Antichinesische Proteste in Lhasa
Ausschreitungen in Tibet eskalieren

Die Protestaktionen gegen die chinesische Herrschaft in Tibet dauern an: In Lhasa demonstrierten am Freitag mehrere hundert Menschen gegen das Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte gegen buddhistische Klöster. Mönche sind im Hungerstreik und China will den Mount Everest sperren lassen.

HB PEKING. Die größten antichinesischen Proteste in Tibet seit fast zwei Jahrzehnten sind am Freitag in Lhasa in gewalttätige Ausschreitungen eskaliert. Mehrere Geschäfte gingen in der Altstadt um den Jokhang-Tempel in Flammen auf, wie staatliche chinesische Medien berichteten. Augenzeugen berichteten, aufgebrachte Tibeter hätten Polizisten und Feuerwehrleute attackiert sowie Polizei- und Feuerwehrwagen umgestürzt und in Brand gesteckt. Peking ersuchte unterdessen die nepalesische Regierung, Klettertouren auf den Mount Everest bis zum 10. Mai zu verbieten.

Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua sprach von Verletzten. Gerüchte über möglicherweise drei Tote, die in Lhasa die Runde machten, konnten vorerst nicht bestätigt werden. Der Flughafen von Lhasa wurde nach Angaben von Reisenden unter Militärkontrolle gestellt worden. Es könnten keine Flugtickets gekauft werden, um Tibet zu verlassen, obwohl nicht alle Sitze in Maschinen ausgebucht seien, berichtete eine Reisende.

Die Ausschreitungen sind der vorläufige Höhepunkt der antichinesischen Proteste, die buddhistische Mönche am Montag, dem Jahrestag des 1949 niedergeschlagenen Aufstandes gegen die chinesischen Besatzer, begonnen hatten. Mönche traten in den Hungerstreik. Mehrere Klöster wurden von Soldaten abgeriegelt. Aus Protest schnitten sich zwei Mönche in Lhasa bei einem Selbstmordversuch die Pulsadern auf, wie der US-Radiosender Radio Free Asia (RFA) berichtete. Die beiden seien in „kritischem Zustand“.

Von der chinesischen Seite sind Besteigungen des höchsten Berges der Erde bereits bis dahin verboten - offiziell aus Umweltschutzgründen. Als wahrer Grund wird aber die Absicht Pekings vermutet, die Fackel mit dem olympischen Feuer auch auf den Mount Everest tragen zu lassen - und tibetische Proteste bei diesem Ereignis von vornherein zu verhindern. In Nepal leben viele Exiltibeter.

In der tibetischen Hauptstadt Lhasa haben nach Angaben von Augenzeugen tausende Sicherheitskräfte buddhistischen Klöster umstellt, nachdem Mönche am Montag - dem Jahrestag des gescheiterten Aufstands gegen Peking 1959 - Protestaktionen begonnen hatten. Es ist sehr schwer, angesichts der strikten chinesischen Kontrolle unabhängige Informationen aus Tibet zu bekommen.

RFE und die Internationale Kampagne für Tibet (ICT) haben ein Kontakte-Netzwerk aufgebaut. Journalisten bekommen selten eine Reiseerlaubnis in die Region, die China als historischen Teil seines Gebiets betrachtet. Tibeter sagen dagegen, ihre Himalaya-Region sei jahrhundertelang praktisch unabhängig gewesen. China versuche, die tibetische Kultur durch die Ansiedlung von Han-Chinesen zu zerstören.

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