Antrag auf Verlegung abgelehnt
Kofferbomber können nicht auf Milde hoffen

Der Prozess wegen der fehlgeschlagenen Kofferbomben-Anschläge auf deutsche Regionalzüge in der libanesischen Hauptstadt Beirut fortgesetzt. Die Angeklagten hatten beantragt, die Verhandlung in die nördlich gelegene Tripoli zu verlegen – Begründung: Ihre Angehörigen lebten in der Nähe Hafenstadt. Justizkreise vermuten dagegen ein taktisches Manöver der Verteidigung.

HB BEIRUT. Der Richter wies einen Antrag zurück, die Verhandlung in die nördliche Hafenstadt Tripoli zu verlegen, in deren Umgebung die Familien der Beschuldigten leben. Justizbeamte begründeten den Beschluss des Richters mit Sicherheitsbedenken. Die Angeklagten Jihad Hamad, Ayman Hawa, Khalil al Boubou und Khaled Khair Eddin El Hajdib, die in Handschellen vorgeführt wurden, sind in einem Hochsicherheitsgefängnis bei Beirut inhaftiert. Die Verteidigung kündigte Einspruch an.

Nach der Entscheidung vertagte sich das Gericht am Mittwoch nach nur zehn Minuten auf den 10. Mai. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Anwalt des Hauptangeklagten Jihad Hamad Zeit, um bei einer Berufungskammer die Verlegung des Prozesses nach Tripoli zu beantragen.

Der Hauptverdächtige Hamad hatte nach Justizangaben bei früheren Vernehmungen ein Geständnis abgelegt und als Tatmotiv Rache für die Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen angegeben. Ziel sei es nicht gewesen, Menschen zu töten, sondern den Islam zu verteidigen.

Dagegen bezeichnete der Verteidiger Hawas seinen Mandanten am Mittwoch als gemäßigten Muslim, der noch nie ins Ausland gereist sei und nicht einmal einen Pass besitze. „Man muss zwischen Hingabe, Fanatismus und Terrorismus unterscheiden“, sagte der Anwalt Munir Husseini vor dem Gerichtsgebäude.

In dem Prozess geht es um zwei Kofferbomben, die am 31. Juli vergangenen Jahres in zwei Regionalzügen von Köln nach Hamm und Koblenz entdeckt wurden. Als Hauptverdächtiger gilt neben Hamad der in Deutschland inhaftierte Youssef Mohamed El Hajdib, der Bruder eines der Angeklagten in Beirut. Beiden wird vorgeworfen, die Bomben im Kölner Hauptbahnhof in die Züge zwei deponiert zu haben. Nur wegen eines technischen Fehlers kam es nicht zur Explosion.

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