Antwort auf Sparmaßnahmen
Griechen überziehen das Land mit Streiks

Randale gegen die drastischen Sparpläne der Regierung: Hunderttausende Arbeitnehmer sind in Griechenland in den Streik getreten. Betroffen ist vor allem der staatliche Sektor. Das öffentliche Leben ist lahmgelegt.
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AthenDie griechischen Gewerkschaften machen mit einem Generalstreik und einer Großdemonstration gegen die Sparpläne der Regierung mobil und legen weite Teile des öffentlichen Lebens lahm. Zug- und Fährverbindungen wurden ausgesetzt, der Flugverkehr solle am Nachmittag für vier Stunden stillstehen. In Athen startete um 10 Uhr der erste Protestmarsch und es sind weitere Großdemonstrationen im Zentrum der Hauptstadt geplant. Dabei kam es in der Vergangenheit häufig zu Ausschreitungen. Gleichzeitig begannen die Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs mit einer Serie von mehrstündigen Arbeitsniederlegungen.

Organisiert wird der 24-stündige Generalstreik vom größten Gewerkschaftsverband GSEE und der wichtigsten Beamtengewerkschaft ADEDY. Das hoch verschuldete Griechenland ist im vergangenen Jahr nur knapp dem Staatsbankrott entgangen und hat umfangreiche Finanzhilfen von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten - 110 Milliarden Euro. Wie am Dienstag bekannt wurde, soll Griechenland nun noch ein weiteres Hilfspaket im Umfang von bis zu 60 Milliarden Euro erhalten. Dafür musste sich die sozialistische Regierung in Athen verpflichten, noch härtere Auflagen als bisher zu erfüllen.

Das extreme Sparprogramm sieht unter anderem Pensions- und Gehaltskürzungen, Steuererhöhungen und die Anhebung des Renteneintrittsalters vor. Die Maßnahmen haben in den vergangenen Monaten zu zahlreichen Streiks in allen Branchen geführt.

Die jüngste Protestaktion richtet sich gegen eine weitere Sparrunde im Umfang von etwa 23 Milliarden Euro, über die das Parlament in diesem Monat abstimmen will. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des privaten Fernsehsenders Mega TV äußerten sich 71 Prozent der Griechen unzufrieden über den Umgang der Regierung mit der Wirtschaftskrise.

Griechenland hat zugesagt, sein Defizit von 15,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2009 bis 2014 unter die für den Euro-Raum festgelegte Drei-Prozent-Marke zu drücken. Allerdings kämpft das Land insbesondere bei der Erzielung von Einnahmen mit Problemen und ist bereits von einigen seiner Ziele abgewichen, die in Verbindung mit dem Hilfspaket vereinbart wurden. Möglicherweise braucht das Land weitere Finanzhilfen.

Eine Rückkehr zur eigenständigen Finanzierung an den Kapitalmärkten scheint derzeit unmöglich. Auch verläuft die Verringerung des Haushaltdefizits schleppend. Hintergrund seien Steuerausfälle infolge der schweren Rezession. In einem dramatischen Appell wandten sich der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias und Ministerpräsident Giorgos Papandreou über das Fernsehen ans griechische Volk. Die gesamte Nation müsse mobil machen. "Anders geht es nicht", sagte Papoulias. Papandreou verurteilte erneut die Spekulationen über einen möglichen Abschied der Griechen vom Euro. "Unsere Antwort muss sein: Beständigkeit, Entschlossenheit und die Ruhe bewahren." Seine Regierung werde unabhängig von politischen Kosten die nötigen Reformen umsetzen.

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  • Die Griechen machen es vor, wie es in der EUDSSR funktioniert. Wer am lautesten schreit und Randale veranstaltet bekommt das Geld und die ruhigen Dummköpfe können zahlen. Wir können von die Griechen noch viel lernen.

  • Na da wär doch mal ein Grundeinkommen ne Alternative :) keine Bürokratie, keine Rentenfragen, keine Einkommenssteuern, keine Politikquerelen, keine Subventionen usw. usw.. Stattdessen Selbstverantwortung, freie Märkte und soziale Absicherung, Gleichheit bei Chancen, Gesundheit, Altersvorsorge u Besteuerung, Bewusster Umgang mit Konsum, höhere Arbeitsmotivation dank Steuerfreiheit, privates Engagement und Deckelung der Sozialausgaben.

    Also ihr Griechen... seht zu.

  • Die Großen lässt man laufen und die Kleinen hängt man.
    So läuft das zukünftig nicht mehr, Freunde der Sonne.
    Also macht euch auf etwas gefasst, wenn sich die bisher noch schweigende Masse erhebt und euch Kapitalverbrecher und Bonzen zum Teufel jagt!

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