Anti-Dumping-Zölle: „Schlecht für die europäische Wirtschaft“

Anti-Dumping-Zölle
„Schlecht für die europäische Wirtschaft“

Die EU plant Anti-Dumping-Zölle auf chinesische Solarplanes. Lothar Harings, Experte für Außenhandelsrecht, hält wenig von diesem Eingriff in den Wettbewerb – zumal es unterm Strich viel mehr Verlierer als Gewinner gebe.
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DüsseldorfChina ist der weltweit größte Hersteller von Solarpanels. Die Produktion wurde stark ausgebaut, das Angebot der chinesischen Hersteller liegt inzwischen über der weltweiten Nachfrage. Das macht den deutschen Solar-Firmen schwer zu schaffen. Im erbitterten Preiskampf mit der chinesischen Konkurrenz hatten europäische Firmen wie die angeschlagene Solarworld Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Nun hat die Kommission mehreren Berichten zufolge grünes Licht für Strafzölle auf chinesische Solarpanels gegeben. Über diese Entscheidung sprach Handelsblatt Online mit Lothar Harings, Experte für Außenhandelsrecht bei der Wirtschaftskanzlei Graf von Westphalen. Der Anwalt, der auch Leiter der Hamburger Zollakademie ist, steht auf Seiten der importierenden Industrie.

Handelsblatt Online: Die EU-Kommission will Strafzölle auf chinesische Solarpanels einführen. Was halten Sie grundsätzlich von solchen Anti-Dumping-Maßnahmen?

Lothar Harings: „Ich sehe Anti-Dumping-Zölle sehr skeptisch, da sie immer einen Eingriff in den Wettbewerb darstellen. Insgesamt wirken sie sich meines Erachtens negativ auf die europäische Wirtschaft aus.“

Warum? Soll diese nicht gerade durch die Zölle geschützt werden?

„Es gibt natürlich einige produzierende Unternehmen, die durch die Zölle vor chinesischer Konkurrenz geschützt werden und somit profitieren. Die vielen anderen Unternehmen aus der Solarbranche und auch die Verbraucher werden jedoch unter Preissteigerungen leiden. Das gilt für Firmen aus der Solarbranche, die Produkte in China fertigen lassen, aber auch für solche, die chinesische Produkte verwenden und in Europa weiterverarbeiten; dass dort durch Antidumpingmaßnahmen Arbeitsplätze gefährdet werden, wird häufig übersehen.“

Diese Unternehmen können ja auf die halbjährige Testphase setzen.

„Die vorläufige Maßnahme ist tatsächlich regelmäßig auf sechs Monate begrenzt, doch deutet vieles darauf hin, dass anschließend eine endgültige Entscheidung fällt und Anti-Dumping-Zölle für fünf Jahre verhängt werden. Die EU-Kommission tritt gerne als Hüter vermeintlicher europäischer Gemeinschaftsinteresses auf.“

Mischt sich die EU denn so häufig ein?

„Betrachtet man den Wareneinfuhr in die EU insgesamt, dann ist der Anteil von Schutzzöllen verschwindend gering. Einzelne Branchen wie Fahrräder, Schrauben oder Schuhe sind aber besonders betroffen. Und nun auch die Solarbranche – das wird eines der größten Anti-Dumping-Verfahren in der Geschichte der Europäischen Union.“

Wird China dagegen vorgehen?

„Die EU hat geprüft, ob die Preisbildung der Exporteure marktwirtschaftliche Kriterien erfüllt. Wir sprechen von Dumping, wenn der Ausfuhrpreis aus dem Exportland unter dem Normalwert, sprich in der Regel dem Verkaufspreis im Herkunftsland, liegt. Die Kommission ist vorläufig zu dem Schluss gekommen, dass die Verhängung eines Antidumping-Zolls gerechtfertigt ist. Die betroffenen Importeure werden dagegen sicher klagen. Ob China bei der Welthandelsorganisation ein Verfahren einleitet, bleibt abzuwarten. Das Welthandelsrecht lässt Anti-Dumping-Zölle zu, untersagt jedoch willkürliche Handelshemmnisse.“

Kommentare zu "„Schlecht für die europäische Wirtschaft“"

Alle Kommentare
  • "Und der Importzoll für deutsche Automobile liegt bereits bei 25 %."

