Antwort auf Raketenbeschuss
Israelische Luftwaffe greift im Gazastreifen an

Israel hat 26 palästinensische Langzeithäftlinge freigelassen – eigentlich ein positives Signal vor neuen Friedensgesprächen. Wäre da nicht der Streit um weitere Siedlungsbauprojekte und ein nächtlicher Raketenangriff.

Tel Aviv/GazaNach einem Raketenangriff militanter Palästinenser auf die Grenzstadt Sderot hat die israelische Luftwaffe in der Nacht zu Mittwoch Ziele im Gazastreifen angegriffen. Es seien verdeckte Abschussrampen im Norden des Palästinensergebiets beschossen worden, hieß es in einer Mitteilung der Armee. Man habe damit auf einen Raketenangriff militanter Palästinenser auf israelische Zivilisten im Grenzgebiet reagiert, sagte Armeesprecher Peter Lerner. „Dies ist eine absurde Situation, die man nirgendwo anders auf der Welt hinnehmen würde.“ Es gab keine Berichte über mögliche Opfer.

Die Luftangriffe wurden vor dem offiziellen Beginn der Nahost-Friedensgespräche geflogen. An diesem Mittwoch wollen Israel und die im Westjordanland herrschende PLO in Jerusalem offiziell ihre Friedensverhandlungen aufnehmen, nachdem es vor zwei Wochen bereits vorbereitende Gespräche in Washington gegeben hatte.

Als Zeichen des guten Willens hatte Israel in der Nacht 26 palästinensische Langzeithäftlinge freigelassen. Elf von ihnen passierten in der Nacht zum Mittwoch den Beitunia-Kontrollpunkt in das Westjordanland. 15 weitere folgten wurden wenig später über den Eres-Kontrollpunkt in den Gazastreifen gebracht. An beiden Übergängen wurden die Häftlinge von hunderten von Menschen jubelnd in Empfang genommen.

In Ramallah empfing Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Freigelassenen. „Wir begrüßen unsere Brüder, die die Dunkelheit der Gefängnisse in Richtung des Lichts der Freiheit verlassen haben“, sagte er. Zugleich äußerte er seine Hoffnung auf die baldige Freilassung weiterer Häftlinge, wie regionale Medien berichteten. „Wir werden nicht ruhen, bis alle bei uns sind.“ Abbas hatte die schrittweise Freilassung von insgesamt 104 Langzeithäftlingen als Bedingung für neue Gespräche gefordert.

Mehrere Fahrzeuge mit den Häftlingen waren am Abend aus dem Ajalon-Gefängnis in der Nähe von Tel Aviv aufgebrochen. Israels Höchstes Gericht hatte zuvor eine Klage von Familien der Terroropfer abgewiesen und damit den Weg für die Freilassung der Häftlinge freigemacht.

Die Häftlinge, die alle wegen Mordes oder Beihilfe zum Mord verurteilt worden waren, wurden erstmals in Fahrzeugen mit abgedunkelten Fenstern transportiert. Damit wollte Israel verhindern, dass die Palästinenser auf dem Weg in die Freiheit auftrumpfen und wie bei früheren Tauschhandeln im Fenster mit den Fingern Siegeszeichen machen. Wütende jüdische Demonstranten riefen „Tod den Arabern“, als die Fahrzeugkolonne an ihnen vorbeifuhr.

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