Antwort auf EU-Sanktionen Russland will Wirtschaftsembargo verlängern

Wie du mir, so ich dir: Nachdem sich die EU-Staaten auf eine Verlängerung der Russland-Sanktionen geeinigt haben, kündigt die russische Regierung nun ebenfalls an, das Handelsembargo gegen den Westen zu verlängern.
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Der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew kündigte an, das Handelsembargo gegen den Westen auf Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse zu verlängern. Quelle: dpa
Wie du mir, so ich dir

Der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew kündigte an, das Handelsembargo gegen den Westen auf Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse zu verlängern.

(Foto: dpa)

MoskauDas wirtschaftspolitische Kräftemessen zwischen Russland und dem Westen wegen der Ukraine-Krise geht in die nächste Runde. Die Verlängerung der Sanktionen durch die EU-Staaten werde eine Verlängerung des russischen Embargos für landwirtschaftliche Produkte aus der EU nach sich ziehen, kündigte der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew am Donnerstag an. Uljukajew sprach gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti von einer „symmetrischen“ Antwort.

Die EU-Staaten verständigten sich am Mittwoch auf eine Verlängerung der in der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten Sanktionen. Die Botschafter der 28 EU-Mitglieder einigten sich, die Strafmaßnahmen bis Ende Januar 2016 zu verlängern. Der Beschluss soll am Montag bei einem Außenministertreffen förmlich bestätigt werden.

Vom russischen Embargo sind Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse aus Australien, Kanada, der EU, Norwegen und den USA betroffen. Auf die Frage, ob eine Ausweitung des russischen Embargos auf andere Wirtschaftsbereiche bevorstehen könnte, sagte Uljukajew, dies sei „unwahrscheinlich“.

Die EU hatte Protagonisten der Ukraine-Krise zunächst mit Reise- und Vermögenssperren belegt. Der mutmaßliche Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 im Juli 2014 löste eine deutliche Verschärfung der Sanktionen aus. Die EU verhängte Ende Juli 2014 erstmals Wirtschaftssanktionen, die dann im September nochmals verschärft wurden. Sie richten sich unter anderem gegen russische Staatsbanken, den Im- und Export von Rüstungsgütern sowie die russische Öl- und Gasindustrie.

Ungeachtet der politischen Spannungen zwischen dem Westen und Russland, zu denen auch der angekündigte Ausbau des russischen Atomwaffenarsenals beiträgt, bemüht sich die russische Führung um eine Belebung der Wirtschaftskontakte.

In St. Petersburg begann am Mittwoch das alljährliche Wirtschaftsforum, zu dem mehr als 1700 Unternehmenschefs aus 64 Ländern eingeladen waren. Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow trat der Annahme entgegen, sein Land werde sich wegen der Spannungen mit dem Westen verstärkt dem asiatischen Raum zuwenden. „Wir wollen uns nicht dem Osten zuwenden, wir wollen ebenso gut mit dem Osten wie mit dem Westen Handel treiben“, sagte Schuwalow.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

Die russische Regierung wies wiederholt darauf hin, dass die westlichen Sanktionen kein wirtschaftliches Chaos herbeigeführt hätten. Die Wirtschaftsleistung Russlands dürfte allerdings in diesem Jahr um gut drei Prozent schrumpfen. Der Wert der Landeswährung Rubel fiel im Jahr 2014 um rund 40 Prozent, derzeit hat sich der Kurs weitgehend stabilisiert.

Am Petersburger Wirtschaftsforum nimmt auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras teil. Für Freitag wurde eine Begegnung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigt.

  • afp
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1 Kommentar zu "Antwort auf EU-Sanktionen: Russland will Wirtschaftsembargo verlängern"

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  • Mein Gott, so war es doch auch nicht gedacht!

    Was das Embargo der EU angeht, so ist das doch gar nicht so schlimm. Die USA springen doch ein.

    Zugegeben den deutschen und österreichischen Firmen sind die Aufträge weggebrochen, aber andere Staaten sind kaum betroffen. Was Deutschland anbetrifft sind die Maschinenbauer, deren Jobs bedroht sind, dann als Spargelstecher oder bei der Kartoffelernte einzusetzen. Job und Einkommen fallen zwar weg, aber arbeiten können die Leute trotzdem.

    Das, was sich in Brüssel abspielt, ist das Spiel mit den Job, mit den Einkommen anderer. Das kann nicht gut gehen.

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