Anti-Wall-Street-Demos
"Ihr verzockt unsere Zukunft"

Jetzt gehen auch in Frankfurt und anderen deutschen Städten die Menschen auf die Straße und demonstrieren gegen die Macht der Banken. Sie folgen damit dem Aufruf zu weltweiten Protesten - und finden Unterstützer in der Politik.
  • 37

Frankfurt/Berlin/NEW YORKRund 1000 Finanzmarktkritiker haben am Samstagmittag in Frankfurt ihren Protest gegen die Banken-Macht gestartet. Mit Plakat-Parolen wie „Ihr spekuliert mit unserem Leben“ oder „Ihr verzockt unsere Zukunft“ machten sie ihrem Unmut über Exzesse des Kapitalismus Luft. Die Demonstranten wollten zum Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) ziehen. Die Frankfurter Polizei sprach von 1000 Teilnehmern zum Auftakt.

In dutzenden weiterer Städte in Deutschland gingen Menschen auf die Straße. Die Demonstranten bekommen weitere Unterstützung aus der Politik. Der Linken-Vorstand verabschiedete am Samstag in Berlin
eine Resolution, in der die Proteste nach dem Vorbild der „Occupy Wall Street!“-Bewegung als dringend geboten begrüßt werden. Die milliardenschweren Rettungsschirme nützten in Wahrheit den Krisenverursachern, nämlich Großbanken und Finanzfonds, hieß es in der Resolution. „Zahlen sollen dafür in ganz Europa die Beschäftigten, die Erwerbslosen und Rentner, letztlich die Steuerzahler.“ Notwendig sei vielmehr ein
„Schutzschirm für Löhne, Renten und Sozialleistungen“.

Der stellvertretende Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, erklärte, der weltweite Protest müsse in praxistaugliche Konzepte umgesetzt werden. Die SPD habe Pläne zur Regulierung der Finanzmärkte und gegen die wachsende gesellschaftliche Ungleichheit ein gerechtes Steuer- und Finanzkonzept erarbeitet.

Nach dem Vorbild der US-Bewegung Occupy Wall Street sind am Samstag auch in zahlreichen anderen Ländern Demonstranten gegen die Macht der Banken und das Finanzsystem auf die Straße gegangen. In der australischen Metropole Sydney schwenkten Aktivisten Plakate mit Aufschriften wie „Geld kann man nicht essen“. In Tokio schlossen sich rund 200 Menschen einem Protest an, in der philippinischen Hauptstadt Manila zogen Demonstranten vor die US-Botschaft. In Südkorea wollten Aktivisten ins Finanzviertel von Seoul ziehen.

Auch in in weiteren Städten Europas waren Aktionen geplant. In Berlin wollen die Aktivisten vom Roten Rathaus zum Kanzleramt marschieren. In Großbritannien kündigten Aktivisten an, die Londoner Stock Exchange besetzen zu wollen. Die italienische Hauptstadt Rom wappnete sich ebenfalls für massive Proteste.

In Kanada sind für Samstag in Städten wie Montreal und Vancouver Protestkundgebungen geplant, in Toronto wollten Demonstranten vor der Börse zusammenkommen.

Anhänger von Occupy Wall Street störten am Freitag eine Rede von Medienmogul Rupert Murdoch mit Zwischenrufen. Der Chef des Medienkonzerns News Corp. sprach bei einem Bildungskongress in San Francisco über die Rolle der Technologie bei der Verbesserung des staatlichen Schulsystems. Dabei warfen Kapitalismus-Kritiker Murdoch wiederholt lautstark vor, aus dem Bildungssystem Profit schlagen zu wollen. Murdoch zeigte sich von den Zwischenrufen unbeeindruckt.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Anti-Wall-Street-Demos: "Ihr verzockt unsere Zukunft""

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • .. bitte?? was lese ich hier ... nach dem Vorbild der WallStreat-Besetzer ... ? Für wie doof haltet ihr uns eigentlich?
    Das folgende Video beispielsweise ist inzwischen 5 Monate alt. http://www.youtube.com/watch v=l2QGuLhIE1o&feature=related (... wie bitte kann das sein, waren diese Ereignisse doch 4 Monate nach Hochladen)

    Und, liebe Damen und Herren Redakteure, auch wenn es Euch nicht passt, wir waren bedeutend mehr als 1000 Hanseln in Frankfurt. Aber genaue Recherchen oder aber die Wahrheit passt Eueren Brötchengebern wohl nicht in den Kram?

    Das Sprichwort gilt wohl nachwievor, insbesondere in einem Blatt wie diesem hier: WES BROT ICH ESS, DES LIED ICH SING.

    Und noch was: ich bin gestern unter anderem auf der Straße gewesen, weil ich was gegen eine von der Politik oder der Finanz- und Bankwirtschaft indoktrinierte Berichterstattung habe.

    Guten Appetit

  • >>Die Kreditwirtschaft fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Nicht die Banken sind nach Auffassung der Branche für die gegenwärtige Krise verantwortlich, sondern die überschuldeten Staaten. <<

    Es war die Kreditwirtschaft, die den Staaten Mittel zur verfügung stellten, die erst ermöglichten, dass sich die Staaten so weit verschuldet haben.
    Und dabei haben die Kreditinstitute die möglichen Risiken entweder völlig falsch eingeschaätzt, oder schlicht ignoriert!

  • @ deltaone selten so einen Schrott gelesen ob Kapitalist oder deine Lesermeinung kann man ruhig übergehen sie zeugen von unfähigkeit im denken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%