Appell an G20-Gipfel
Weltbank macht sich für ärmste Länder stark

Vor dem Weltfinanzgipfel der G20 hat die Weltbank mehr Unterstützung für die ärmsten Länder gefordert. Auch die Vereinten Nationen und der Internationale Währungsfonds (IWF) fürchten, dass die weltweite Finanzkrise zuletzt erzielte Erfolge bei der Armutsbekämpfung und der Entwicklungshilfe schnell wieder zunichte machen könnte.

HB LONDON. Weltbank-Chef Robert Zoellick rief die G20-Staaten zu einer gerechten Globalisierungspolitik auf. Voraussetzungen dafür seien ein möglichst ausgeglichenes Wachstum und die Stabilität des Finanzsystems, sagte Zoellick der „Financial Times“ in einem am Montag veröffentlichten Interview. Diese Rahmenbedingungen müssten mit einer offensiven Entwicklungspolitik und einem entschlossenen Vorgehen gegen den Klimawandel verknüpft werden.

Die große Herausforderung für den Weltfinanzgipfel der G20 in dieser Woche in Pittsburgh sei, die Zusammenarbeit und die gemeinsamen Ziele beizubehalten, die sich in der Zeit der Krise entwickelt hätten, sagte Zoellick. Es solle aber nicht nur um die Finanzmärkte und Managergehälter gehen. „Ich wünsche mir von der G20, dass sie über eine gerechte Globalisierung redet. Dazu gehören ein ausgeglichenes Wachstum, Finanzstabilität, Klimawandel und Hilfe für die Ärmsten.“ Zoellick warnte vor einer Zunahme des Protektionismus.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte die Geberländer, nicht die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2000 aus den Augen zu verlieren: Sie sehen vor, die Zahl der Armen und Hungernden bis 2015 zu halbieren. Die Uno erwarten allerdings, dass die Zahl der Menschen, die von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben müssen, 2009 zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder steigen dürfte - um 90 Mio. auf 1,15 Milliarden. Das Welternährungsprogramm warnte, dass die Zahl der Hungernden in diesem Jahr erstmalig auf über eine Milliarde steigen werde.

„Die Wirtschaftkrise könnte all die hart erkämpften Erfolge wieder umkehren“, schrieb Ban in einem vor kurzem veröffentlichten Entwicklungsreport der Uno. „Die Zeit wird knapp.“ Die Industriestaaten müssten ihre Versprechen einhalten und mehr Entwicklungshilfe zahlen. In der Krise hätten einige Länder ihre Hilfe sogar noch gekürzt. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hatte ebenfalls mehr Hilfen für die ärmsten Länder verlangt. In diesem und kommendem Jahr seien zusätzliche Mittel in Höhe von 55 Mrd. Dollar notwendig, sagte Strauss-Kahn vergangene Woche. Die weltweite Krise berge die Gefahr, dass sich die reicheren Länder auf ihre eigenen Probleme konzentrierten. Damit könnten Jahre des Fortschritts zunichte gemacht und die Demokratie in einigen der ärmsten Länder gefährdet werden.

Die USA wollen bei dem Treffen in Pittsburgh am Donnerstag und Freitag wirtschaftspolitische Rahmenvorschläge für „ein nachhaltiges und ausgeglichenes Wachstum“ vorlegen. Solange exportabhängige Staaten nicht mehr für ihre einheimische Nachfrage täten, sei der weltweite Aufschwung gefährdet, heißt es in einem Brief des G20-Beraters von US-Präsident Barack Obama, Michael Froman, an die Staatengruppe. Hier müsse ein stärkerer Ausgleich gefunden werden. Der Schwerpunkt des Treffens dürfte allerdings auf der Regulierung der Finanzmärkte als Konsequenz aus der Banken- und Kreditkrise liegen.

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