Anti-Terror-Kampf
USA nehmen weitere Al-Kaida-Anführer ins Visier

Die Tötung des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden war erst der Anfang: Die USA wollen jetzt zum endgültigen Schlag gegen das Islamisten-Netzwerk in Pakistan und Afghanistan ausholen.
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Washington/IslamabadDer Einsatz gegen Bin Laden sei nur der erste einer ganzen Reihe von Angriffen auf führende Al-Kaida-Mitglieder gewesen, sagte der Berater für Terrorismusbekämpfung von US-Präsident Barack Obama, John Brennan, am Dienstag. Jetzt solle die gesamte Organisation zerstört werden. Bin Laden war den Angaben zufolge unbewaffnet, als sein Haus in Pakistan erstürmt wurde. Er habe vor seiner Tötung aber Widerstand geleistet, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. In den USA wuchs unterdessen der Unmut darüber, dass Bin Laden offenkundig jahrelang unbehelligt in Pakistan leben konnte. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari ging nicht direkt auf das kaum verhohlene Misstrauen ein, sondern beschwor die Partnerschaft mit den USA im Kampf gegen den Terrorismus.

Der US-Generalstaatsanwalt Eric Holder erklärte, der Kampf gegen den Terrorismus sei weit davon entfernt vorbei zu sein, und warnte vor Vergeltungsanschlägen der Al-Kaida. "Wir müssen wachsamer als je zu vor sein", forderte auch der britische Premierminister David Cameron. Dennoch bezeichnete Brennan die Al-Kaida als geschwächt: "Wir haben die Organisation geschädigt, ihre Reaktionsmöglichkeiten eingeschränkt und es ihr viel schwerer gemacht, innerhalb und außerhalb Pakistans zu agieren." Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des US-Senats, John Kerry, hatte zuvor erklärt, durch Drohnen-Angriffe in den pakistanischen Stammesgebieten seien zuletzt 17 Al-Kaida-Kommandanten getötet worden.

Brennan äußerte zudem indirekt Kritik an Pakistan: Es sei unvorstellbar, dass Bin Laden sich nicht auf eine systematische Hilfe in dem Land stützen konnte. Nach jüngsten Informationen habe der meistgesuchte Mann der Welt fünf bis sechs Jahre in dem Anwesen in der Garnisonsstadt Abbottabad gelebt. Es gebe aber bislang keinen Hinweis darauf, dass der 54-Jährige von pakistanischen Behörden gedeckt worden sei. Der US-Beauftragte für Afghanistan und Pakistan, Marc Grossman, rief dazu auf, von gegenseitigen Vorwürfe abzulassen und nach vorne zu schauen. Brennan kündigte aber an, die USA würden untersuchen, wie es Bin Laden möglich gewesen sei, so lange in Pakistan zu leben.

Auch Mitglieder des US-Kongresses pochten auf Aufklärung und stellten die US-Finanzhilfe für Pakistan infrage, die sich seit den Angriffen vom 11. September 2001 auf etwa 20 Milliarden Dollar belaufen. Viele Abgeordnete hätten ein Problem damit, ein Land zu unterstützen, das sich nicht mit ganzer Kraft einbringe, erklärte die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Dianne Feinstein.

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  • Die Gesellschaft hat das Recht für sie gefährliche Individuen zu eliminieren.
    Ein tollwütiger Fuchs, ein streunender Bär wird ohne grosses Nachdenken unschädlich gemacht.
    Nicht aus Rache, sondern um künftige Attacken auszuschliessen. Lassen Sie die Mücke in Ihrem Schlafzimmer leben? Sicher nicht!
    Bin Laden war eine potentielle Bedrohung, sein Tod wird einige zum Nachdenken bringen, ein erwünschter Effekt.
    Ich gebe zu, dass es problematisch ist die Feststellung zu treffen wer gefährlich ist und wem das Recht dazu zusteht.
    Im Fall Bin Laden habe ich keine Probleme mit der Handlungsweise der amerikanische Regierung.

  • Werte Amerikaner vollkommen richtig gehandelt weder wird verhandelt noch gibt es einen Kompromis. Wird man ihnen habhaft gibt es nur eine klare Handlung. Ich freue mich das der seine Hinterhältigkeit bezahlt hat. Vor ordentlichen Gegnern und Opfern verneige ich mich.

  • Soso, da hat also ein Bewohner des von fremdländischen Horden überfallenen Hauses Widerstand geleistet. Dafür wurde er dann natürlich waidmännisch korrekt erlegt und zwecks Beweissicherung auf den Grund des Ozeans verklappt. Klarer Fall von "selber schuld".

    Offenbar müssen wir uns daran gewöhnen, daß ein Land dieser Erde sich Rechte herausnimmt, die es anderen (eigentlich ebenfalls souveränen Staaten) verweigert. Z. B. in beliebige Gebiete dieser Erde einzudringen und ohne Gerichtsurteil und auf bloßen Verdacht hin Leute zu exekutieren. Es wäre an der Zeit, mal Gleiches mit Gleichem zu vergelten.

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