Anzeichen für eine Lösung
In das Drama um Sahara-Geiseln könnte Bewegung kommen

In das Nerven aufreibende Tauziehen um die 15 verschleppten Sahara-Geiseln scheint nun Bewegung zu kommen. Erstmals seit Wochen mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Bemühungen um eine Lösung - zumindest ein Stück weit - vorankommen.

dpa ALGIER/PARIS. Doch nach den Monaten der falschen Spuren und Nachrichtensperren ist keineswegs sicher, dass in diesem Wüstendrama um zehn Deutsche, vier Schweizer und einen Niederländer jetzt die Zeit des Epilogs anbricht.

Auf allerhöchsten militärischen Befehl hin sollen die algerischen Sicherheitskräfte den Entführern der islamistischen Terrorgruppe GSPC tief im Süden eine Art Flucht-Korridor zu dem südwestlich gelegenen Nachbarn Mali geöffnet haben. Dort sind zehn Beamte aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. Sie haben, wie es Algeriens Presse nennt, in Bamako ein „Stabsquartier“ eingerichtet. Der Blitzbesuch des Berliner Außen-Staatssekretär Jürgen Chrobog Mitte vergangener Woche in Malis Hauptstadt hatte die Spekulationen wieder angeheizt.

Das algerische Militär dürfte wenig Gefallen an einer möglichen „politischen“ Lösung des Geisel-Dramas finden. In dem mehr als ein Jahrzehnt währenden Kampf gegen islamistische Terroristen, die oft Hand in Hand mit Schmugglern und Waffenschiebern arbeiten, haben sich die Soldaten in ihrem Alltag daran gewöhnt, den Gegner zu umzingeln und im günstigen Augenblick unbarmherzig zuzuschlagen. Sie machen im blutigen Normalfall keine Gefangenen. An Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika war aber nicht zuletzt von Berlin immer wieder der Wunsch herangetragen worden, eine Lösung ohne Blutvergießen durchzusetzen.

Eine gut ausgelegte Falle?

Dass die etwa 20 Entführer aus der Gegend von Illizi im Südosten Algeriens „Bewegungsspielraum“ angeboten bekommen könnten, wurde seit etlichen Wochen immer wieder gemutmaßt. Die Frage war nur, ob sie in das nahe gelegene Libyen des Muammar el Gaddafi oder lieber in das weit fernere Mali abziehen wollten. Nach algerischen Einschätzungen könnten sie den Norden Malis vorziehen, „weil ein guter Teil dieser Region ein wirkliches Niemandsland ist, das mehr schlecht als recht von den Sicherheitskräften kontrolliert werden kann“, schrieb Algiers Zeitung „El Watan“. Ein Schlupfloch also für alles Zwielichtige?

Wie ein Treck von 35 bis 40 Menschen die mehr als 1200 Kilometer von dem Tamelrik-Gebirge nach Mali in der mörderischen Gluthitze von 45 bis 50 Grad überhaupt zurücklegen kann, das erscheint allerdings etwas rätselhaft. Das gehe nur mit erheblichem Aufwand an Mitteln, so meinen Wüsten-Kenner. Vielleicht ist das alles aber auch nur eine gut ausgelegte Falle, auch für die Medien? Der algerische Innenminister Zerhouni jedenfalls will nichts davon wissen, dass die 15 Geiseln mit ihren Entführern bereits in Mali seien. Und er scheint weiterhin auf „Aussitzen“ aus zu sein: „Abwarten und Finger kreuzen.“ So sollen die Entführer mürbe gemacht werden, sagte er am Montag einem Journalisten.

Die Tuareg-Nomaden in dem Grenzgebiet von Südalgerien und Mali indessen sehen es vermutlich nicht so gern, dass ihre Region nach Zeiten sozialer Unruhe nun zur „Rampe für Terroraktivitäten“ erklärt werden könnte und die Aufmerksamkeit von Weltmedien auf sich zieht. Bleibt abzuwarten, wo der Schauplatz für eine Lösung dieses Dramas wirklich liegen wird - und wann sich endlich Gewissheit einstellt.

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