Arabien in Aufruhr
Gaddafi-Sohn soll Protestwelle stoppen

Der Proteststurm in Libyen hat Staatschef Gaddafi alarmiert. Politische Reformen sollen nun Schlimmeres verhindern. Für die Umsetzung hat er einen seiner Söhne eingespannt. Im Golfstaat Bahrain bleibt die Lage brisant.
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Tripolis/KairoNach einem Tag blutiger Unruhen in mehreren Städten Libyens will Staatschef Muammar al-Gaddafi einen seiner Söhne ins Zentrum des Aufstandes schicken. Die libysche Zeitung „Al-Watan“ meldete am Freitag, Al-Saadi al-Gaddafi (37), der international bisher vor allem als Spieler bei italienischen Fußballvereinen aufgefallen war, wolle nach Bengasi im Osten des Landes umziehen, um dort einen Aktionsplan zur Verbesserung der Infrastruktur umzusetzen.

Der Sohn des Revolutionsführers sagte der Zeitung: „Dabei wird sich keiner der bisherigen Verantwortlichen einmischen dürfen.“ Al-Saadi al-Gaddafi betonte, es gehe im darum, eine Aufgabe zu erledigen. Wer ihn kenne, wisse, dass er nicht nach Verantwortung strebe.

In den von seinem Bruder Seif al-Din al-Gaddafi gegründeten semi-unabhängigen Medien wurde in eingeschränkter Weise über die Proteste vom Donnerstag berichtet, bei denen nach Angaben aus Oppositionskreisen mehr als 45 Menschen getötet worden waren. Allerdings wurden keine Opferzahlen genannt.

Die Zeitung „Qurina“ ließ jedoch einen Anwalt zu Wort kommen, der zusammen mit anderen Anwälten vor einem Justizgebäude in Bengasi gegen Korruption und für politische Reformen demonstriert hatte. Dieser sagte nach Angaben des Blattes: „Wir haben das Recht, unsere Meinung zu äußern, schließlich leben wir doch in einem Land, in dem alle Macht vom Volke ausgehen soll.“ Die Staatsmedien berichteten nur über die Pro-Gaddafi-Kundgebungen der vergangenen Tage.

In Benghasi demonstrierten derweil erneut tausende Demonstranten gegen Gaddafi. Augenzeugen zufolge patrouillierten Soldaten in den Straßen der zweitgrößten Stadt des Landes. Später sollten in Benghasi und andernorts mehrere Regierungsgegner beigesetzt werden, die am Donnerstag bei heftigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften getötet wurden.

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