Appell
Wirtschaft hofft auf strenge Umwelt-Regeln

Die internationalen Klimaschutzverhandlungen gehen jetzt in die entscheidende Phase - gebannt verfolgt die deutsche Wirtschaft diesen Prozess und macht jetzt Druck auf die Politik. Hintergrund: Der strengere Umweltschutz könnte das eigene Geschäft beflügeln. Deutschlands Aussichten sind dabei besonders gut.

BERLIN. Viele Unternehmen hoffen nach dem Uno-Klimagipfel, dass die Staaten im Dezember in Kopenhagen ein Kyoto-Nachfolgeabkommen mit verbindlichen Treibhausgasreduktionszielen beschließen. Denn weitreichende Verpflichtungen für Industrie- und Schwellenländer könnten das eigene Geschäft beflügeln.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet, dass sich die weltweiten Ausgaben für Umweltschutzgüter und Investitionen in erneuerbare Energien von derzeit 584 Mrd. Dollar bis 2020 mindestens verdoppeln. Die Chefs von mehr als 500 weltweit tätigen Konzernen übergaben den Gipfelteilnehmern in New York am Dienstag ein Kommuniqué, in dem sie "ein ehrgeiziges, stabiles und faires Abkommen über den Klimawandel" forderten. Dieses solle eine "glaubwürdige Antwort" sein "auf das Ausmaß und die Dringlichkeit der Krisen, die diese Welt heute erschüttern". Zu den Unterzeichnern gehören die Allianz, BASF, die Deutsche Telekom, Eon, Otto und Siemens. "Der Industrie bleibt gar nichts anderes übrig, als auf Umwelt- und Klimaschutzgüter zu setzen", sagt DIW-Experte Dietmar Edler. Der technologische Vorsprung Deutschlands sei beachtlich. Tatsächlich sind deutsche Unternehmen in vielen Bereichen der Umwelttechnik-Branche Weltmarktführer.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger wird die Bedeutung der Umwelttechnologie in Deutschland so stark wachsen, dass die Branche im Jahr 2020 den Fahrzeug- und den Maschinenbau als Leitindustrien ablöst.

Deshalb bekennt sich nun auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zu ambitionierten Klimaschutzzielen. Das entsprechende Positionspapier, das dem Handelsblatt vorliegt, schickte der BDI Ende vergangener Woche an Kanzleramt, Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium sowie an die Mitgliedsverbände - es markiert eine Wende in der Klimaschutzpolitik des BDI. Anders als früher bekennt sich der Verband jetzt zu dem Ziel der EU, die Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber 1990 um ein Fünftel zu verringern.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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