Anti-syrische Kräfte setzen sich durch
Christlicher Politiker gewinnt wichtigste Wahlrunde im Libanon

Der erst vor wenigen Wochen aus dem Exil zurückgekehrte christliche Politiker General Michel Aoun hat die dritte und wichtigste Runde der Parlamentswahl im Libanon gewonnen. Damit setzten sich die anti-syrischen Kräfte im zentralen Bergland nordöstlich von Beirut durch.

HB BEIRUT. Die Wahl endet mit der Abstimmung im Norden des Landes am kommenden Wochenende. Dem inoffiziellen Endergebnis zufolge gewannen die Kandidaten aus dem Aoun-Lager eindeutig die Mehrheit der Sitze, die am Sonntag vergeben wurden. Aoun habe einen im Libanon seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 nicht erreichten Einfluss die christlichen Gruppen etabliert, hieß es in der Zeitung „As-Safir“. Aoun war der bekannteste anti-syrischen Politiker des Landes.

1990 musste er ins Exil gehen, nachdem die langjährige Ordnungsmacht Syrien seine Revolte niedergeschlagen hatte. Im Mai kehrte er in den Libanon wenige Tage nach dem Abzug der letzten syrischen Truppen zurück. Die derzeitige Parlamentswahl ist seit mehr als 30 Jahren der erste Urnengang bei dem keine syrische Truppen im Libanon stationiert sind.

Nach den Abstimmungen in der Hauptstadt Beirut sowie im schiitisch geprägten Süden des Landes waren am Sonntag rund 1,25 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen. Die Beteiligung im Zentrum und Osten des Landes lag nach Angaben des Innenministeriums bei mehr als 50 Prozent.

Die beiden bisherigen Teilwahlen waren ohne Überraschungen ausgegangen. In Beirut sicherte sich der Sohn des ermordeten anti-syrischen Oppositionsführers Rafik al-Hariri mit seiner Sunniten-Liste alle Sitze, im Südlibanon die pro-syrischen Schiiten-Gruppen Amal und Hisbollah.

Aoun hatte sich mit einem Reformprogramm gegen die aus seiner Sicht traditionalistischen Kräfte in der anti-syrischen Opposition gestellt. Er wolle besonders die Korruption im Libanon bekämpfen, sagte Aoun.

Die neue Volksvertretung steht vor schwierigen Aufgaben. Die Vereinten Nationen (UN) fordern eine Entwaffnung der Hisbollah, einer von Syrien unterstützten radikal-schiitischen Miliz, die sich an der Südgrenze des Landes als Speerspitze gegen Israel versteht. Zudem stehen eine Entscheidung über den Verbleib des pro-syrischen Präsidenten Emile Lahoud im Amt an sowie über ein neues Wahlrecht. Die bisherigen Regeln haben zur Folge, dass Gruppierungen mit unterschiedlichsten Interessen gemeinsame Listen bilden und damit die Alternativen für die Wähler eingeschränkt sind.

Das Wahlsystem garantiert Moslems und Christen letztlich dieselbe Zahl der Parlamentssitze, wobei die meisten an maronitische Christen (34) sowie sunnitische und schiitische Moslems (je 27) gehen. Rund 59 Prozent der Wahlberechtigten im Land sind Moslems und 41 Prozent Christen. Mehr als 160 von der Europäischen Union gesandte Beobachter prüfen jede Phase der insgesamt vierwöchigen Wahl.

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