Anti-Terror-Ermittlung im Fall Litwinenko
Ex-Agent in Lebensgefahr

Die Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard hat nach dem mutmaßlichen Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Geheimagenten Alexander Litwinenko nun die Ermittlungen übernommen. Das teilte die Polizeibehörde am Montagabend in London mit.

HB LONDON/MOSKAU. Litwinenko wurde im Krankenhaus unter Polizeischutz gestellt. Zuvor war der Ex-Agent, dessen Alter von den britischen Behörden mit 41 Jahren angegeben wurde, auf die Intensivstation einer Londoner Universitätsklinik verlegt werden. Dort rang er weiter mit dem Tode. Der ehemalige Offizier des russischen Geheimdienstes FSB wurde vermutlich Anfang November bei Recherchen über die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja vergiftet.

Das University College Hospital, wo Litwinenko unter strenger Bewachung behandelt wird, bezeichnete seinen Zustand als „ernst“. Wegen einer „geringfügigen Verschlechterung“ sei der Ex-Agent in der Nacht vorsichtshalber auf die Intensivstation gebracht worden, teilte der Arzt Stephen Rowley mit. Vermutet wird, dass Litwinenko mit dem Schwermetall Thallium vergiftet wurde, das bereits in geringer Dosis tödlich wirkt. Seine Überlebenschancen wurden mit 50 Prozent angegeben.

Am Abend veröffentlichte die Klinik erste Fotos von Litwinenko auf dem Krankenbett. Darauf ist zu erkennen, dass er seine Haare verloren hat. Der Ex-Agent muss zudem künstlich ernährt werden. Nach Angaben aus seiner Familie braucht er vermutlich eine Knochenmark- Transplantation.

Litwinenko lebt zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn seit 2000 in London im Exil. Seit kurzem hat er auch auch die britische Staatsbürgerschaft. Der ehemalige FSB-Offizier hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Vorwürfe gegen seinen einstigen Arbeitgeber und dessen früheren Chef, den heutigen Präsidenten Wladimir Putin, erhoben. Aus seiner Umgebung wurden Verdächtigungen laut, der mutmaßliche Anschlag gehe ebenfalls auf das Konto des russischen Geheimdienstes.

Der Ex-Agent hatte sich am 1. November in einem japanischen Restaurant mit dem italienischen Geheimdienst-Experten Mario Scaramella getroffen, der ihm neue Dokumente zu dem Mord an Politkowskaja in Aussicht gestellt haben soll. Zuvor soll er nach Informationen der „Times“ (Montag) Kontakt zu einem Russen gehabt haben. Wenige Stunden später bekam er große Schmerzen und musste in die Klinik.

Scotland Yard bestätigte, dass wegen des Verdachts eines Giftanschlags ermittelt werde. Das britische Außenministerium erklärte, den Ausgang der Ermittlungen abwarten zu wollen. In Russland gab es von FSB oder Regierung keine Stellungnahmen. Der russische Auslandsgeheimdienst SWR bestritt jede Verwicklung in den Fall und vermutete die Täter in der Umgebung Litwinenkos.

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