Appell im Fernsehen
Geisel-Mütter bitten Entführer um Gnade

Die Mütter der im Irak entführten Deutschen Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke haben in einem bewegenden Aufruf an die Geiselnehmer appelliert, ihre Söhne freizulassen. Die Entführer sollten „Barmherzigkeit und Gnade“ zeigen.

HB FRANKFURT. „Bitte lassen sie Thomas und René frei“, sagten die Frauen am Donnerstag in der ARD-“Tagesschau“. „Thomas und Rene sind ohne politischen Hintergrund in den Irak gereist. Sie hatten nie die Absicht, Ihrem Land zu schaden."

Die Videobotschaft soll nach ARD-Angaben am Abend im arabischen Fernsehsender Al-Dschasira ausgestrahlt werden, der auch die beiden Videos mit den Verschleppten gesendet hatte. Sie hätten die Entführten im Fernsehen gesehen, sagte eine der Mütter. „Wir haben große Angst um ihr Leben.“ Insbesondere die Frauen der Geiseln seien in größter Sorge. Die Familien bäten daher inständig darum, ihre Söhne zu verschonen.

Der Krisenstab im Auswärtigen Amt setzte unterdessen seine Bemühungen um ihre Freilassung intensiv fort, wie eine Sprecherin mitteilte. Außenminister Frank-Walter Steinmeier werde laufend unterrichtet. Der Grünen-Politiker Ludger Volmer rechtfertigte die zurückhaltende Informationspolitik der Bundesregierung. Zu viel Berichterstattung oder der Eindruck von Kollegialität könne die Arbeit von Vermittlern gefährden und zunichte machen, sagte der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt.

„Die Vermittler können deshalb nur arbeiten, weil die Gegenseite annimmt, dass die Kontakte zu uns nicht freundschaftlich sind.“ Die Öffentlichkeit habe zwar das Bedürfnis, informiert zu werden, fügte Volmer hinzu. „Aber man kann sagen: „Feind hört mit'.“ Geiselnehmer mit politischem Hintergrund hätten vermutlich auch Verbindungsleute, die das Medienecho in Deutschland genau beobachteten.

Die Muslime in Leipzig verurteilten unterdessen die Verschleppung der Ingenieure aufs Schärfste und forderten deren Freilassung. „Solche Handlungen sind in unserer Religion verboten“, sagte Hassan Dabbagh, Imam der Al-Rahman Moschee. Er werde dieses Thema beim Freitagsgebet wieder ansprechen. Dabbagh appellierte an die Geiselnehmer, die beiden jungen Männer frei zu lassen. „In der arabischen Kultur gilt der Grundsatz: Wer dir etwas Gutes tut, dem darfst du nichts Böses antun“, sagte der Imam. Er erinnerte daran, dass sich die Leipziger zu 90 Prozent und die Deutschen insgesamt zu mehr als 80 Prozent gegen den Irak-Krieg ausgesprochen hätten.

An der Leipziger Nikolaikirche sollte am Abend eine Mahnwache für die beiden Geiseln stattfinden. Der frühere Oberbürgermeister und jetzige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee zündete gemeinsam mit dem Pastor Christian Führer eine Kerze für die Männer an.

Nitzschke und Bräunlich waren in der vergangenen Woche in der Raffineriestadt Beidschi entführt worden. Am Dienstag meldeten sich die Entführer erneut zu mit einem Video und forderten die Bundesregierung ultimativ auf, ihre Forderungen zu erfüllen. Andernfalls würden die Geiseln getötet.

„Mit dem neuen Video ist ein Nervenkrieg zwischen den Entführern und der Bundesregierung entfesselt worden“, sagte der Terror-Experte Rolf Tophoven. Die Kidnapper bauten mit der Stellung eines Ultimatums einen enormen Druck auf und bezögen dafür die Medien mit ein. Nach seiner Aussage gab es zwar in der Vergangenheit immer wieder Entführungen, bei denen Fristen verlängert worden seien. „Aber die Lage hat sich deutlich verschlimmert.“ Eine Befreiungsaktion sei nach jetzigem Stand unrealistisch, weil Informationen fehlten.

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