Anti-IS-Proteste in Europa
Demonstranten besetzen EU-Parlament

Die Proteste waren nicht offiziell angekündigt, doch es kamen Tausende: In vielen europäischen Städten solidarisieren sich Kurden mit der Bevölkerung von Kobane. Die Demonstranten besetzen gar das Europäische Parlament.
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BrüsselRund 50 Demonstranten haben das Europäische Parlament in Brüssel gestürmt und blockieren nun die Lobby, die zentral alle Sitzungssäle miteinander verbindet. Die Aktion ist Teil einer europaweiten, nicht offiziell angekündigten Protestbewegung, die auf die verzweifelte Lage in der umkämpften syrischen Grenzstadt Kobane aufmerksam machen will. Die islamistische Terrormiliz IS versucht derzeit, Kobane gegen den erbitterten Widerstand kurdischer Kämpfer unter ihre Kontrolle zu bringen.

Erste Bilder aus dem EU-Parlament erreichten über Twitter die Öffentlichkeit.

Auch in vielen anderen europäischen Städten gingen die Menschen auf die Straßen. Allein in Deutschland protestierten am Montagabend einige tausend Menschen, für Dienstag waren weitere Kundgebungen angekündigt.

Die allermeisten Aktionen blieben friedlich. In Istanbul kam es bei Demonstrationen für den Schutz von Kobane zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Auseinandersetzungen dauerten bis weit nach Mitternacht, wie ein Augenzeuge berichtete. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt.

Im niederländischen Den Haag drangen am Montagabend etwa hundert kurdische Demonstranten in die Lobby des Parlaments ein. Nach einem Gespräch mit der Vorsitzenden der Zweiten Parlamentskammer, Anouchka van Miltenburg, verließen die Protestierer am frühen Morgen das Gebäude wieder, wie niederländische Medien am Dienstag berichteten.

Auch am Flughafen der belgischen Hauptstadt Brüssel, am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle und vor dem österreichischen Parlament in Wien gab es Solidaritätsaktionen. In Basel in der Schweiz blockierten etwa 250 Menschen für rund eine Stunde die Straßenbahngleise am Marktplatz. Im französischen Straßburg versammelten sich nach einem Medienbericht etwa 140 Kurden vor dem Sitz des Fernsehsenders France 3 Alsace.

In Deutschland gingen allein in Nordrhein-Westfalen laut Polizei insgesamt etwa 3000 Kurden auf die Straße. In Düsseldorf und Bonn drangen die Demonstranten kurzzeitig in Gebäude des Westdeutschen Rundfunks und des Auslandssenders Deutsche Welle ein und übergaben den Verantwortlichen des Senders eine Resolution. Zu weiteren Kundgebungen kam es unter anderem in Essen, Dortmund und Münster.

In Berlin versammelten sich nach Polizeiangaben am Montagabend etwa 600 Kurden. Für den Mittag war eine weitere Demonstration am Brandenburger Tor angemeldet. Auch in Frankfurt sollte am Vormittag demonstriert werden. Dort waren in der Nacht zum Dienstag etwa 500 bis 600 Menschen vom türkischen zum US-amerikanischen Generalkonsulat gezogen. Sie forderten laut Polizei „lautstark, aber friedlich“ ein härteres Vorgehen gegen die IS-Terrormiliz.

In Hannover zog ein Protestzug vom Hauptbahnhof zum Flughafen Hannover-Langenhagen. Die Kundgebung vor dem Terminal einer türkischen Fluggesellschaft verlief friedlich. Auch vor dem Landesfunkhaus des Norddeutschen Rundfunks (NDR) versammelte sich eine kleinere Gruppe. In Bremen protestierten rund 300 Menschen im öffentlichen Bereich des Flughafens. In Göttingen zogen rund 350 Demonstranten mit Plakaten durch die Stadt.

In Hamburg zogen nach Angaben der Polizei rund 200 überwiegend kurdische Demonstranten vom Hauptbahnhof zum Rathausplatz. Dort projizierten sie Nachrichtenbilder aus den umkämpften Krisenregionen an die Wand. In Kiel bildeten rund 200 Menschen einen unangemeldeten Protestzug vom Hauptbahnhof zum Landesfunkhaus des NDR.

Auch in mehreren Städten in Baden-Württemberg gab es Proteste. In Stuttgart versammelten sich am Montagabend rund 150 Kurden in der Innenstadt. Am Dienstag setzten rund 100 Menschen die Demo fort.

Die Lage in der umkämpften syrisch-kurdischen Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei hatte sich am Montag und in der Nacht zum Dienstag dramatisch zugespitzt. IS-Kämpfer sind dort inzwischen in mehrere Stadtviertel eingedrungen.

Steffen Daniel Meyer
Steffen Daniel Meyer
Handelsblatt Online / Social-Media-Redakteur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Anti-IS-Proteste in Europa: Demonstranten besetzen EU-Parlament"

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  • Die Kurden die nicht zur EU gehören...

    die man Jahrelang selbst als Terroristen betitelte...

    sind jetzt die einzige Menschen die in der Lage sind...

    AN DIESE EU ZU SAGEN :

    " EU TUE ENDLICH DEINEN BEITRAG ZUR ABSCHAFFUNG VON TERRORISMUS ! "

    Das ganze sollte uns 500 Millionen Europäer zum denken geben !!!

    WIE IST DIESE EU ÜBERHAUPT IN DER LAGE DAS EUROPÄISCHEN KONTINENT ZU BESCHÜTZEN ?

    Wo wir in Europa nach so viele Jahre des Bestehens der EU immer noch nicht über eine " EINHEITLICHE EU-ARMEE VERFÜGEN ! "

    EU WAS MACHST DU ??? wenn überhaupt was machst.


  • *Ironie an
    Halloooo das ist ein demokratisch gewähltes Parlament, was wollen Sie mehr?
    *Ironie aus

  • Man muss anerkennen, dass die Kurden wenigstens an ihre Landsleute denken und für sie auf die Strasse gehen. Natürlich sollten sich auch Freiwillige für den Dienst an der Waffe melden, nicht nur Demonstranten.

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