Anwältin befangen
Prozess gegen Angreifer von Mumbai vertagt

Im indischen Mumbai ist am Mittwoch der Prozess gegen den einzigen überlebenden Attentäter der Anschläge vom November des vergangenen Jahres vertagt worden. Bei den Angriffen waren rund 170 Menschen getötet worden.

HB NEU DELHI. Der Prozess musste am Mittwoch kurz nach Beginn vertagt werden, nachdem das Sondergericht in der westindischen Finanzmetropole, dem frühen Bombay, die Pflichtverteidigerin des Angeklagten Ajmal Amir Kasabs wegen eines Interessenkonflikts absetzte. Anwältin Anjali Waghmare hatte zuvor nicht offengelegt, dass sie neben dem pakistanischen Angeklagten noch ein Opfer der Angriffe vom vergangenen November bei dessen Schadensersatzforderung vertritt.

Der Angeklagte Kasab saß barfuß auf der Anklagebank und warf verstohlene Blicke auf die versammelten Medienvertreter. Er lächelte und lachte bisweilen laut auf. Im Februar war offiziell Anklage gegen den aus Pakistan stammenden Kasab wegen „Führung eines Krieges“ gegen Indien erhoben worden. Er hatte zusammen mit anderen Angreifern Hotels und andere Einrichtungen in Mumbai überfallen, Geiseln genommen und zahlreiche Menschen getötet oder verletzt.

Der 21-jährige Kasab, der der Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba angehören soll, habe unterdessen erneut nach einem Anwalt aus Pakistan verlangt, meldete der Nachrichtensender NDTV. Staatsanwalt Ujjwal Nikam sagte, Pakistan habe auf eine frühere Forderung Kasabs nach einem Anwalt aus seiner Heimat nicht reagiert. Das Gericht werde die erneute Bitte aber umgehend über diplomatische Kanäle nach Islamabad weiterleiten. Sollte Pakistan bis zu diesem Donnerstag nicht antworten, werde das Gericht einen neuen Pflichtverteidiger benennen. Er selber hoffe, am Freitag die Anklage verlesen zu können. Richter M. L. Tahiliyani betonte, Kasab sei ein Ausländer ohne Angehörige in Indien. Das Gericht sei verpflichtet, ihm einen Verteidiger zu stellen und ein gerechtes Verfahren zu bieten.

Indien macht seinen Erzfeind Pakistan für den Überfall mitverantwortlich. Es wirft den Behörden des Nachbarlandes vor, islamische Extremisten zu unterstützen oder zumindest zu dulden.

Insgesamt wurde im Zusammenhang mit dem Überfall Klage gegen 38 Personen erhoben. Die 11 000 Seiten umfassende Klageschrift nennt mehr als 2200 Zeugen sowie Indizien, die die US-Bundespolizei FBI geliefert hat. Sie hatte den indischen Behörden bei den Ermittlungen geholfen.

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