Anwalt sieht darin den Versuch, Druck auf das Gericht auszuüben
Neue Anschuldigungen gegen Chodorkowski

Kurz vor der Urteilsverkündung gegen den russischen Ölbaron Michail Chodorkowski hat die Justiz neue Vorwürfe von Diebstahl und Geldwäsche in Höhe von 6 Mrd. $ (4,7 Mrd. €) erhoben.

HB MOSKAU. Die neue Klage gegen Chodorkowski, den früheren Besitzer des Ölkonzerns Yukos, und seinen Kompagnon Platon Lebedjew werde in Kürze eingereicht. Das sagte die Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft, Natalja Wischnjakowa, am Freitag in Moskau. Im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen wurde auch ein weiterer Haftbefehl gegen den jetzigen Yukos-Mehrheitseigner Leonid Newslin erlassen, der sich in Israel befindet.

Im laufenden Strafprozess gegen Chodorkowski und Lebedjew soll ein Moskauer Gericht am kommenden Montag das Urteil sprechen. Wegen der Anklagepunkte Betrug, Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung fordert die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe von zehn Jahren Lagerhaft für Chodorkowski. Dessen Anwalt Juri Schmidt verurteilte die neuen Vorwürfe als Versuch, Druck auf das Gericht auszuüben. Das Verfahren gegen Chodorkowski, den früher reichsten Mann Russlands, gilt als vom Kreml gesteuert. Die erste Termin für ein Urteil war Ende April ohne Angabe von Gründen auf den 16. Mai verschoben worden.

Auch die Anwälte des Angeklagten erklärten, sie rechneten mit einem Schuldspruch. Analysten gehen davon aus, dass Yukos von dem staatlichen Öl-Unternehmen Rosneft oder anderen regierungsnahen Firmen komplett übernommen wird.

Zu den neuen Vorwürfen erläuterte Justizsprecherin Wischnjakowa, Yukos-Händler hätten den ölfördernden Tochterfirmen ihre Produktion zu Dumping-Preisen abgekauft und zu Weltmarktpreisen weiterverkauft. Die Differenz sei auf Offshore-Konten deponiert und den Yukos-Chefs als Gratifikationen oder Honorare für angebliche Beratungsleistungen überwiesen worden.

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