Anti-Terror-Einsätze
Fieberhafte Suche nach der Chemie-Bombe

Während die Menschen in Toronto nach der Festnahme von 17 Terrorverdächtigen aufatmen können, geht das Rätselraten in London weiter. Polizisten suchen noch immer nach der schmutzigen chemischen Bombe. Die beiden in der englischen Hauptstadt Festgenommenen beteuern ihre Unschuld.

HB LONDON. Zwei Tage nach der Erstürmung einer mutmaßlichen Chemiebomben-Werkstatt herrschte am Sonntag in London weiter Rätselraten über die Ergebnisse der spektakulären Aktion. Zwei festgenommene Brüder aus Bangladesch erklärten sich für unschuldig.

Scotland Yard verweigerte neue konkrete Auskünfte. Mangels offizieller Mitteilungen reichte die Bandbreite der Spekulationen in den Medien von einem Fehlschlag der Operation bis hin zu einem Erfolg, durch den ein Chemie- oder Biowaffenschlag mit etlichen Toten verhindert worden sei.

Nach Angaben der „Times“ war die Großrazzia durch Hinweise auf einen Anschlag mit dem Giftstoff Zyanid ausgelöst worden. Vor dem Einsatz von 250 Sicherheitskräften gegen die zwei Terrorverdächtigen in einer Wohnung am Freitag in Ost-London sei Premierminister Tony Blair persönlich durch die Chefin des Geheimdienstes MI5, Dame Eliza Manningham-Buller, über die vermutete Gefahrenlage informiert worden.

Boulevardblätter wie der „Daily Express“ wollten von anderen Giftstoffen erfahren haben, darunter Anthrax. Die seriöse Zeitung „Daily Telegraph“ berichtete, El-Kaida-Sympathisanten hätten einen Anschlag mit Nervengas nach dem Vorbild der Sarin-Attacke in einem Tokioter U-Bahnhof geplant, bei dem im März 1995 zwölf Menschen getötet worden waren. Das Klatschblatt „Daily Mirror“ wollte von Plänen für einen Giftbombenanschlag auf einen Pub während eines Spiels der Fußball-WM gehört haben.

Derweil ging die Durchsuchung des am frühen Freitagmorgen gestürmten Reihenhauses in dem Einwandererviertel Forest Gate intensiv weiter. „Dort gibt es allerdings nichts zu finden“, sagte die Anwältin Kate Roxburgh. „Mein Mandant ist völlig unschuldig.“ Sie vertritt den 23-jährigen Mohammed Abdul Kahar, der bei der Razzia angeschossen wurde.

Die Anwältin wies Presseberichte als falsch zurück, wonach ihr Mandant nicht von einem Polizisten, sondern bei einem Handgemenge mit Sicherheitskräften versehentlich von seinem eigenen Bruder angeschossen worden sei. Das hatte am Sonntag die Boulevardzeitung „News of the World“ gemeldet.

Auch der Anwalt des 20-jährigen Abul Koyair betonte, beide Brüder hätten bei Verhören durch die Polizei mehrfach ihre Unschuld beteuert. „Sie sind gläubige Muslime, aber sie sagen, dass sie Gewalt und Terrorismus aus Überzeugung ablehnen.“ Ein Richter erlaubte der Polizei, die beiden Terrorverdächtigen zunächst bis Mittwoch festzuhalten.

Scotland Yard hat bisher lediglich bestätigt, dass der 23-Jährige eine Schusswunde erlitten hat, jedoch nicht gesagt, wer den Schuss abfeuerte. Die Polizei verwies auf noch laufende Ermittlungen. Der Chef der Anti-Terror-Spezialeinheit von Scotland Yard, Peter Clarke, hatte am Freitag erklärt, der Polizeieinsatz sei auf Grund glaubwürdiger konkreter Hinweise auf eine erhebliche Gefahr erfolgt. Seitdem gab es dazu bis Sonntagnachmittag keine Behördenangaben mehr.

Die „Times“ berichtete unter Berufung auf Geheimdienstkreise, die Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag mit Hilfe einer so genannten schmutzigen Bombe habe ein Bekannter der beiden Männer aus Bangladesch geliefert. Der Informant habe angegeben, ein Gespräch der Verdächtigen belauscht zu haben. Dabei sei es darum gegangen, wie sie ein Behältnis mit Explosivstoffen füllen würden. Später seien Hinweise hinzugekommen, dass der Sprengkörper mit Zyanid umgeben werden sollte, wodurch im Falle einer Explosion eine „toxische Wolke“ über einem größeren Gebiet erzeugt worden wäre.

Untedessen haben Anti-Terror-Einheiten der britischen Polizei am Sonntag in einem Haus in London ihre Suche nach Hinweisen auf eine Bombe fortgesetzt. Aus Polizeikreisen verlautete, es werde weiter nach einer so genannten schmutzigen chemischen Bombe gesucht.

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