsch, denn selbst die Weltformel würde ohne Gehör nichts bringen. Und das ist der eigentlich Grund der Proteste - wir wollen uns wieder Gehör verschaffen und nicht die Zukunft unseres Landes an uns vorüberziehen lassen.
    Falls Sie sich nicht zu den 99% zählen, wie hier öfter trotzig geschrieben wird, dann muss ich Ihnen gratulieren. Gratulieren zur Unterwürfigkeit, zum Vergessen der Meinungsäußerung und Desinteresse an der Mitgestaltung unserer aller Zukunft.

  • Bis jetzt war kein Verstand in diesem Artikel - zumindest nicht, was eine Lösung betrifft.
    Bitte macht endlich die Augen auf, hier geht es nicht, um das Abschaffen des Finanzsystems oder sonst etwas. Aber es doch so, dass etwas getan werden MUSS. Und alles ist besser, als sich nur in ein Forum zu verkriechen und in Real Life auf Bierdermann zu machen und alle Verantwortung auf andere abzuwälzen.

  • Vielen herzlichen Dank für diesen Rat und die typisch deutsche obrigkeitshörige Einstellung:
    Ich verkriech mich in meinem Kämmerlein bis einen kompletten Plan ausgearbeitet habe, damit mir dann ja niemand ans Bein pinkeln kann und ich als Trottel dastehe.
    Es geht darum etwas zu verändern - wie auch der Autor meinte - und zwar darum die Banken wieder in unseren Dienst zu stellen, natürlich überspitzt gesagt.
    Aber wer die Bewegung als uninformierte Hippies abtut, liegt erstens total daneben und hat meiner Meinung nach noch nicht einmal das Rückgrat, etwas für die Veränderung, den Fortschritt zu unternehmen.

  • meiner ansicht nach nicht. was macht ein arzt? ein überprüft die krankheitssympthome eines patienten und versucht daraus zu schließen, an was der patient leiden könnte. es wird ihm ein medikament/eine behandlung verschrieben, in der hoffnung, dass die diagnose richtig war und diese vorgehen wieder zur genesung führt.
    auch wenn wir es für unser gewissen gerne so glauben würden, aber die medizin ist ebenfalls eine unkonkrete wissenschaft, die ähnlich der physik und chemie mehr aus beobachtungen und logischen konsequenzen besteht, als auf "echtem" wissen und festen definitionen wie z.B. in der mathematik.
    gleiches gilt für die ökonomie, wobei hier anders als in der medizin leider keine zulassung für diagnose und behandlung erforderlich ist. jeder darf mal am patienten wirtschaft herumschnippeln wie es ihm beliebt. das resultat sehen wir ja...

  • warum nicht dem talmud banken paroli bieten und an das jetzt des lebens vertrauen,geld hin geld her,liebe deines nächsten wie dich selbst!hugh ich habe gesprochen,mann(nsd)möge mir in meinen ganzen statements verzeihen,"denn sie wissen nicht was sie tun"oder auch nicht",hang loose and fu.. the norm,von einem der sich niemals beugen wird alias bakflasch

  • mein gedanke zur finanzrevolution,es darf nichts mehr vererbt werden,alles erarbeitte vermögen kommt nach ableben wieder dem volke zu gute mit einem geringem restbetrag der werteschöpfung für die kinder(finanzierung des studiums),radikal ich weiss aber nach hunderten erfolgreichen jahren ohne hunger kriege bekomme ich im nachhinein den friedensnobelspreis für diese idee..

  • nieder mit den bilderbergern und deren handlangern und speichelleckern,und nicht vergessen ihr mit euren häusschen und fetten wägelchen euch gehts letztändlichst mehr an den kragen als dem der immer zeitlebenst rad fährt,also schliessen wir uns doch zusammen und wählen die hochfinanzmarionetten einfach ab,die macht dem volke und nicht umgekehrt

  • nichts hat sich seit den letzten tausenden jahren verändert die kleinen fleissigen bleiben klein und die grossen bleiben gross,aussnahmen bestätigen die regel!übrigens morgen (heute)habe ich frei,arbeite mehr als60h die woche,und ich bin niemanden etwas neidig,ich hab schon hungrige kinder gesehen erlebt und geholfen..

  • vor unserer zeit zahlten wir als ehemals leibeigene einen zehent und nun wie weit sind wir gekommen mit dr. house,monk,zentralheizung,nestle,bild z.,aral,rheinmettal,mineralölsteuer usw.,??wacht endlich auf?auch ihr möchtegern reichen!!damals wusste keiner über die machenschaften der grossen unde nun denkt jeder er hätte ahnung vom grossem buissnes,vergleiche deinen jetztigen stand deines standes dem des damaligem,wir alle hier sind arme kröten..regiert wird bestimmt ganz woanders über uns fleissigen und auch unproduktiven und die lesen sicherlich kein handelsblattforum

  • soory mit reichen meine ich diejenigen die mehr als 111800,-euronen barvermögen auf ihren sparkonten haben,wieviel prozent waren das nochmals..?

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