Anti-Propaganda
Video entlarvt dilettantische IS-Kämpfer

Peschmerga-Angehörige haben die Kamera eines getöteten IS-Kämpfers gefunden. Die Aufnahmen sollten wohl als Propagandamaterial dienen. Die Bilder dokumentieren aber vor allem ein: Das Chaos in den Reihen der Extremisten.

Die Videokamera auf dem Helm eines IS-Kämpfers sollte wohl den heroischen Kampf der Extremistenmiliz im Irak zeigen. Die jetzt an die Öffentlichkeit gelangen Bilder dokumentieren jedoch eher dilettantisch und panisch agierende Kämpfer in einem gepanzerten Fahrzeug. Kurdische Peschmerga-Angehörige – Feinde der Islamisten – fanden die Kamera nach eigenen Angaben nach dem Gefecht auf dem Helm eines getöteten IS-Kämpfers, dessen Namen sie mit Abu Radhwan angaben.

Das Video zeigt die Männer in einem gepanzerten, oben offenen Fahrzeug, wie sie über eine braune Ebene fahren und dabei schießen, vermutlich auf Stellungen der Peschmerga. Einer von ihnen rutscht mit seinem Gewehr ab und der Schuss löst sich im Innern des Fahrzeugs. „Abu Hadscher! Hör auf zu schießen“, ist auf Arabisch zu hören. Die Helmkamera schwenkt hektisch hin und her zwischen den Männern, Waffen und Munition auf dem Boden des Fahrzeugs und der braunen Ebene davor. Kurz darauf ist über dem Geräusch von Schüssen die Stimme eines weiteren Kämpfers zu hören: „Abu Hadscher! Ich habe dir gesagt, Du sollst höher zielen. Was ist los mit dir? Die Patronenhülsen fliegen direkt auf uns.“ Dann wendet sich Abu Radhwan an diesen Kämpfer und ruft: „Abu Abdullah, ziel höher und sei vorsichtig, du bringst uns um.“

In seinen offiziellen Propagandavideos versucht der IS den Eindruck professioneller und disziplinierter Kämpfer zu vermitteln, die fast ohne Gegenwehr den Feind bezwingen. Meist sind die Bilder mit heroischer Musik unterlegt. Das nun veröffentlichte Video zeigt eine andere Seite dieses Krieges aus der Sicht eines IS-Kämpfers, der am Ende stirbt.

"Raus hier, raus, aber geht nicht zu weit", hört man einen Kämpfer rufen, als das Fahrzeug offensichtlich getroffen wurde. Abu Radhwan sagt: "Wo ist mein Gewehr?" Außerhalb des Fahrzeugs ist zu sehen, wie Radhwan wegläuft. Die Kamera schwenkt herum, er blickt zu dem beschädigten Fahrzeug, als ihn offenbar eine Kugel trifft. "Ich bin verwundet", ruft er. Dann rollt er wohl über die Erde. Die Kamera nimmt abwechselnd den braunen Boden und den blauen Himmel auf. Die letzten Bilder zeigen ein brennendes Fahrzeug, von dem eine dunkle Rauchwolke aufsteigt.

Der Peschmerga-Oberstleutnant Jasir Abdulla sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Gefecht habe im Dezember stattgefunden. Am nächsten Tag hätten sie nach die Leichen geschaut und die Helmkamera gefunden. Der IS hat große Teile des Irak und Syriens unter seine Kontrolle gebracht, zuletzt jedoch wieder große Gebiete wieder abgeben müssen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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