Arafat liegt im Koma
Palästinenser haben Angst vor Unruhen

Die Palästinenserführung bereitet sich angesichts des dramatischen Gesundheitszustandes ihres Präsidenten auf eine Zeit nach Jassir Arafat vor. In Gaza-Stadt treffen sich am Freitag Delegierte von 13 verschiedenen Palästinenserorganisationen, um ein gemeinsames Handeln im Falle des Todes von Arafat abzusprechen.

HB RAMALLAH/PARIS. Nach Angaben von Ärzten des französischen Militärkrankenhauses, in dem Arafat seit einer Woche behandelt wird, ist der 75-Jährige in ein tiefes Koma gefallen. Er werde nur noch von Maschinen am Leben gehalten, hieß es. Eine offizielle Bestätigung für einen so genannten Hirntod gab es jedoch nicht.

Vor der Klinik versammelten sich am Donnerstagabend Anhänger Arafats, um eine Nachtwache zu halten. „Wir wollen nicht glauben, dass er tot ist“, sagte eine Palästinenserin. Die Menschen, die sich hinter Polizeiabsperrungen drängten, hielten Kerzen, Fahnen und Porträts ihres „unsterblichen Symbols der Sache der Palästinenser“ hoch.

Zu dem Treffen der Palästinenserorganisationen in Gaza-Stadt werde auch der palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia aus Ramallah anreisen, heißt es am Donnerstagabend in Palästinenserkreisen. Zugleich wurden in Ramallah, wo Arafat sein Hauptquartier hat, verstärkte Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Die Sicherheitskräfte seien in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, hieß es.

Die Palästinenserführung rief die Bevölkerung zu Einigkeit und Standfestigkeit auf. Die Menschen sollten nicht auf Gerüchte über den Gesundheitszustand Arafats hören, sagte Arafats Chefberater Tajib Abdel Rachim in Ramallah. In Israel wurden Polizei und Armee angewiesen, alles zu vermeiden, was Spannungen mit Palästinensern erzeugen könnte.

Widersprüchliche Angaben über den Zustand Arafats hatten am Donnerstag für Aufregung und Verwirrung gesorgt. Zunächst hieß es, Arafat sei hirntot. Später verlautete, Arafat sei „in ein sehr tiefes Koma“ gefallen. Dieser Zustand zwischen Leben und Tod könne mit Hilfe der Maschinen „um mehrere Tage und sogar einige Wochen verlängert werden“.

Der Palästinenserpräsident war am Freitag vergangener Woche von seinem Amtssitz in Ramallah in das auf Blutkrankheiten spezialisierte Krankenhaus bei Paris gebracht worden. Einen Nachfolger für Arafat haben die Palästinenser noch nicht ernannt. Arafat selbst hatte vor seiner Abreise nach Paris angekündigt, er wolle seine Amtsgeschäfte vom Krankenbett aus weiterführen.

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