Obwohl sich die Tragödie der arabischen und vor allem der irakischen Christen vor der europäischen Haustür abspielt, hält sich die europäische Solidarität mit ihnen in Grenzen. Das Abendland hat sich schon lange aus seiner Rolle als Beschützer der christlichen Minoritäten im Orient verabschiedet. Daran kann die Solidarität des Vatikans und der westlichen Kirchen nach der Ermordung des chaldäischen Erzbischofs Faradsch Rahho im vorigen März mit den arabischen Christen nichts ändern.
Die Forderung des Bundesinnenministers, den irakischen Christen Asyl in der EU und in Deutschland zu gewähren, ist eine humanitäre Geste, wenn sie denn endlich umgesetzt wird. Sie kann jedoch nicht das notwendige europäische und deutsche Engagement für Frieden und Stabilität im Nahen Osten ersetzen. Der Westen und vor allem die USA, die eine politische Mitverantwortung für die Entstehung der Konflikte in Palästina und Irak tragen, können nicht selektiv mit den Opfern von Gewalt und Verfolgung umgehen.
Die wahre Solidarität mit den arabischen Christen darf nicht allein ihre Emigration aus ihren Ländern fördern. Dies wäre letztendlich Wasser auf die Mühlen der islamistischen Fanatiker, die das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen. Die weitere Flucht und Emigration der Christen, die ein untrennbarer Bestandteil ihrer Gesellschaften sind, würde zur weiteren geistigen Verarmung der islamischen und arabischen Welt führen, die angesichts der gegenwärtigen islamistischen Finsternis kulturelle Vielfalt und geistige Offenheit bitter nötig hat.