    Nicht nur dort.
    Entweder keine Zölle, oder alle gegenrechnen. Alles andere ist Subventionspolitik vom Feinsten. Und diese schadet dem Wettbewerb, überall!
    Die Chinesen verstehen Planwirtschaft, und handeln auch so, und zwar gegen Devisen.
    Die Europäer sollten sich um die Weiterentwicklung und Forschung im Energiebereich kümmern. Auch im kleinen Maßstab, sonst sind noch mehr Energiefirmen mit einem Wimpernschlag pleite, und daran sind dann keine Chinesen oder andere schuld, sondern, wie das alte ewige Lied, selbst schuld.
    Oder kauft pellets *lol*

  • Den Preisverfall haben die Chinesen doch mit Ihrer Dumpingpolitik erst ausgelöst... Und der Importzoll für deutsche Automobile liegt bereits bei 25 %.

  • Das ist wirklich bedenklich wie weit die Politik geht, um Abzocker wie Solarworld zu retten. Diese sind aber nicht die Einzigen


    Da gibt es auch andere Solare Abzocker wie Philippe Welter vom insolventen Fachmagazin Photon. (http://www.photonwatch.blogspot.com)

    Der hat Millionen bei den Sozialkassen und anderen veruntreut und sitzt noch weiterhin mit dem EnergieChef der Verbraucherzentralen Dr. Holger Krahwinkel in wichtigen politischen Gremien wie dem Rat der Agora. Und das, obwohl die Verbraucherzentralen führzeitig und aktiv vor den Anleihen von Photon gewarnt haben.

    Sie können auf Change.org (http://www.change.org/de/Petitionen/ausschluss-von-philippe-welter-aus-dem-rat-der-agora) Ihre Stimme erheben gegen derartige Praktiken.

    Jetzt braucht es Öffentlichkeit und Licht auf die dunklen Praktiken der Sonnenkönige!

  • Auch die chinesischen Solar Unternehmen leiden seit Jahren unter dem Preisverfall.
    Ich wünsche mir, wenn die Strafzölle auf chinesische Solarprodukte kommen, damit China endlich zurück schlägt und auch deutsche Produckte zu 50% mit Strafzöllen verhangt z.B. Volkswagen
    Das wäre die einzige richtige Antwort für die EU und Deutschland

  • Die Strafzölle schaden der europäischen Wirtschaft allenfalls dadurch, das sie viel zu spät kommen. Die Wertschöpfung findet maßgeblich im produzierenden Gewerbe statt. Gerade deswegen betreiben die Chinesen ja eine solche aggressive Industriepolitik. Ja, kurzfristig mögen europäische Verbraucher von chinesischen Dumpingpreisen profitieren. Lässt man die Chinesen aber tatenlos gewähren, gehen hier irgendwann die Lichter aus.

  • Herr Harings lebt in einer anderen Welt!
    Wer soll in Deutschland Steuern zahlen und Arbeitsplätze
    schaffen? Immer vor dem Hintergrund, dass die Deutschen
    Steuerzahler die sind, die die EU überwiegend finanzieren
    und für die Pleitegeier in der Währungsunion bürgen.
    Man kanns auch anders auf den Punkt bringen:
    Der Mann zählt zur Elite!

  • Zitat: "Die EU-Kommission tritt gerne als Hüter vermeintlicher europäischer Gemeinschaftsinteresses auf"

    Die meisten EU-Länder verfügen nicht mehr über vergleichbar attraktive Exportgüter und Dienstleistungen und können "wie die Axt im Walde" agieren. Dabei nehmen sie auf Deutschland kaum Rücksicht, obwohl dessen Wirtschaft inzwischen mittels permanenter Zahlungen deren Staatsbankrott verhindern muss. Sollten die Strafzölle mit Gegenmaßnahmen beantwortet werden, wird die dt. Wirtschaft besonders betroffen sein. Jene, die unsere Politiker mit Nazisymbolen verunglimpfen, werden ihr Häme dann kaum noch zurückhalten.

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