Anti-Banken-Proteste
„Ich bin ein Prozent“

Die Anti-Banken-Bewegung glaubt, sie sei der Heilsbringer in der Krise. Doch in Wirklichkeit lebt auch sie gut vom billigen Geld der Banken, die sie zerschlagen will. Eine Gegenrede.
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Ich glaube, dass jede Bank ihr Gutes hat. Und ich glaube sogar an das Gute im Investmentbanker, dem viel Gescholtenen. Ich will nicht, dass eine Bank, nur weil sie groß ist, zerschlagen wird. Und ich beglückwünsche jedes Unternehmen, Banken ausdrücklich eingeschlossen, dem es gelingt, eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften. Wenn diejenigen, die jetzt gegen die Macht der Banken auf die Straße gehen, von sich sagen, sie seien 99 Prozent, dann bin ich eben das eine Prozent. Ich sage: „Wir brauchen mächtige Banken.“

Natürlich haben es viele Banker arg getrieben. Sie haben dafür gesorgt, dass die alte Normalität in Vergessenheit geraten ist. Sie hatte darin bestanden, dass der Bürger sparte, dass er sein Geld zur Bank brachte und dass die es dann an Investoren verlieh. So wuchs Wohlstand. Inzwischen gibt es Wohlstand vor allem auf Pump, weil Banken dazu beigetragen haben, dass nicht nur echtes Geld verliehen wird, sondern dass sich rund um diesen einfachen Vorgang eine Welt der Finanzinstrumente entwickelt hat, die alles andere als durchsichtig ist. Es gibt Derivate, Zertifikate und Versicherungen darauf, falls etwas schiefgeht mit diesen Produkten.

Aber anstatt diese Produkte zu nutzen, um reale Geschäfte abzusichern, wird der Handel damit selbst zum Geschäftsmodell. Das treibt Blüten bis hin zu der Tatsache, dass beispielsweise die auf dem Papier gehandelte Menge Gold diejenige Menge, die wirklich existiert, bei weitem übertrifft. Und das ist schlecht. Sehr schlecht. Aber deswegen die Banken zu zerschlagen, ist noch schlechter. Es genügt, den Handel mit irrealen Werten zu begrenzen. Durch eine Finanzsteuer auf Derivate zum Beispiel.

Ich bin auch nicht der Meinung wie jene 99 Prozent, die jetzt protestieren und ihre Nach-dem-Mund-Sprecher in der Politik finden, dass sich seit der Finanzkrise in der Branche nichts getan hätte. Dass die Banken nichts gelernt hätten oder zumindest nicht zum Lernen gezwungen worden wären. In gewisser Weise ist die neue akute Unsicherheit darüber, wie die Banken dastehen, sogar eine Folge dieses Lernprozesses: Wir alle haben von unseren Banken und Versicherern verlangt, unser Geld in sichere Werte anzulegen. Was gab es Sichereres als Staatsanleihen aus unseren eigenen Ländern? Unter dem Sicherheitsaspekt konnte da keine Aktie mithalten, ja nicht einmal das eine oder andere Edelmetall.

Kommentare zu " Anti-Banken-Proteste : „Ich bin ein Prozent“"

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  • Eine sehr interessante Diskussion ist hier entstanden - das schätze ich sehr.
    Leider fällt einiges bei mir in die Kategorie "Kopfschütteln".
    Lieber Autor, bitte bedenken Sie, dass es sich bei der Bewegung "We are the other 99%" um eine Solidarbewegung handelt und NICHT, um 99% der Deutschen. Falls aber Sie sich zu der Gruppe zählen wollen, die sich nicht mit den Problemen der Ärmsten solidarisch befasst, sei es bei Gesundheitsversorgung, Probleme der Dritten Welt, Arbeitslosigkeit, dann gehören Sie wohl zu den 1% + X. Eine Auszeichnung ist DAS allerdings nicht.
    Weiterhin vermisse ich, dass es der Bewegung nicht um die Zerschlagung von Banken geht, sondern um das REGULIEREN der Banken. Soll heißen, dass Banken nicht mehr so groß werden dürfen, damit sich als systemrelevant gelten und frei nach dem Motto arbeiten können: "Gewinn privat, Verlust verstaatlicht." Das kann man z.B. sehr gut an dem geschätzten Herrn Ackermann beobachten, der ganz schnell mit Verteufelungen gegen staatliche Eingriffe bei der Hand ist, aber noch schneller nach Staatshilfen für große Banken gerufen hat.
    Deshalb möchte ich doch im Allgemeinen darauf hinweisen, dass es - wie überall - auch bei der 99-Bewegung Dogmatiker gibt (, die aber auch stark in diesem Artikel bzw. Forum wiederzufinden sind) allerdings bestehe ich darauf, dass diese Bewegung ein Anfang ist. Wie hier mehrfach beschrieben, wird angeraten sich erst zu verkriechen und anschließend die Weltformel zu präsentieren, weil man davor "keine Ahnung" habe. Das ist leider falsch, denn selbst die Weltformel würde ohne Gehör nichts bringen. Und das ist der eigentlich Grund der Proteste - wir wollen uns wieder Gehör verschaffen und nicht die Zukunft unseres Landes an uns vorüberziehen lassen.
    Falls Sie sich nicht zu den 99% zählen, wie hier öfter trotzig geschrieben wird, dann muss ich Ihnen gratulieren. Gratulieren zur Unterwürfigkeit, zum Vergessen der Meinungsäußerung und Desinteresse an der Mitgestaltung unserer aller Zukunft.

  • Bis jetzt war kein Verstand in diesem Artikel - zumindest nicht, was eine Lösung betrifft.
    Bitte macht endlich die Augen auf, hier geht es nicht, um das Abschaffen des Finanzsystems oder sonst etwas. Aber es doch so, dass etwas getan werden MUSS. Und alles ist besser, als sich nur in ein Forum zu verkriechen und in Real Life auf Bierdermann zu machen und alle Verantwortung auf andere abzuwälzen.

  • Vielen herzlichen Dank für diesen Rat und die typisch deutsche obrigkeitshörige Einstellung:
    Ich verkriech mich in meinem Kämmerlein bis einen kompletten Plan ausgearbeitet habe, damit mir dann ja niemand ans Bein pinkeln kann und ich als Trottel dastehe.
    Es geht darum etwas zu verändern - wie auch der Autor meinte - und zwar darum die Banken wieder in unseren Dienst zu stellen, natürlich überspitzt gesagt.
    Aber wer die Bewegung als uninformierte Hippies abtut, liegt erstens total daneben und hat meiner Meinung nach noch nicht einmal das Rückgrat, etwas für die Veränderung, den Fortschritt zu unternehmen.

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