Anti-Terror-Kampf: Luftfahrt sehnt sich vergebens nach Ruhe

Anti-Terror-Kampf
Luftfahrt sehnt sich vergebens nach Ruhe

Passagierflugzeuge in Begleitung von US-Kampfjets; abgesagte oder auf halber Strecke zurückbeorderte Transatlantikflüge; Ermittler, die Fluggäste vor ihrer Einreise in die USA wie Kriminelle verhören: Die weltweite Luftfahrt – geschwächt nach zwei verlustreichen Krisenjahren – kann derzeit alles gebrauchen, nur nicht diese Schlagzeilen

DÜSSELDORF. „Die Auswirkungen auf das Vertrauen der Passagiere in die Luftfahrt sind verheerend“, sagt ein Mitarbeiter des US-Konzerns Boeing dem Handelsblatt. Wie viele Europäer hält auch er die jüngsten Maßnahmen des US-Heimatschutzministeriums für „deutlich überzogen“.

Dabei sind die unmittelbaren Folgen des Terroralarms kaum der Rede wert: „Unser Flugbetrieb läuft ganz normal“, heißt es offiziell bei der Lufthansa. Darüber hinaus aber hält sich das Unternehmen bedeckt – weil alle Airliner wissen, dass jede Diskussion um Terrorwarnungen und immer neue Sicherheitsrichtlinien das Geschäft schädigt. British Airways und Air France können ein Lied davon singen: Beide Airlines hatten in der Vorwoche auf Druck der US-Behörden aus Sicherheitsgründen Flüge stornieren müssen.

Die Fluglinien geben dem Druck nach aus Sorge, sonst ihre Streckenrechte in den USA zu verlieren: So erhalten die US-Behörden inzwischen Einblick in die Buchungssysteme nahezu aller großen Flugunternehmen, auf manchen Strecken werden zudem Sicherheitsbeamte an Bord mitgeführt: „Bei uns ist auf jedem Flug mit Sky-Marshalls zu rechnen“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Alle Airlines, die über den Transatlantik fliegen, mussten darüber hinaus in verstärkte und schussfeste Cockpittüren investieren, die keinem Fremden mehr Zugang gewähren. Der Kostenfaktor für derlei Maßnahmen ist erheblich: „Allein die Kosten für Flugversicherungen haben sich seit dem 11.September 2001 mehr als verzehnfacht“, sagt der Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbands, Klaus Laepple.

Während Airlines über diese zusätzlichen Lasten klagen, profitieren Firmen wie die Smiths Group zusehends vom Geschäft mit der Angst: Der britische Mischkonzern steigerte 2003 den Umsatz seiner so genannten Detection-Sparte um üppige 125 Prozent auf 390 Mill. Euro. Der Gewinn in diesem Bereich kletterte gar um 145 Prozent. Als Grund nennt die Firma einen deutlichen Nachfrageschub bei Sicherheitsmaßnahmen sowie die Übernahme der früheren Rheinmetall-Tochter Heimann Systems. Die Wiesbadener Firma ist weltweit größter Anbieter von Röntgengeräten für Fluggepäck und Containerfracht.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%