Arabien: Immer mehr Proteste und Gewalt

Arabien
Immer mehr Proteste und Gewalt

Libyen, Bahrain, Algerien, Saudi-Arabien: Der Unmut der Bevölkerung erfasst immer mehr arabische Länder. Die Regime schlagen mit Härte zu. Doch zur Taktik gehören offenbar auch Rückzugsmanöver.
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Bengasi/AlgierWenige Stunden nach dem gewaltsamen Vorgehen libyscher Spezialkräfte gegen ein Zeltlager von Demonstranten haben sich in der Stadt Bengasi alle Polizeikräfte zurückgezogen. Die Bewohner organisierten daraufhin Bürgerwehren, um sich zu schützen. „Wir sehen keinen einzigen Polizisten in den Straßen, nicht einmal Verkehrspolizisten“, sagte ein Anwalt in Bengasi.
Die Menschen hätten nun Angst, dass nach der Räumung des Zeltlagers regierungstreue Kräfte ein Haus nach dem anderen stürmen könnten. „Die Einwohner haben Bürgerwehren zum Schutz ihrer Häuser und Viertel gegründet“, sagte der Anwalt, der aus Angst vor Repressionen anonym bleiben wollte.
Das Regime unterbrach unterdessen den gesamten Internetverkehr im Land, um weitere Protestaktionen zu erschweren. Die Zahl der Toten bei den seit drei Tagen anhaltenden Protesten gegen Präsident Muammar al Gaddafi liegt Menschenrechtlern zufolge bei 84.
Außerdem seien mehrere Aktivisten von den Sicherheitskräften festgenommen worden, sagte der in der Schweiz lebende libysche Oppositionelle Fathi al Warfali. Darunter auch Abdel Hafes Gugha, einer der Organisatoren der Proteste. Sicherheitskräfte hätten nachts sein Haus gestürmt und ihn festgenommen.
Trotz solcher Reaktionen der Machthaber verlieren in Arabien immer mehr Menschen die Angst vor ihren autokratischen Herrschern. Die Welle der Proteste für Demokratie und soziale Reformen reichte am Samstag von Algerien in Nordafrika über Libyen, den Jemen, Bahrain, Oman und Kuwait bis zum Kleinstaat Dschibuti am Horn von Afrika. Die Auseinandersetzungen in Libyen waren die heftigsten.
Auch im Jemen gab es neue Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Ali Abdullah Saleh. Dabei kam am Samstag ein Oppositioneller zu Tode. Proteste gegen die Regierungen wurden am Samstag auch aus Oman und Dschibuti am Horn von Afrika bekannt. In Djibouti unterhalten die USA ihren einzigen Militärstützpunkt in Afrika.
Die Protestwelle erreichte zeitweilig auch Saudi-Arabien. Angehörige der schiitischen Minderheit gingen Schiiten-Kreisen zufolge im ölreichen Osten des Königreichs auf die Straße, um gegen die Inhaftierung von Glaubensbrüdern ohne Prozess zu demonstrieren. Um die Behörden nicht zu provozieren, hätten die Demonstranten bei ihrer Aktion keine Parolen gerufen und auch auf Spruchbänder verzichtet. Die Proteste in der an Bahrain grenzenden Region fanden am Donnerstag statt, wurden aber erst am Samstag bekannt. Die Arabische Liga bezeichnete die Lage in der Region als ernst und schicksalhaft. Deshalb müsse der Gipfel der Liga wie geplant am 29. März in Bagdad stattfinden.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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